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Gallenblasenentzündung

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Die Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) wird meist durch Gallensteine ausgelöst. Häufig kommt es dabei zu einer Infektion mit Bakterien. In fast allen Fällen wird eine Cholezystitis durch die operative Entfernung der Gallenblase behandelt. So können schwere Komplikationen wie Eiteransammlungen oder gefährliche Bauchraumentzündungen vermieden werden. Lesen Sie hier alles Wichtige über Ursachen, Symptome und Behandlung der Gallenblasenentzündung.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. K81

Starkes Übergewicht ist ein Risikofaktor für Gallensteine. Sie sollten ihr Gewicht jedoch nicht zu rasch reduzieren, da dies Gallensteine ebenfalls begünstigen kann.

Dr. med. Mira SeidelArtikelübersichtGallenblasenentzündung
  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Gallenblasenentzündung: Beschreibung

Die Gallenblasenentzündung ist eine Erkrankung der Wand der Gallenblase. Sie entsteht in den meisten Fällen durch ein Gallensteinleiden (Cholelithiasis). Die Gallenblase ist ein Hohlorgan, das sich unterhalb der Leber befindet. Ihr Aussehen erinnert an eine Birne. Die menschliche Gallenblase ist für gewöhnlich acht bis zwölf Zentimeter lang und vier bis fünf Zentimeter breit. Sie speichert den Gallensaft (Galle), der in den Leberzellen produziert wird. Dabei dickt sie ihn ein. Der Gallensaft wird benötigt, um Fette im Darm zu verdauen.

Einteilung der Gallenblasenentzündungen

Mediziner sprechen bei einer Gallenblasenentzündung auch von einer Cholezystitis (gr. chole = Galle; kystis = Blase). Ist die Gallenblasenentzündung Folge eines Gallensteinleidens (90 bis 95 Prozent der Fälle), nennt man sie auch kalkulöse Cholezystitis. Kommt es ohne Steine zu einer Gallenblasenentzündung sprechen Ärzte von einer akalkulösen Cholezystitis. Darüber hinaus unterscheiden Experten eine akute von einer chronischen Gallenblasenentzündung.

Gallenblasenentzündung-Häufigkeit

Im Jahr 2012 lagen laut einem Bericht des Statistischen Bundesamtes 15.126 Patienten mit einer Gallenblasenentzündung (Hauptdiagnose) in deutschen Krankenhäusern. In den meisten Fällen waren die Patienten über 55 Jahre alt. Am häufigsten waren Menschen im Alter von 70 bis 75 Jahren betroffen (1.945 Gallenblasenentzündungen). Das deutsche Ärzteblatt spricht sogar von insgesamt über 64.000 stationären Patienten mit einer Gallenblasenentzündung.

Nach verschiedenen Studien ist eine chronische Cholezystitis etwa drei bis acht Mal häufiger als eine akute. Genaue Angaben zur Häufigkeit einer Gallenblasenentzündung können nicht gemacht werden, da ein Großteil der Patienten entweder nicht den Arzt aufsucht oder nicht ins Krankenhaus eingewiesen wird.

Eine steinbedingte Gallenblasenentzündung tritt bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Dies liegt vor allem daran, dass Gallensteine als Hauptursache einer Cholezystitis bei Frauen etwa doppelt so oft vorkommen wie bei Männern. Deutlich seltener entzündet sich die Gallenblasenwand auch ohne Gallensteine. Die Cholezystitis ist hier beispielsweise Folge einer künstlichen Ernährung bei Intensivpatienten. Von einer nicht-steinbedingten Gallenblasenentzündung sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

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Gallenblasenentzündung: Symptome

Die typischen Gallenblasenentzündungs-Symptome sind Schmerzen, die in der oberen Bauchregion über dem Magen beginnen und allmählich in den rechten Oberbauch wandern. Sie treten anfangs meist in krampfartigen Wellen auf (Gallenkolik). Im weiteren Verlauf verspüren Betroffene aber bei nahezu allen Gallenblasenentzündungen durchgehend (über mindesten sechs Stunden) Schmerzen im rechten Bauch. Drückt der Arzt auf diese Stelle, verstärken sich die Schmerzen. Unter Umständen können sie auch in den Rücken, in die rechte Schulter oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlen. Für gewöhnlich dauern die Anzeichen einer Gallenblasenentzündung über vier bis fünf Stunden an.

Manche Patienten beklagen zudem Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Darüber hinaus leiden viele Betroffene unter (leichtem) Fieber und Herzrasen (Tachykardie). Kommt es neben einer Gallenblasenentzündung auch zu einer entzündlichen Erkrankung der Gallenwege (Cholangitis) kann es zu einer Gelbfärbung der Augenbindehaut (Sklerenikterus) und im fortgeschrittenen Stadium auch der Haut (Gelbsucht=Ikterus) kommen. Die Gelbfärbung wird durch den Blutfarbstoff Bilirubin verursacht. Das Bilirubin verfärbt zunächst die Bindehaut der Augen und schließlich in das Hautgewebe.

