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Fatigue-Syndrom

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Das Fatigue-Syndrom bezeichnet ein Gefühl von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Es beeinträchtigt das Leben der Betroffenen nachhaltig und lässt sich auch durch viel Schlaf nicht beseitigen. In manchen Fällen ist Fatigue eine Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen wie Krebs, Rheuma, Aids, oder Folge außergewöhnlicher Belastungen (wie einer Chemotherapie). Lesen Sie hier alles Wichtige über das Fatigue-Syndrom.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F43G93ArtikelübersichtFatigue-Syndrom

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Fatigue-Syndrom: Beschreibung

Der Begriff „Fatigue“ stammt aus dem französischen und Sprachgebrauch und bedeutet Müdigkeit oder Erschöpfung. Demnach zeichnet sich das Fatigue-Syndrom durch ein anhaltendes Gefühl von Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit aus, das sich auch durch viel Schlaf und Ausruhen nicht vertreiben lässt. Das Leben der Betroffenen wird durch die permanente, extreme Mattigkeit nachhaltig beeinträchtigt.

Fatigue: Häufigkeit

Wie häufig das Fatigue-Syndrom vorkommt, lässt sich nicht genau sagen. Zum Auftreten der anhaltenden Erschöpfung im Rahmen verschiedener Erkrankungen gibt es entsprechende Untersuchungen. Diese beruhen aber meist nur auf den subjektiven Angaben von Patienten. Dennoch ist auffällig, wie häufig chronische Müdigkeit als belastendes Symptom angegeben wird. Demnach leidet deutlich mehr als die Hälfte aller Patienten mit Multipler Sklerose (MS) unter Fatigue. Bei Parkinson-Patienten liegt der Anteil der Betroffenen je nach Studie zwischen 43 und 60 Prozent; bei Krebs-Patienten soll er sogar mehr als 90 Prozent betragen, schätzen verschiedene Experten.

Die Fatigue wird oft verwechselt mit einer eigenständigen neurologischen Erkrankung, dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Sowohl die Ursachen als auch die körperlichen Anzeichen unterscheiden sich zum Teil aber deutlich.

Insgesamt zeigen repräsentative Studien, dass die Häufigkeit von Fatigue mit dem Alter zunimmt und Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

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Fatigue-Syndrom: Symptome

Das Fatigue-Syndrom äußert sich in einem unüberwindlichen, anhaltenden Gefühl der körperlichen und/oder geistigen Erschöpfung. Die Betroffenen fühlen sich physisch und mental weniger leistungsfähig als früher: Selbst „normale“ körperliche Aktivitäten wie Zähne putzen, Kochen, Telefonieren, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen werden oft als kaum durchführbar empfunden. Nach solchen Aktivitäten fühlen sich die Fatigue-Patienten unverhältnismäßig erschöpft. Entscheidendes Merkmal bei Fatigue ist zudem, dass sich extreme Müdigkeit und Erschöpfung auch durch viel Schlaf nicht lindern lassen - die Betroffenen gehen erschöpft schlafen und stehen am nächsten Morgen genauso erschlagen auf.

Die weit über das normale Maß hinausgehende Erschöpfung führt oft dazu, dass sich die Betroffenen zurückziehen und ihre beruflichen und privaten Aktivitäten immer weiter einschränken.

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Fatigue-Syndrom: Ursachen und Risikofaktoren

Grundsätzlich werden drei Arten von Fatigue unterschieden:

  • Fatigue als Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, systemischer Lupus erythematodes, Rheumatoide Arthritis („Rheuma“) oder HIV/Aids
  • Fatigue als Folge anderer Umstände wie etwa schwere Schlafstörungen, nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe), anhaltende Schmerzen, Schilddrüsenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), Mangelernährung, Interferonbehandlung (bei Multipler Sklerose, Hepatitis C oder bestimmten Krebsarten) oder Chemotherapie (bei Krebs)
  • Fatigue als eigenständige Erkrankung - Mediziner sprechen hierbei vom Chronischen Erschöpfungssyndrom (chronic fatigue syndrome, CFS)

In einigen Fällen sind die auslösenden Faktoren einer Fatigue bekannt. So ist etwa bei Blutarmut (Anämie) die Zahl der roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport zuständig sind, verringert. In der Folge erhalten die Körperzellen zu wenig Sauerstoff, was unter anderem zu Leistungsabfall und Müdigkeit führt.

