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Epiglottitis

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Unter einer Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) versteht man eine akut lebensbedrohliche Entzündung des Kehldeckels, verursacht durch Bakterien. Typische Symptome sind Atemnot, hohes Fieber und Speichelfluss. Eine Epiglottitis tritt bevorzugt bei Kindern im Vorschulalter auf. Dank flächendeckender Impfungen ist die Erkrankung selten geworden. Alles Wichtige über die Epiglottitis erfahren Sie hier.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. J05J37ArtikelübersichtEpiglottitis

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Epiglottitis: Beschreibung

Eine Epiglottitis ist eine Entzündung des Kehldeckels (Epiglottis), verursacht vom Bakterium Haemophilus influenzae Typ B. Der Kehldeckel liegt oberhalb der Luftröhre und dient dazu, sie während des Schluckens zu verschließen. Bei einer Epiglottitis kommt es zu Schwellungen der Schleimhäute an und um den Kehldeckel. Dadurch ist die Luftföhre eingeengt, was zu Atemnot führen kann.

Der Zustand ist akut lebensbedrohlich, da durch den geschwollenen Kehldeckel Erstickungsgefahr besteht. Bei Verdacht auf Epiglottitis sollten Sie daher sofort einen Notarzt alarmieren. Droht der Patient zu ersticken, muss er so schnell wie möglich künstlich beatmet werden. Rechtzeitig behandelt heilt die Kehldeckelentzündung in der Regel ohne schwere Folgen aus.

Die Epiglottitis tritt zwar gehäuft bei Kleinkindern zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf, grundsätzlich können aber alle Altersgruppen daran erkranken. Insbesondere seit der flächendeckenden Impfung wird eine Zunahme der Fälle bei älteren Kindern oder Erwachsenen beobachtet.

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Epiglottitis: Symptome

Bei der Epiglottitis handelt es sich immer um einen Notfall. Denn Atemnot kann sich innerhalb weniger von sechs bis zwölf Stunden nach Krankheitsbeginn entwickeln. Rufen Sie daher umgehend einen Notarzt, auch wenn sich herausstellt, dass die Beschwerden möglicherweise durch eine andere Erkrankung ausgelöst wurden. Bei folgenden Symptomen liegt wahrscheinlich eine Epiglottitis vor:

  • Die Betroffenen wirken sehr krank und klagen über starke Halsschmerzen beim Sprechen.
  • Das Fieber ist beträgt über 39 Grad Celsius.
  • Die Sprache ist „kloßig“.
  • Schlucken ist meist nicht mehr möglich.
  • Die Betroffenen können ihren eigenen Speichel wegen der Schluckbeschwerden nicht schlucken, weswegen er ihnen häufig aus dem Mund läuft.
  • Manche Patienten können oder wollen nicht mehr sprechen.
  • Die Atmung geht schwer und hört sich wie Schnarchen an (karchelnde Atmung). Dies liegt unter anderem daran, dass sich ein Speichelsee im Rachen gebildet hat.
  • Der Kiefer ist nach vorne gesteckt und der Mund geöffnet.
  • Die Sitzhaltung der Betroffenen ist nach vorne gebeugt, während der Kopf nach hinten geneigt ist (Kutschersitz), weil das Atmen so leichter fällt.
  • Patienten sind blass und/oder blau angelaufen.

