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Guillain-Barré-Syndrom

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Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS, idiopathische Polyradikuloneuritis) ist eine entzündliche Erkrankung der Nerven. Das typische Symptom ist eine an den Händen oder Füßen beginnende Lähmung und Sensibilitätsstörung, die sich allmählich immer weiter zum Körperstamm hin ausbreitet. Dem GBS liegt eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems zugrunde. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Guillain-Barré-Syndrom.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. G61ArtikelübersichtGuillain-Barré-Syndrom

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Guillain-Barré-Syndrom: Beschreibung

Im Jahr 1916 beschrieben die drei französischen Ärzte Guillain, Barré und Strohl erstmals das Guillain-Barré-Syndrom (GBS). „Syndrom“ bedeutet, dass es sich um eine Krankheit handelt, die sich durch eine bestimmte Kombination von Symptomen auszeichnet.

Das Guillain-Barré-Syndrom ist durch aufsteigende Lähmungen und Sensibilitätsstörungen, die zumeist in den Händen oder Füßen beginnen, gekennzeichnet. Zu diesen Ausfällen kommt es, weil autoaggressive Immunzellen die isolierende Ummantelung der Nervenbahnen angreifen (Demyelinisierung) und auch die Nervenbahnen (Axone) selbst schädigen. Dabei ist sind vor allem die peripheren Nerven und die Nervenabgänge aus dem Rückenmark (Spinalnerven) betroffen.

Die Ursachen für das Guillain-Barré-Syndrom sind noch weitgehend unklar. In der Regel tritt die Erkrankung jedoch nach einer Infektion auf.

Das Guillain-Barré-Syndrom lässt sich in sieben verschiedene Subtypen unterteilen, die sich durch die Ausprägung der Symptome und bestimmte Laborbefunde voneinander unterscheiden. In Europa ist die sogenannte Akute Inflammatorische Demyelinisierende Polyneuropathie (AIDP) der häufigste Subtyp. Sie ist gekennzeichnet durch einen Abbau der Schutzhülle, welche die Nervenbahnen isoliert (Myelinscheide).

Guillain-Barré-Syndrom: Häufigkeit

Etwa einer von hunderttausend Menschen erkrankt in Deutschland pro Jahr am Guillain-Barré-Syndrom. Das GBS kann in jedem Lebensalter auftreten, allerdings kommt es im höheren Lebensalter häufiger vor. Männer sind etwas häufiger vom Guillain-Barré-Syndrom betroffen als Frauen.

In etwa 70 Prozent der Fälle entwickeln sich die Symptome innerhalb von Wochen oder Monaten wieder vollständig zurück. Ungefähr acht Prozent der Erkrankten sterben jedoch an Komplikationen des GBS, wie beispielsweise einer Atemlähmung oder einer Lungenembolie. Gehäuft tritt das Guillain-Barré-Syndrom im Frühjahr und Herbst auf, möglicherweise da in diesen Jahreszeiten auch Infekte deutlich häufiger sind.

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Guillain-Barré-Syndrom: Symptome

Das Guillain-Barré-Syndrom ruft zumeist typische Anzeichen hervor. Die ersten Hinweise auf den Beginn von GBS sind allerdings unspezifisch und ähneln einem leichten Infekt. Es treten beispielsweise Rücken- und Gliederschmerzen auf. Im Unterschied zu anderen Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen verursacht das Guillain-Barré-Syndrom in der Frühphase meist kein Fieber.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich das eigentliche Guillain-Barré-Syndrom mit Missempfindungen, Schmerzen und Lähmungen an den Händen und Füßen.Zumeist sind diese Ausfälle beidseits etwa gleich ausgeprägt (symmetrisch). Besonders typisch sind die Lähmungen, welche sich innerhalb von Stunden bis Tagen entwickeln können. Diese meist körperfern beginnenden Symptome nähern sich im Verlauf immer weiter dem Körperstamm und nehmen nach und nach an Intensität zu. Die Rückenschmerzen verleiten manchmal zu der Fehldiagnose Bandscheibenvorfall. Wahrscheinlich werden die Schmerzen beim Guillain-Barré-Syndrom durch die Entzündung der aus dem Rückenmark austretenden Nervenpaare (Spinalnerven) verursacht.

