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Flugangst

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Bei Menschen mit Flugangst (Aviophobie) löst schon der Gedanke, in ein Flugzeug zu steigen, bereits Angstzustände aus. Die Flugangst kann die Betroffenen stark belasten, vor allem, wenn diese aus beruflichen Gründen fliegen müssen. In vielen Fällen kann die Flugangst durch eine Therapie schnell überwunden werden. Lesen Sie hier alle wichtigen Informationen zur Flugangst.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F40

Das wirksamste Mittel gegen Flugangst ist fliegen. Zuerst nur in der Vorstellung, aber schließlich in einem echten Flugzeug. Nur mit dieser Konfrontationsstrategie können die Patienten lernen, mit der Angst umzugehen.

Marian Grosser, ArztArtikelübersichtFlugangst
  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Flugangst: Beschreibung

Flugangst gehört zu den spezifischen Phobien. Davon sprechen Fachleute, wenn eine Person eine Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, wie in diesem Fall dem Fliegen, hat.

Viele Menschen haben beim Einstieg in ein Flugzeug ein mulmiges Gefühl. Obwohl das Flugzeug statistisch gesehen das sicherste Verkehrsmittel ist, bleibt die Angst vor einem Absturz. Vor allem nach großen Flugzeugunglücken fällt es vielen schwer, die Kontrolle abzugeben und dem Piloten und der Maschine zu vertrauen.

Menschen mit Aviophobie haben jedoch so starke Angst vorm Fliegen, dass sie diese Situation gar nicht oder nur unter Qualen ertragen. Alleine der Gedanke an eine Flugreise erzeugt Nervosität und Schweißausbrüche. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach kam zu dem Ergebnis, dass circa 16 Prozent der deutschen Bevölkerung Angst vorm Fliegen haben. Im Vergleich zu den Männern leiden Frauen etwa doppelt so häufig unter Flugangst.

Nicht alle Personen mit Flugangst fürchten sich zwangsläufig vor einem Absturz. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum sich Menschen vor dem Fliegen fürchten:

  • Einige leiden unter Platz- oder Höhenangst.
  • Andere haben wiederum Angst vor der Technik und der Komplexität eines Flugzeuges.
  • Bei manchen löst das "Beifahrersyndrom" die Ängste aus. Sie haben Probleme damit, das eigene Wohl einem Anderen, in diesem Fall dem Piloten, anzuvertrauen.
  • Wieder andere haben schlechte Erfahrungen beim Fliegen gemacht, weil sie in Turbulenzen geraten sind oder eine Maschine beim Landeanflug erneut durchstarten musste. In solchen Fällen entsteht die Flugangst aus der Erwartung heraus, dass beim nächsten Flug wieder ähnliche beängstigende Ereignisse eintreten werden.

Häufig gesellen sich zur Flugangst weitere Ängste, aber auch andere psychische Störungen, wie zum Beispiel Depressionen.

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Flugangst: Symptome

Wenn Menschen mit Aviophobie mit einem Flugzeug konfrontiert werden, treten bestimmte Gedanken, Verhaltensweisen und körperliche Symptome auf. In der Regel wird die Angst rasch stärker und baut sich nur langsam wieder ab. Ist die Angst sehr stark, können auch Panikattacken entstehen.

Körperliche Symptome

Das Fliegen ist für Menschen mit Flugangst vor allem durch die ausgeprägten körperlichen Symptome sehr unangenehm. Das Herz schlägt schneller und die Betroffenen atmen schnell und flach. Durch diese Atmung stoßen die Betroffenen viel Kohlendioxid aus. Als Folge können Schwindelanfälle und Erstickungsgefühle auftreten. Die Muskeln spannen sich an. Typische Symptome sind auch Durchfall oder starker Harndrang, Bauchschmerzen, Zittern und weiche Knie.

Je näher die Flugreise rückt, desto stärker werden die körperlichen Symptome. Der Betroffene nimmt diese Anzeichen fälschlicherweise als bedrohlich wahr. Häufig spüren die Personen dann ihren Herzschlag stärker und interpretieren diesen als Zeichen drohender Gefahr.