Unterscheidung Epiglottitis und Pseudokrupp

Eine Epiglottitis kann mit einem durch Viren ausgelösten Pseudokrupp verwechselt werden. Sowohl eine Epiglottitis als auch der sogenannte Pseudokrupp (stenosierende Laryngotracheitis) sind Entzündungen im Rachenraum und haben daher ähnliche Symptome, zum Beispiel das Anschwellen des Kehlkopfdeckels. Während die Epiglottitis jedoch ein lebensbedrohliches Krankheitsbild darstellt, ist der Pseudokrupp meist harmlos. Es bestehen folgende Unterschiede:

Epiglottitis

Pseudokrupp

Erreger

Meist das Bakterium Haemophilus influenzae

Meist Viren, z.B. das Parainfluenzavirus

Allgemeinzustand

Schweres Krankheitsgefühl, hohes Fieber

Meist nicht wesentlich beeinträchtigt

Beginn der Krankheit

Plötzlich aus voller Gesundheit heraus, rapide schlechter werdend

Langsamer, zunehmender Krankheitsbeginn

Typische Merkmale

Kloßige Sprache, starke Schluckbeschwerden, Betroffene können den eigenen Speichel nicht Schlucken

Bellender Husten, Heiserkeit, aber keine Schluckbeschwerden, vor allem nachts

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Epiglottitis: Ursachen und Risikofaktoren

Die Epiglottitis wird meist durch eine Infektion mit dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ B ausgelöst. Selten sind auch andere Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken für die Entzündung des Kehldeckels verantwortlich. Seit der Einführung der Haemophilus Influenzae Typ B-Impfung (HiB-Impfung) tritt die Erkrankung wesentlich seltener auf.

In manchen Fällen haben die Betroffenen vor der Epiglottitis einen banalen Infekt, wie beispielsweise Schnupfen oder leichte Halsschmerzen. Meistens erkranken die Betroffenen aber aus vollkommener Gesundheit heraus. Im Gegensatz zum deutlich häufigeren Pseudokrupp gibt es bei einer Epiglottitis keine saisonale Häufung, eine Kehldeckelentzündung kann zu jeder Jahreszeit auftreten.

Haemophilus influenzae Typ B

Das Epiglottitis verursachende Bakterium Haemophilus influenzae Typ B besiedelt die Schleimhaut des Atmungstrakts (Nase, Rachenraum, Luftröhre) und kann dort zu Entzündungen führen. Es wird durch Husten, Sprechen oder Niesen (Tröpfcheninfektion) übertragen. Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Infektion und den ersten Beschwerden, liegt bei zwei bis fünf Tagen. Früher hielt man das Bakterium fälschlicherweise für den Auslöser der Grippe (Influenza) und nannte es daher „influenzae“.

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Epiglottitis: Untersuchungen und Diagnose

Für den erfahrenen Arzt ist die Epiglottitis eine „Blickdiagnose“, das heißt schon durch eine einfache Inspektion des Patienten erkennt er die Erkrankung. Die Untersuchungen beschränken sich auf das Notwendigste, da gerade bei Kindern Angst und Manipulation im Rachenraum die Atemnot verschlimmern und einen Erstickungsanfall auslösen können. Eine körperliche Untersuchung wird der Arzt nur vornehmen, wenn noch keine Atemschwierigkeiten bestehen. Dabei müssen immer Gerätschaften für eine künstliche Beatmung bereitstehen, falls sie sich entwickelt.

Der Arzt inspiziert die Mundhöhle und den Rachenraum mit einem Spatel. Bei Kindern ist der entzündete Kehldeckel der Epiglottitis schon bei vorsichtigem Wegdrücken der Zunge zu erkennen. Gegebenenfalls ist eine Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie), beziehungsweise Luftröhren- und Bronchienspiegelung (Bronchoskopie) notwendig. Der Kehldeckel (Epiglottis) ist dabei erkennbar stark gerötet und geschwollen.

Ringt der Betroffene nach Luft und ist blau angelaufen (Zyanose), sollte er frühzeitig künstlich beatmet (intubiert) werden. Dazu wird ein Beatmungsschlauch (Tubus) über den Mund oder Nase in Rachen gelegt, um die Atemwege zu sichern. Somit kann eine selbstständige Atmung oder eine Atmung mit einem Beatmungsbeutel ermöglicht werden.

Video: Epiglottitis - Kehldeckelentzündung erkennen und richtig reagieren! (August 2020).

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