Krankheiten

Grüner Star

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Grüner Star (mediz.: Glaukom) ist ein Sammelbegriff für verschiedene Augenkrankheiten, die den Sehnerv und die Netzhaut schädigen. Ein Grüner Star tritt meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf, die Häufigkeit nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Grüner Star kann aber auch angeboren sein. Unbehandelt führt ein Grüner Star zur Erblindung - es ist deshalb besonders wichtig, die Warnzeichen der Krankheit frühzeitig zu erkennen. Hier erfahren Sie alles Wichtige zum Grünen Star.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. H42H40Q15

"Eine regelmäßige Kontrolle des Augeninnendrucks ist eine der wichtigsten Untersuchungen beim Augenarzt! Ein erhöhter Augendruck kann im äußersten Fall zur Erblindung führen."

Dr. med. Mira SeidelArtikelübersichtGrüner Star
  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Grüner Star: Beschreibung

Ein Grüner Star (Glaukom) bezeichnet eine Gruppe von Augenkrankheiten, die im fortgeschrittenen Stadium die Nervenzellen der lichtempfindlichen Netzhaut (Retina) sowie den Sehnerv (Nervus opticus) schädigen. Der Krankheitsname hat also nichts mit der Vogelwelt zu tun. Der alte Begriff „Grüner Star“ beschreibt einerseits das häufig zu beobachtende (blau-)grünliche Schimmern der Iris beim fortgeschrittenen Glaukom, andererseits den „starren Blick“, wenn das Auge erblindet ist.

Wie entsteht Grüner Star?Unbehandelt führt ein Glaukom zur Erblindung. Sehen Sie im Video, an welchen Warnzeichen Sie die Augenkrankheit erkennen können und wie sie entsteht.Unbehandelt führt ein Glaukom zur Erblindung. Sehen Sie im Video, an welchen Warnzeichen Sie die Augenkrankheit erkennen können und wie sie entsteht.

So entsteht Grüner Star

In der Mehrzahl der Fälle geht Grüner Star mit einem erhöhten Druck im Augapfel einher. Dieser entsteht, wenn in der vorderen Augenkammer, wo sich die Augenlinse befindet, mehr Kammerwasser gebildet wird als über das Abflusssystem im Kammerwinkel abgeleitet werden kann. Der ständige Austausch von Kammerwasser ist für die Funktion des Auges wichtig. Das Kammerwasser trägt Nährstoffe und Sauerstoff an die Linse und die Hornhaut, die keine eigenen Blutgefäße haben. Zudem dient das Kammerwasser als optisches Medium. Staut es sich in der vorderen Augenkammer, steigt der Druck im Auge.

Der Augeninnendruck wird mit einem sogenannten Applanationstonometer gemessen. Das Gerät bestimmt, wie viel Druck erforderlich ist, um einen bestimmten Bereich der gewölbten Hornhaut des Auges (die klare Hautschicht vor der Pupille) zu verformen. Je höher der Augeninnendruck, desto höher die Kraft, die dafür aufgewendet werden muss. Die Maßeinheit für den Druck im Augapfel ist „Millimeter Quecksilbersäule“ (mmHg), dieselbe Einheit, die auch beispielsweise für den Blutdruck verwendet wird. Normalwerte für den Augeninnendruck liegen zwischen 10 und 21 mmHg und können im Tagesverlauf um etwa fünf mmHg schwanken - die höchsten Werte treten nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Beim Glaukom kann der Druck im Augapfel auf Werte von 40 bis 60 mmHg steigen.

Durch den erhöhten Druck werden beim Glaukom Blutversorgung und Ernährung der empfindlichen Nervenzellen gestört. Sehstörungen, sogenannte Gesichtsfeldausfälle, gehören deshalb zu den typischen Anzeichen beim Glaukom. Bleibt ein Grüner Star unbemerkt oder wird er medizinisch nicht ausreichend behandelt, kann der Betroffene sogar sein Sehvermögen ganz verlieren.

Grüner Star kann zur Erblindung führen

Grüner Star gehört zu den häufigsten Ursachen für eine Erblindung. In den Industrienationen steht die Diagnose „Grüner Star“ auf Platz drei der Erblindungsursachen. Der Initiativkreis zur Glaukomfrüherkennung e.V. schätzt, dass rund 800.000 Menschen in Deutschland am Glaukom erkrankt sind. Nur bei etwa zwei Dritteln ist die Diagnose aber bekannt - in vielen Fällen wissen die Betroffenen nichts von der Erkrankung. Wenn der Betroffene die Sehstörungen selbst wahrnimmt, ist die Schädigung von Netzhaut und/oder Sehnerv oft schon weit fortgeschritten. Ist durch ein Glaukom bereits ein Schaden entstanden, lässt er sich in der Regel nicht mehr rückgängig machen.

Grüner Star ist mit zunehmendem Lebensalter häufiger. Jenseits des 75. Lebensjahrs sind sieben bis acht Prozent der Menschen betroffen, nach dem 80. Lebensjahr trifft ein Grüner Star sogar zwischen 10 und 15 Prozent.

Vier Glaukom-Grundformen

Grüner Star kann in verschiedenen Formen auftreten. Augenärzte (Ophtalmologen) unterteilen die Varianten entsprechend der Anatomie und der Glaukom-Ursachen in vier große Gruppen:

Das primäre Offenwinkelglaukom (manchmal auch als „Weitwinkelglaukom“ bezeichnet) entsteht, wenn der Abfluss von Kammerwasser durch Ablagerungen (Plaques) gestört wird. Ein Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form von Grünem Star bei älteren Menschen. Das Normaldruckglaukom ist eine Unterform des Offenwinkelglaukoms, bei der jedoch der Abfluss von Kammerwasser nicht gestört und damit der Druck im Augapfel nicht krankhaft erhöht ist.

Beim Engwinkelglaukom ist die vordere Augenkammer der Betroffenen - meist anlagebedingt - so flach, dass die Regenbogenhaut der Iris den Kammerwinkel stark verengt oder sogar blockiert. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Pupille durch Dunkelheit oder durch die Wirkung von Medikamenten (oder Drogen) geweitet wird und sich die Regenbogenhaut im Kammerwinkel „auffaltet“. Der Abfluss des Kammerwassers wird also behindert oder sogar komplett unterbunden (Winkelblock-Glaukom). Tritt diese Abflussstörung anfallsweise auf, äußert sie sich als Glaukomanfall - ein augenärztlicher Notfall. Der Druck im Auge kann dabei so stark ansteigen, dass Netzhaut und Nerven unmittelbar und dauerhaft Schaden nehmen.

Tritt ein Grüner Star beim Neugeborenen oder Kleinkind auf, handelt es sich in der Regel um ein primäres angeborenes Glaukom - eine Fehlentwicklung des Kammerwinkels, der deshalb das im Auge gebildete Kammerwasser nicht ausreichend ableiten kann.

Sekundäres („erworbenes“) Glaukom heißt ein Grüner Star, wenn andere Krankheiten, Entzündungen oder Verletzungen für die Abflussstörung des Kammerwassers verantwortlich sind. So können etwa veränderte Blutgefäße, Vernarbungen oder Entzündungszellen den Kammerwinkel teilweise oder schließlich auch komplett blockieren.

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