Negative Gedanken und selektive Wahrnehmung

Negative Gedanken starten den Teufelskreis der Angst. Schon vor der Flugreise malen sich die Betroffenen aus, was alles schief gehen könnte. Alleine durch diese Gedanken steigt ihr Puls. Der Betroffene interpretiert die Körperveränderungen als Bedrohung. Die Angst wird stärker.

Geschieht irgendwo ein Flugzeugunglück, werten Menschen mit Flugangst dies als Bestätigung ihrer Befürchtungen. Sie nehmen nicht wahr, dass die meisten Flüge gut verlaufen, da der Fokus auf die negativen Ausnahmen gerichtet ist. Experten bezeichnen dieses Phänomen als selektive Wahrnehmung.

Das Fliegen vermeiden

Die Angst vor dem Fliegen ist so unangenehm, dass viele lieber ganz darauf verzichten. Das Vermeiden des Befürchteten hält die Angst jedoch aufrecht und kann sie sogar verstärken. Menschen, die das Fliegen aus Angst meiden, machen nicht die Erfahrung, dass ihnen im Flugzeug nichts Schlimmes passiert. Viele wissen zwar, dass ihre Ängste übertrieben sind, aber das ändert nichts an der Phobie. Nur durch die Konfrontation mit der gefürchteten Situation kann man die Flugangst besiegen.

Symptome einer Panikattacke

Eine Flugangst kann sich so stark hochschaukeln, dass die Betroffenen eine Panikattacke erleiden. Bei einer Panikattacke ist die Angst noch intensiver. Häufig befürchten die Betroffenen sogar, an den körperlichen Symptomen zu sterben. Atemschwierigkeiten, Herzklopfen, Erstickungsgefühle sowie Schwindel und Ohnmacht können Zeichen einer Panikattacke sein. Diese Anfälle erreichen in der Regel nach zehn Minuten ihren Höhepunkt und klingen danach wieder ab. Sie erzeugen bei den Betroffenen großes Unbehagen und die Angst vor einer weiteren Attacke.

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Flugangst: Ursachen und Risikofaktoren

Angst ist eine psychische und körperliche Reaktion auf Gefahr. Eine Angstreaktion ist also etwas ganz Natürliches. Der Körper schüttet Stresshormone aus und reagiert entweder mit einer Kampf- oder einer Fluchtreaktion. Droht eine tatsächliche Gefahr, sind diese Reaktionen überlebenswichtig. Die Angst hindert den Menschen daran, sich lebensgefährlichen Situationen auszusetzen. Problematisch wird es, wenn diese Angst übermäßig stark ausgeprägt ist und auch dann auftritt, wenn es keine wirkliche Bedrohung gibt. Bei einer Phobie ist genau das der Fall ist.

Flugangst: Lernen am Modell

Häufig beginnt die Angst vor dem Fliegen schon durch ein Erlebnis im Kindes- oder Jugendalter. Wenn Kinder sehen, dass ihre Eltern das Fliegen fürchten, können auch sie eine Flugangst entwickeln. Selbst wenn die Erwachsenen diese Angst nicht aussprechen, bemerken die Kinder die Anspannung und Nervosität und übernehmen das Verhalten. Sie können also eine Flugangst entwickeln, obwohl sie selbst nie ein Flugzeug betreten haben.

Flugangst: Konditionierung der Angst

Eine spezifische Phobie - wie die Flugangst - kann auch durch ein traumatisches Erlebnis entstehen. Eine Notlandung kann zum Beispiel Todesängste auslösen. Der Betroffene verbindet die negativen Gefühle während der Notlandung mit der Flugreise. Alle Gerüche und Wahrnehmungen, die der Betroffene in diesem Moment registriert, werden im Gehirn abgespeichert und mit der Angst verknüpft. Wenn diese Person das nächste Mal ein Flugzeug sieht, kommt das Gefühl der Furcht wieder hoch. Man spricht dann von einer negativer Konditionierung. Das Flugzeug ist nicht mehr neutral, sondern mit negativen Assoziationen besetzt.