Die Entstehung von Fatigue als Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen ist dagegen in den meisten Fällen noch unklar. Experten vermuten aber, dass es hier keinen einzelnen Auslöser für die anhaltende Erschöpfung gibt, sondern dass vielmehr mehrere Faktoren zur Fatigue beitragen (Fatigue als multifaktorielles Geschehen). Im Verdacht stehen unter anderem:

  • Veränderungen innerhalb des zentralen Nervensystems (wie bei Parkinson und Multipler Sklerose)
  • Veränderungen im endokrinen System (Hormonhaushalt)
  • Fehlregulationen des Immunsystems (Fatigue ist ein häufiges Symptom bei Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis und systemischer Lupus erythematodes!)
  • Entzündliche Prozesse (wie bei rheumatoider Arthritis und Fibromyalgie)

Fatigue bei Krebs

Am besten untersucht ist die tumorbedingte Fatigue, also eine anhaltende Erschöpfung als Begleit- und Folgeerscheinung einer Krebserkrankung. Auch hier spielen mehrere Faktoren bei der Entstehung der Fatigue zusammen, glauben Experten:

Der Krebs selbst: Der Tumor kann Veränderungen im Körper hervorrufen, die zu einer Fatigue führen. Die Krebszellen können beispielsweise Substanzen produzieren, die Müdigkeit und Abgeschlagenheit hervorrufen. Im Verdacht stehen die Zytokine - bestimmte Eiweiße des Körpers. Manche Krebsarten erhöhen den Energiebedarf, schwächen die Muskeln oder greifen in hormonelle Kreisläufe ein - all diese Faktoren können zur Erschöpfung beitragen.

Die Krebsbehandlung: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapien und Knochenmarkstransplantation können allesamt Fatigue (mit-)verursachen. Eine Chemotherapie zerstört zum Beispiel nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen und Gewebe, beispielsweise Immunzellen. Eine Verminderung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) führt zur Blutarmut (Anämie) - diese wird als Hauptursache der Fatigue gesehen. Eine Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) erhöht die Anfälligkeit für Infektionen, was ebenfalls den Körper schwächt.

Die Krebstherapie hat noch andere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Schlaflosigkeit und psychische Beeinträchtigungen - sie gelten ebenfalls als (Mit-)Ursachen der Fatigue.

Andere Faktoren: Auch die Psyche spielt bei einer Krebserkrankung und der damit einhergehenden Fatigue eine Rolle. Eine Krebsdiagnose und -therapie können Stress, Ängste, Depressionen und Schlafstörungen auslösen. Daneben können Medikamente (wie Schmerzmittel), Mangelernährung und ein Defizit an körperlichem Training zur Fatigue beitragen. Das Gleiche gilt für hormonelle Veränderungen im Zuge der Krebsbehandlung wie etwa Veränderungen der Schilddrüsen-, Nebennieren- oder Geschlechtshormone.

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Fatigue-Syndrom: Untersuchungen und Diagnose

Zur Abklärung einer unerklärlichen Müdigkeit erfragt der Arzt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese). Wichtig ist zum Beispiel, seit wann die Erschöpfung besteht, wie ausgeprägt sie ist und wie sehr sie das Alltagsleben beeinträchtigt. Außerdem erkundigt sich der Arzt nach weiteren Beschwerden, dem Schlafverhalten, der Einnahme von Medikamenten, dem Konsum von Alkohol, Koffein, Nikotin und eventuell illegalen Drogen sowie der beruflichen, familiären und sozialen Situation.

Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung, einschließlich einer Blutuntersuchung. Sie kann zum Beispiel eine Blutarmut (Anämie) als Auslöser von Fatigue entlarven.

Fatigue ist ein subjektives Symptom. Es gibt aber eine Reihe von Verfahren (Fragebögen, Skalen), mit deren Hilfe der Arzt die Erschöpfung objektiver erfassen kann.

Wichtig bei der Abklärung von Fatigue ist die Abgrenzung zur Depression, denn auch diese kann eine starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit hervorrufen.

Video: Chronisches Erschöpfungssyndrom - Warum bin ich immer müde & erschöpft? Chronic Fatigue Syndrome (August 2020).

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