Gallenblasenentzündung bei Kindern

Ist bei Kindern die Gallenblase entzündet, kommt es zu ähnlichen Symptomen. Gallenblasenentzündungen führen bei Kleinkindern jedoch deutlich schneller zu Gelbsucht und weißem bis gräulichem Stuhlgang (acholischer Stuhl) als bei Erwachsenen. Die Kinder sind leicht reizbar und „quengelig“ und schreien häufig. Viele Eltern berichten auch von einer Appetitlosigkeit ihres Kindes. Unter Gallenblasenentzündungs-Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen leiden oft erst ältere Kinder und Jugendliche. Zu Beginn einer Cholezystitis verspüren Kinder statt eines Oberbauchschmerzes oft nur ein unbehagliches Druckgefühl, das sich erst mit der Zeit zu krampfartigen Schmerzen entwickelt.

Gallenblasenentzündung bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen sind die Anzeichen oft nur schwach ausgeprägt, wenn sich die Gallenblase entzündet. Symptome wie Schmerzen oder Fieber fehlen meist. Viele verspüren nur bei Druck auf den rechten Oberbauch einen leichten Schmerz. Manche Betroffene fühlen sich lediglich abgeschlagen und müde. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sie zusätzlich an der Zuckerkrankheit Diabetes leiden. Auch bei einer chronischen Gallenblasenentzündung sind die Symptome schwächer ausgeprägt. Betroffene leiden meist nur an einem leichten Druckgefühl und Blähungen. Im Gegensatz dazu führt eine akalkulöse Cholezystitis (ohne Steine) relativ schnell zu einem schweren Krankheitsbild (Sepsis mit hohem Fieber).

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Gallenblasenentzündung: Ursachen und Risikofaktoren

Etwa 90 Prozent der Gallenblasenentzündungen gehen Gallensteine voraus. Diese Steine verlegen den Gallenblasenausgang (Cholezystolithiasis), den Gallengang (Choledocholithasis) oder die Einmündungsstelle am Dünndarm. Aufgrund dieser sogenannten Obstruktion kann die Galle nicht mehr abfließen und staut sich in der Gallenblase. Diese wird dadurch übermäßig gedehnt. Infolgedessen wird die Gallenblasenwand zusammengepresst. Das Blut kann nicht mehr frei durch die Gefäße in der Gallenblasenwand fließen und der Lymphabfluss ist ebenfalls gestört. In der Gallenblasenschleimhaut entsteht ein Nähr- und Sauerstoffmangel. Die Zellen der Gallenblase sterben teilweise ab und führen über freigesetzte Schadstoffe zu einer Gallenblasenentzündung.

Auch die Galle selbst schädigt mit ihren Gallensäuren und dem Stoff Lysolecithin die Gallenblasenwand. Zum einen gehen Zellen zugrunde und lösen so eine Gallenblasenentzündung aus. Zum anderen werden durch die aggressiven Stoffe spezielle Eiweiße, sogenannte Prostaglandine, freigesetzt. Insbesondere die Prostaglandine E und F fördern die Gallenblasenentzündung. Außerdem sondert die Gallenblasenwand unter Prostaglandin-Einfluss vermehrt Flüssigkeit ab. Die Gallenblase wird dadurch noch weiter gedehnt und der Mechanismus der Unterversorgung weiter verstärkt.

Risikofaktor Gallensteine

Meist versursacht ein Gallensteinleiden Gallenblasenentzündungen, da die Galle nicht mehr richtig abfließen kann. Daher erhöhen die Risikofaktoren für Gallensteine auch das Risiko einer kalkulösen Cholezystitis. Zu diesen Risikofaktoren zählen die sogenannten "6 f":

  • female (weibliches Geschlecht)
  • fat (starkes Übergewicht, Adipositas)
  • fourty (vierzig Jahre alt, allgemein mit steigendem Alter)
  • fertile (fruchtbar)
  • fair (hellhäutig)
  • family (familiäre Veranlagung)

Darüber hinaus kann auch ein schneller Gewichtsverlust zu Gallensteinen führen. Bestimmte Medikamente, insbesondere Hormonpräparate für Frauen, steigern das Risiko für Gallensteine und damit auch für Gallenblasenentzündungen. Gleiches gilt bei Schwangeren: Ein erhöhtes Auftreten des Botenstoffs Progesteron fördert die Entstehung von Gallenblasenentzündungen durch Steine.

