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Nebenhodenentzündung

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Die Nebenhodenentzündung (Epididymitis) ist eine schmerzhafte Entzündung des Nebenhodens. Sie muss unbedingt behandelt werden. Eine verschleppte Entzündung kann zu Unfruchtbarkeit führen. Die meist mehrwöchige Behandlung der Nebenhodenentzündung umfasst Bettruhe, Schmerzmittel und eventuell auch Antibiotika. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Symptomen, Diagnostik und Therapie einer Nebenhodenentzündung!

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. N45ArtikelübersichtNebenhodenentzündung

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Nebenhodenentzündung: Beschreibung

Die Nebenhodenentzündung (Epididymitis) entsteht in den meisten Fällen als Begleiterscheinung einer bakteriellen Entzündung der Prostata oder der Harnwege. Sie tritt selten isoliert als alleinige Entzündung des Nebenhodens auf, da sich die Erreger entlang des Samenleiters ausbreiten. Die Nebenhodenentzündung tritt meist erst ab der Pubertät auf.

Die Nebenhodenentzündung kann akut oder chronisch verlaufen.

Hoden und Nebenhoden

Der Nebenhoden zählt - wie auch der Penis und der Hoden - zu den äußeren Geschlechtsorganen des Mannes. Hoden und Nebenhoden liegen gemeinsam im Hodensack (Skrotum). Die Hoden produzieren den Samen und die Geschlechtshormone. Am oberen Pol des Hodens wird der frische Samen in den Nebenhoden geleitet und dort gelagert. Der Samenleiter geht aus dem Nebenhoden hervor und mündet dann im Bereich der Vorsteherdrüse (Prostata) in die Harnröhre.

Obwohl Hoden und Nebenhoden dicht beieinander liegen und eng miteinander verbunden sind, ist eine Hodenentzündung (Orchitis) nicht das Gleiche wie eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis). Letztere kommt wesentlich häufiger vor. In einigen Fällen betrifft die Entzündung jedoch sowohl Hoden als auch Nebenhoden. In diesem Fall spricht man von einer Epididymorchitis.

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Nebenhodenentzündung: Symptome

Die Symptome einer Nebenhodenentzündung ähneln denen einer Hodenentzündung (Orchitis): Meist kommt es relativ plötzlich zu einer schmerzhaften, teilweise tastbaren Schwellung des Hodensackes, was Mediziner als „Akutes Skrotum“ bezeichnen. Die umgebende Haut zeigt typische Entzündungszeichen wie Überwärmung und Rötung. Die Nebenhodenschmerzen können in die Leiste und den Unterbauch ausstrahlen. Zu den Begleitsymptomen zählen Fieber bis 40°C sowie Erbrechen und Übelkeit.

Die chronische Nebenhodenentzündung kann auch durch eine schmerzlose Schwellung gekennzeichnet sein. Die durch Chlamydien verursachte Epididymitis kann relativ symptomarm verlaufen.

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Nebenhodenentzündung: Ursachen und Risikofaktoren

Zu den häufigsten Ursachen der Nebenhodenentzündung zählen bakterielle Entzündungen der harnableitenden Wege und der Prostata. In der Regel gelangen die Erreger aus der Harnröhre oder der Prostata über den Samenleiter zum Nebenhoden. Man spricht dann von einer „aszendierenden (aufsteigenden) Infektion“.

Ein besonders hohes Erkrankungsrisiko haben daher Männer mit Entleerungsstörungen der Harnblase, Fehlbildungen im urogenitalen Bereich und einem dauerhaften Blasenkatheter. Bei Kindern sind vor allem Fehlbildungen der ableitenden Harnwege dafür verantwortlich, dass die Bakterien überhaupt in die Nebenhoden gelangen. In manchen Fällen führt eine Hodentorsion, das heißt eine Verdrehung der Hoden, zu einer Nebenhoden-Entzündung. Nebenhoden sind in vielen Fällen aber nicht isoliert entzündet, sondern zusammen mit den benachbarten Abschnitten der Samen- und Harnwege.