In der zweiten bis dritten Krankheitswoche erreicht das Guillain-Barré-Syndrom seinen Höhepunkt. Danach bleiben die Symptome zunächst stabil (Plateauphase), bevor sie sich innerhalb von acht bis zwölf Wochen langsam zurückbilden.

Es ist auch möglich, dass das Guillain-Barré-Syndrom länger andauert und die Symptome nicht wieder komplett verschwinden. Wenn die Beschwerden des GBS länger als zwei Monate bestehen, wird diese chronische Form der Erkrankung auch als chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyradikulopathie (CIDP) bezeichnet.

Bei vielen Patienten sind auch die sogenannten Hirnnerven vom Guillain-Barré-Syndrom betroffen. Diese Nervenbahnen treten direkt aus dem Gehirn aus und steuern vor allem Sensibilität und Motorik im Kopf- und Gesichtsbereich. Typisch für eine Beteiligung der Hirnnerven beim Guillain-Barré-Syndrom ist eine beidseitige Lähmung des siebten Gehirnnervs (N. facialis), die zu einer sogenannten Fazialislähmung (Fazialisparese) führt.

Darüber hinaus kann beim Guillain-Barré-Syndrom das autonome Nervensystem betroffen sein. Dadurch kann es zu Fehlregulationen in der Funktion des Kreislaufs und der Drüsen (Schweiß-, Speichel-, Tränendrüsen) kommen. Auch die normale Funktion der Blase und des Mastdarms kann beeinträchtigt sein, sodass eine Inkontinenz auftreten kann.

Guillain-Barré-Syndrom: Komplikationen

Die Symptome, die das Guillain-Barré-Syndrom hervorruft, nehmen im Verlauf der Erkrankung oft immer mehr zu. Sie können zu einer fast vollständigen Lähmung aller Muskeln führen. Aus diesem Grund kann das Guillain-Barré-Syndrom schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall werden Atmung und das Herz-Kreislauf-System schwer gestört. Die Atmung ist in bis zu 20 Prozent der Fälle beeinträchtigt („Landry-Paralyse“) und erfordert gegebenenfalls eine maschinelle Beatmung des Erkrankten.

Da Betroffene sich zunehmend schlechter bewegen können, steigt die Gefahr einer Blutgerinnsel-Bildung in den Gefäßen (Thrombosen). Die Gerinnsel können sich lösen, über das Herz in die Lunge gelangen und dort Gefäße verstopfen (Lungenembolie).

Halten die Lähmungserscheinungen der Muskeln längere Zeit an, kann es zu Muskelschwund (Muskelatrophie) kommen.

Guillain-Barré-Syndrom: Sonderformen

Das sogenannte Miller-Fisher-Syndrom ist eine Sonderform der GBS-Krankheit, die besonders stark die Hirnnerven betrifft. Die drei Hauptsymptome dieser Sonderform sind Lähmung der Augenmuskeln, Reflexverlust und Gangstörungen. Im Gegensatz zum klassischen Guillain-Barré-Syndrom sind beim Miller-Fisher-Syndrom die Lähmungen der Extremitäten nur gering ausgeprägt.

In manchen Fällen von Guillain-Barré-Syndrom kann auch ausschließlich das autonome Nervensystem betroffen sein (akute Pandysautonomie). Dadurch können sich die oben beschriebenen Störungen der Kreislauffunktion, der Schweiß- und Speichelsekretion sowie der Blasen- und Mastdarmfunktion ergeben.

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Guillain-Barré-Syndrom: Ursachen und Risikofaktoren

Bislang ist nicht sicher geklärt, wodurch das Guillain-Barré-Syndrom verursacht wird. Besonders auffallend ist jedoch, dass die GBS-Krankheit zumeist nach einer Infektion auftritt. Drei Viertel aller Patienten geben an, dass sie eine Atemwegs- oder Magen-Darm-Infektion vor Beginn des Guillain-Barré-Syndroms hatten. Zumeist beginnt das GBS sieben bis zehn Tage nach einer Infektion.