Akalkulöse Gallenblasenentzündung

Die genaue Entstehung einer nicht durch Gallensteine verursachten Gallenblasenentzündung ist nicht ganz klar. Grundlegend vermuten Forscher aber auch hier eine Stauung beziehungsweise den Verbleib von dickflüssiger (konzentrierter) Galle in der Gallenblase. Konzentrierte Galle ist sehr aggressiv und greift die Schleimhaut der Gallenblase an, wenn sich diese nicht regelmäßig entleert (Gallenstase). Der Botenstoff Cholezystokinin (CCK) sorgt bei Gesunden für eben diese Entleerung der Galle in den Darm.

Gestörte Gallenblasenentleerung

Schwere Unfälle, ernsthafte Verbrennungen oder fieberhafte Erkrankungen wie eine bakterielle Blutvergiftung (Sepsis) trocknen den Körper aus und machen so die Galle dickflüssiger. Nimmt der Patient auch keine Nahrung mehr zu sich (bspw. weil er im künstlichen Koma liegt), wird der Botenstoff CCK nicht freigesetzt. Die aggressive, zähe, konzentrierte Galle bleibt in der Gallenblase und führt schließlich zu einer Gallenblasenentzündung. Auch langes Fasten verhindert die Ausschüttung von CCK und damit die Gallenblasenentleerung. Gleiches gilt, wenn ein Patient über einen langen Zeitraum (drei Monate) künstlich über die Vene (parenteral) ernährt wird.

Gestörte Sauerstoffversorgung und weitere Risikofaktoren

Darüber hinaus kann eine verringerte Blut- und damit Sauerstoffzufuhr die Gallenblase entzünden. Dies ist zum Beispiel nach Herzinfarkten der Fall. Eine Sichelzellenanämie kann ebenfalls zu einer Gallenblasenentzündung führen. Die falsch geformten roten Blutkörperchen verstopfen dabei die Blutkapillaren der Gallenblasenwand. Bei Zuckerkranken werden die Gefäße durch Ablagerungen geschädigt. Des Weiteren erhöhen Infektionen mit Salmonellen, dem Hepatitis-A-Virus oder dem HI-Virus („AIDS“) das Risiko einer Gallenblasenentzündung. Bei HIV-Kranken spielen vor allem das Zytomegalievirus, Krypto- und Mikrosporidien (Parasiten) eine entscheidende Rolle. Aufgrund einer erhöhten Infektionsgefahr sind abwehrgeschwächte Menschen im Allgemeinen gefährdet, an einer Gallenblasenentzündung zu erkranken.

Bakterien

Die Gallenflüssigkeit ist normalerweise keimfrei. Kommt es jedoch nach einem Gallestau zu einer Gallenblasenentzündung, steigen oft Erreger aus dem Darm auf und dringen in die Gallenblasenwand ein. Die häufigsten Keime sind die Bakterien Escherichia coli, Klebsiellen und Enterobakterien. Sie wandern entweder über den Gallengang oder die Lymphbahnen in die Gallenblase. Bakterielle Infektionen sind die Hauptursache für schwerwiegende Komplikationen einer Gallenblasenentzündung. Bakterielle Gallenblasenentzündungen betreffen in erster Linie Abwehrschwache (Immunsupprimierte) und schwer (vor)erkrankte Patienten (bspw. bei einer Sepsis). Sie können aber auch nach Bauchoperationen oder einer Spiegelung der Pankreas- und Gallengänge (ERCP=endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikographie) auftreten.

Eine Sonderform der Gallenblasenentzündung ist die emphysematöse Cholezystitis. Hier kommt es zu einer Infektion mit den gasbildenden Bakterien E. coli und Clostridien. Wenn auch sehr selten (etwa ein Prozent aller akuten Cholezystitiden) ist diese Form der Gallenblasenentzündung hoch gefährlich. Sie geht mit einem deutlich erhöhten Risiko schwerwiegender Komplikationen einher. Neben Bakterien können auch Parasiten wie beispielsweise Amöben oder Saugwürmer eine akalkulöse Gallenblasenentzündung hervorrufen.

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Gallenblasenentzündung: Diagnose und Untersuchung

Haben Sie den Verdacht, an einer Gallenblasenentzündung zu leiden, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Bei leichten Beschwerden kann ein Hausarzt oder ein Facharzt für Innere Medizin (Internist) weiterhelfen. Bei starken Schmerzen und hohem Fieber im Rahmen einer akuten Cholezystitis ist jedoch ein Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich. Haben Sie zunächst Ihren Arzt aufgesucht, wird er Sie umgehend in eine Klinik einweisen.

Krankengeschichte (Anamnese)

Die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) ist wie bei jeder Erkrankung von entscheidender Bedeutung. Sie liefert dem Arzt erste Hinweise auf die richtige Diagnose. Dabei fragt er zunächst nach möglichen Gallenblasenentzündungs-Symptomen. Der Arzt stellt womöglich folgende Fragen:

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