Nicht immer ist ein lebensbedrohliches Ereignis der Auslöser: Auch Turbulenzen während des Fluges können Flugangst zur Folge haben. Entscheidend ist die Bewertung des Geschehens. Ängstliche Personen werden Turbulenzen eher als gefährlich einstufen.

Heutzutage gehen Experten davon aus, dass auch Spielfilme oder Informationen über die Gefahren beim Fliegen zu einer Phobie beitragen können. Die Angst kann sogar erst nach dem Flug entstehen. Zum Beispiel empfinden viele Menschen den Flug durch ein Gewitter als unangenehm, aber nicht unbedingt bedrohlich. Sehen sie jedoch im Nachhinein einen Film über einen Flugzeugabsturz, der durch ein Gewitter verursacht wurde, kann plötzlich starke Angst aufkommen.

Flugangst: Biologische Wurzeln der Angst

Manche Menschen sind für Phobien anfälliger als andere. Diese Anfälligkeit (Vulnerabilität) wird vermutlich durch verschiedene biologische Faktoren beeinflusst. Familien- und Zwillingsforschungen legen nahe, dass das Risiko für Phobien zum Teil genetisch weitergegeben wird. Experten gehen zudem davon aus, dass ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn die Störungen begünstigen kann. Darüber hinaus beeinflussen Erziehung und das Umfeld in wesentlichem Maße, wie ängstlich ein Mensch ist.

Bei der negative Interpretation von Erlebnissen könnten auch die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin eine Rolle spielen. Medikamente, welche die Übertragung der Botenstoffe im Gehirn beeinflussen, können daher auch die Stärke der Angst beeinflussen.

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Flugangst: Untersuchungen und Diagnose

Stellen Sie bei sich oder Ihren Angehörigen starke Flugängste fest, können Sie als ersten Ansprechpartner Ihren Hausarzt aufsuchen. Der Arzt wird Sie in einem Gespräch zu Ihren Gedanken, Gefühlen und körperlichen Reaktionen beim Fliegen befragen. Bestätigt sich der Verdacht auf eine spezifische Phobie, wird er sie zu einem Psychotherapeuten oder Psychiater weiterleiten. Mittlerweile bieten ebenso manche Fluggesellschaften Seminare gegen Flugangst an.

Es ist jedoch sinnvoll, zuerst einen Arzt aufzusuchen, damit dieser eine körperliche Ursache ausschließen kann. Mithilfe von Blutuntersuchungen, EKG (Elektrokardiogramm) und Schilddrüsenwerten, wird der Hausarzt unter anderem die Herz- und Schilddrüsenfunktionen überprüfen.

Der Psychotherapeut kann anschließend mit dem diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen (DSM-IV) die Diagnose bestimmen. Für eine spezifische Phobie, in diesem Falle die Flugangst, müssen folgende Kriterien zutreffen:

  1. Der Betroffene hat ausgeprägte und anhaltende Angst, die übertrieben und unbegründet ist. Das tatsächliche Vorhandensein oder die Erwartung eines spezifischen Objekts (Flugzeug) oder einer spezifischen Situation (Fliegen oder im Flugzeug sitzen) löst diese Angst aus.
  2. Die Konfrontation mit dem phobischen Reiz (Flugzeug) ruft fast immer eine sofortige Angstreaktion oder Panikattacke hervor.
  3. Der Betroffene erkennt, dass die Angst übertrieben oder unbegründet ist.
  4. Die Person vermeidet die entsprechende Situation oder erträgt sie unter starker Angst.
  5. Die Symptome (der Flugangst) beeinträchtigen die normale Funktionalität der Person deutlich oder die Phobie verursacht erhebliches Leid bei der Person.
  6. Die Phobie hält seit mindestens sechs Monaten an.

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