Es wird vermutet, dass autoaggressive Immunzellen die isolierenden Ummantelungen der Nervenbahnen (Myelinscheiden) angreifen und so eine Entzündung der Nerven provozieren (Polyneuritis). Hinzu kommen entzündungsbedingte Schwellungen (Ödeme) der Nerven. Beim Guillain-Barré-Syndrom sind vor allem periphere Nervenbahnen (peripheres Nervensystem) und die aus dem Rückenmark austretenden Nervenpaare (Spinalnerven) betroffen. Das sogenannte zentrale Nervensystem, das Gehirn und Rückenmark umfasst, ist seltener betroffen.

Guillain-Barré-Syndrom nach Infektionen

Bei Infektionen mit bestimmten Erregern tritt nachweislich besonders häufig ein Guillain-Barré-Syndrom auf. Dazu gehören Infektionen wie Herpes Zoster, Mumps oder auch Borreliose. Campylobacter jejuni, ein bakterieller Erreger von Magen-Darm-Infekten, ist vermutlich der häufigste Auslöser von GBS:

Während einer Infektion bildet der Körper Antiköper gegen Oberflächenstrukturen eines Krankheitserregers aus. Campylobacter jejuni besitzt auf seiner Oberfläche Strukturen, die denen der Nervenhülle ähneln. Es wird daher vermutet, dass die Antikörper gegen den Krankheitserreger nach überstandenem Infekt weiter im Körper zirkulieren und aufgrund der ähnlichen Oberflächenstrukturen nun die Nerven angreifen („molekulares Mimikry“). Allerdings entwickeln nur etwa 30 von 100.000 Menschen, die mit diesem Bakterium infiziert sind, ein Guillain-Barré-Syndrom. Diese Vermutung der „molekularen Mimikry“ gilt ebenso für andere Bakterien und auch Viren.

Guillain-Barré-Syndrom nach Impfungen

In den Sicherheitsinformationen von Impfungen ist das Guillain-Barré-Syndrom innerhalb von sechs Wochen nach der Impfung als mögliche Nebenwirkung erwähnt. Ein GBS als Folge einer Impfung ist nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings äußerst. Der Nutzen einer Impfung übersteigt in jedem Fall das verschwindend geringe Risiko, am Guillain-Barré-Syndrom zu erkranken.

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Guillain-Barré-Syndrom: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom sollte umgehend eine neurologische Klinik mit Intensivstation aufgesucht werden. Der Arzt kann bereits durch die Schilderung Ihrer Beschwerden und eventueller Vorerkrankungen wichtige Informationen erhalten (Anamnese). Typische Fragen, die der Arzt bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom stellen könnte, sind:

  • Waren Sie in den letzten vier Wochen krank (Erkältung oder Magen-Darm-Infektion)?
  • Wurden Sie in den letzten Wochen geimpft?
  • Bemerken Sie Lähmungserscheinungen oder Missempfindungen an Händen, Füßen oder einer anderen Körperstelle?
  • Haben Sie Rückenschmerzen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Oft besteht der bereits erwähnte Zusammenhang mit einer ungefähr zwei Wochen vorausgehenden Magen-Darm- oder Atemwegserkrankung. Wenn nach einer solchen Infektion Muskelschwächen oder Störungen der Sensibilität auftreten, sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden. In einer Klinik muss dann überprüft werden, ob tatsächlich das Guillain-Barré-Syndrom dahinter steckt oder die Symptome eine andere Ursache haben wie etwa Muskelerkrankungen oder Verletzungen des Rückenmarks.

Körperliche Untersuchung:

Nach der Anamnese folgt die körperliche Untersuchung. Dabei testet der Arzt die Sensibilität und Muskelkraft an verschiedenen Körperstellen. Auch eine Überprüfung der zwölf Hirnnerven und der Reflexe ist Teil der körperlichen Untersuchung.

Experten haben Kriterien definiert, mit deren Hilfe die Diagnose Guillain-Barré -Syndrom gestellt werden kann. Die drei erforderlichen Hauptkriterien sind:

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