Welche Erreger lösen die Entzündung aus?

Eine Hodenentzündung wird meist durch Viren ausgelöst - nicht so die Nebenhodenentzündung. Ursache sind hier in der Regel Bakterien. Bei unter 35jährigen (sexuell aktiven) Männern handelt es sich dabei oft um Chlamydia trachomatis (seltener Neisseria gonorrhoe). Bei Männer über 35 Jahre sind vor allem Darmbakterien wie Escherichia coli, Enterokokken, Klebsiellen oder auch Pseudomonas aeruginosa sowie Staphylokokken für eine Nebenhodenentzündung verantwortlich.

Seltener entsteht eine Epididymitis durch eine Streuung von Bakterien über die Blutbahn (vor allem Pneumokokken und Meningokokken), im Rahmen einer Tuberkulose-Erkrankung oder durch ein Trauma: Wenn Urin in die Samenwege fließt, kann es zu einer chemischen Reizung des Nebenhodens kommen, was auch einen Entzündungsprozess nach sich zieht.

Weitere mögliche Ursachen

Die seltenere virale Entzündung des Nebenhodens geht meist vom Mumps-Virus aus. In diesem Fall ist der Hoden oft mitbetroffen, wobei die Nebenhodenentzündung der Hodenentzündung vorausgehen kann. Vor der Pubertät können auch Adeno- und Enteroviren eine sogenannte postinfektiöse, als eine nach der Infektion beginnende, Nebenhodenentzündung auslösen.

Autoimmune Prozesse kommen als Ursache der Nebenhodenentzündung ebenfalls in Frage.

Pilze (Candida, Coccoidioides, Histoplasma etc.) und Würmer (Schistosoma, Wucherichia oder Echinococcus) sind in Deutschland seltene Auslöser einer Epididymitis.

Zudem gibt es vereinzelte Beschreibung von Nebenhodenentzündungen, die durch Medikamente wie Amiodaron (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen) ausgelöst wurden.

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Nebenhodenentzündung: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf eine Nebenhodenentzündung sollte man sich an einen Urologen wenden. Der Arzt wird sich zunächst ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden und eventuelle Grunderkrankungen unterhalten (Anamnese. Mögliche Fragen sind zum Beispiel:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Haben die Beschwerden plötzlich begonnen?
  • Haben Sie Ausfluss aus dem Penis oder Schmerzen beim Wasserlassen?
  • Sind bei Ihnen bereits Erkrankungen der Harnwege bekannt (auch Harnwegsinfekte)?
  • Haben Sie Geschlechtsverkehr?

Nebenhodenentzündung: Körperliche Untersuchung

Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt wird den Hodensack zunächst auf erkennbare Entzündungszeichen (Überwärmung, Rötung) begutachten und prüfen, ob der Nebenhoden geschwollen ist.

Dann hebt der Arzt den Hodensack an. Wenn sich die Beschwerden dadurch vermindern (Prehn-Zeichen positiv), spricht dies für eine Epididymitis. Bei einer Hodenentzündung und einer Hodentorsion (Drehnung des Hodens um seine eigene Achse) werden die Beschwerden dagegen durch das Heben des Skrotums nicht besser. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, da eine Hodentorsion ein Notfall ist, der binnen weniger Stunden operiert werden muss. Bei der Hodentorsion kann allerdings auch eine Entzündung des Nebenhodens als Begleiterscheinung auftreten. Wenn also eine Hodentorsion in der Untersuchung nicht ausgeschlossen werden kann, ist eine operative Freilegung des Hodens notwendig. Wenn sich bereits ein Abszess (abgekapselte Eiteransammlung) im Bereich des Nebenhodens gebildet hat, kann dieser als fluktuierende Schwellung getastet werden.

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