Krankheiten

Gerstenkorn

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Bei einem Gerstenkorn (mediz. Hordeolum) sind bestimmte Drüsen am Augenlid mit Bakterien infiziert. Auffälligstes Symptom ist eine gerötete, schmerzhafte und druckempfindliche Eiteransammlung (Abszess) am oberen oder unteren Lidrand. Ein Gerstenkorn ist zwar äußerst unangenehm, in aller Regel aber harmlos und heilt meist von alleine wieder ab. Hier erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung des Gerstenkorns.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. H00

"Reiben Sie sich nicht das erkrankte Auge. Die Entzündung kann sich dadurch ausweiten."

Dr. med. Mira SeidelArtikelübersichtGerstenkorn
  • Ursachen
  • Symptome
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Hausmittel
  • Krankheitsverlauf und Prognose
  • Vorbeugung
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Gerstenkorn: Kurzübersicht

  • Definition: akute eitrige Entzündung am Rand des Augenlids
  • Ursache: Bakterien, die bestimmte Drüsen in den Augenlidern infizieren
  • Typische Symptome: geröteter, schmerzhafter und druckempfindlicher Knoten innen oder außen am Lidrand
  • Untersuchungen: Blickdiagnose, Spaltlampenuntersuchung
  • Behandlungsmöglichkeiten: trockene Wärme (Rotlichtlampe), ggf. antibiotische Salben und Tropfen, antiseptische Salbe
  • Komplikationen: Entzündungen der Augenhöhle und/oder Bindehaut, Lidabszess
  • Vorbeugen: auf ausreichende Hand- und Augenhygiene achten
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Gerstenkorn: Ursachen

In den meisten Fällen lässt eine bakterielle Infektion ein Gerstenkorn entstehen. Die genaue Ursache sind häufig Staphylokokken, genauer gesagt Staphylococcus aureus, ein Bakterium, das sich auf Haut und Schleimhäuten ansiedelt. Seltener verursachen Infektionen mit Streptokokken ein Gerstenkorn. Diese Bakterienstämme befinden sich vornehmlich im Mund- und Rachenraum.

Gelangen diese Bakterien ins Auge, können sie bestimmte Drüsen an den Augenlidern infizieren. So entsteht ein Gerstenkorn. Je nachdem, welche Drüsen betroffen sind, unterscheidet man:

  • inneres Gerstenkorn (Hordeolum internum): Hierbei sind sogenannte Meibom-Drüsen entzündet. Das sind Talgdrüsen am Innenrand des Augenlids. Sie geben eine spezielle Flüssigkeit ab, die sich mit der Tränenflüssigkeit vermischt und diese vor dem frühzeitigen Verdunsten bewahrt.
  • äußeres Gerstenkorn (Hordeolum externum): Es entsteht aufgrund von Entzündungen der Moll- oder Zeis-Drüsen. Das sind Schweiß- und Talgdrüsen am Lid. Äußere Gerstenkörner sind seltener als innere.

Tritt ein Gerstenkorn häufiger auf, beziehungsweise bilden sich sogar mehrere Gerstenkörner gleichzeitig, sprechen Mediziner von Hordeolosis. Sie sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Häufig steckt nämlich ein geschwächtes Immunsystem dahinter, etwa infolge einer bislang unerkannten Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

  • Gerstenkorn: Lidrandpflege kann schützen

    Drei Fragen an

    Dr. med. habil. Wolfgang Herrmann,
    Facharzt für Augenheilkunde
  • 1

    Kann ich ein Gerstenkorn nicht einfach selbst ausdrücken?

    Dr. med. habil. Wolfgang Herrmann

    Das sollten Sie auf keinen Fall tun! Sie könnten die Entzündungserreger in das umgebende Gewebe drücken. Im schlimmsten Fall droht dann eine Entzündung der Augenhöhle. Normalerweise bringen antibiotische Augentropfen oder Salben ein Gerstenkorn langsam zur Abheilung. Manchmal ist es erforderlich, dass das Gerstenkorn eröffnet oder operativ entfernt wird - und das kann nur der Augenarzt.

  • 2

    Wie lange dauert es, bis ich das Gerstenkorn wieder los bin?

    Dr. med. habil. Wolfgang Herrmann

    Meist heilt ein Gerstenkorn innerhalb einer Woche wieder ab. In seltenen Fällen kann sich die Entzündung jedoch verkapseln und ein kleines tastbares Knötchen bleibt zurück. Sie können die Abheilung bei chronischen Problemen durch regelmäßige Lidrandpflege unterstützen. Dabei behandeln Sie Ihre verstopfen Lidranddrüsen mit Wattepads, getränkt mit speziellen Reinigungslösungen oder Babyshampoo.

  • 3

    Wie kann ich einem Gerstenkorn vorbeugen?

    Dr. med. habil. Wolfgang Herrmann

    Wenn Sie häufig ein Gerstenkorn bekommen, sollten Sie andere Ursachen wie eine Zuckererkrankung ausschließen lassen. Da eine chronische Lidrandentzündung in den meisten Fällen zu einem Gerstenkorn führt, können Betroffene über eine regelmäßige Lidrandpflege das Auftreten von Gerstenkörnern verhindern. Ähnlich wie beim Zähneputzen muss man das aber regelmäßig machen.

  • Dr. med. habil. Wolfgang Herrmann,
    Facharzt für Augenheilkunde

    Herrmann leitet die Augenklinik am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Zu seinem Schwerpunkten gehören die refraktive Chirurgie bei Fehlsichtigkeiten und die Behandlung von Netzhauterkrankungen.

Gerstenkorn: Risikofaktoren

Ein geschwächtes Immunsystem begünstigt die Entstehung eines Gerstenkorns. Die Abwehrschwäche kann etwa auf Stress oder einer anderen Erkrankung beruhen. So ist das Gerstenkorn zum Beispiel eine häufige Begleiterscheinung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Ein Gerstenkorn tritt oft auch im Zusammenhang mit Akne auf.

Da die auslösenden Erreger beim Gerstenkorn ansteckend sind und auf der Haut vorkommen, kann ein Hordeolum seinen Ursprung auch in mangelnder Hygiene oder falscher Pflege der Augen haben. Durch ungewaschene Hände geraten die Erreger leicht ins Auge, wenn man sich die Augen reibt. Gründliches Händewaschen ist deshalb eine wichtige Maßnahme, um einem Gerstenkorn vorzubeugen.

Kinder sind anfälliger für ein Gerstenkorn als Erwachsene, da ihr Immunsystem noch nicht ganz ausgereift ist. Auch dass sie öfter „im Schmutz“ spielen und sich dann ins Gesicht fassen, dürfte ein Grund dafür sein.

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Symptome: Daran erkennen Sie ein Gerstenkorn

Bei einem Gerstenkorn entzünden sich die Talg- und Schweißdrüsen des Augenlids. Dies zeigt sich in einem geröteten Knoten am oberen oder unteren Lidrand. Typische Gerstenkorn-Symptome sind des Weiteren:

  • Spannungsgefühl
  • starke Schmerzen
  • gerötetes Augenlid
  • geschwollenes Augenlid
  • Druckempfindlichkeit
  • Eiterbildung

Je nachdem, welche Drüsen von der Entzündung betroffen sind, treten die Symptome an unterschiedlichen Stellen am Auge auf.

Ein inneres Gerstenkorn (Hordeolum internum) kommt an der Innenseite des Augenlids vor und ist von außen oft nicht zu sehen. Erst durch das Umklappen des Augenlids nach außen wird es sichtbar.

Das betroffene Lid ist zunächst geschwollen und gerötet und verdickt sich dann. In seltenen Fällen betrifft ein inneres Gerstenkorn auch die Bindehaut des Auges und kann eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und eine Schwellung der Bindehaut (Chemosis) verursachen.

Inneres GerstenkornBeim inneren Gerstenkorn ist die Meibom-Drüse im Augenlid entzündet. Aber auch die anderen Drüsen können befallen sein.

Das äußere Gerstenkorn (Hordeolum externum) betrifft die Moll- oder Zeis-Drüsen, die am Rand des Augenlids liegen. Die typischen Gerstenkorn-Symptome (Schwellung und Rötung des Lids) treten bei dieser Form im Wimpernbereich auf. Zu Beginn entsteht ein rötlicher, schmerzhafter und mit Eiter gefüllter Knoten, der äußerlich leicht zu erkennen ist.

Selten treten bei einem Gerstenkorn Symptome wie Fieber oder geschwollene Lymphknoten vor den Ohren auf. Verläuft die Erkrankung schwer, kann sich die Entzündung auf die Augenhöhle ausweiten (Orbitalphlegmone) oder Lidabszesse verursachen.

Auch wenn sich ein Gerstenkorn aufgrund seiner Symptome recht leicht identifizieren lässt, sollten Sie dennoch einen Augenarzt aufsuchen, um andere Augenkrankheiten auszuschließen.

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