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Enzephalitis

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Die Enzephalitis ist eine Gehirnentzündung, die in den meisten Fällen durch Viren ausgelöst wird. Wenn die Enzephalitis nicht nur das Gehirn, sondern zusätzlich auch die Hirnhäute betrifft, handelt es sich um eine Meningoenzephalitis. Besonders gefährdet an einer Enzephalitis zu erkranken, sind Kinder und junge Erwachsene sowie Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Lesen Sie hier alles Wichtige über die Enzephalitis.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. G05G04ArtikelübersichtEnzephalitis

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Enzephalitis: Beschreibung

Enzephalitis ist der medizinische Begriff für die Gehirnentzündung. Diese wird meist durch Viren verursacht. Eine Enzephalitis kann aber auch durch andere Krankheitserreger wie zum Beispiel Bakterien, Einzeller oder Würmer hervorgerufen werden oder durch eine fehlerhafte Immunantwort entstehen.

Da die Enzephalitis unbehandelt mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht, ist es wichtig, so früh wie möglich mit einer entsprechenden Behandlung im Krankenhaus zu beginnen. Da zu Beginn der Erkrankung oft noch nicht festgestellt werden kann, welcher Erreger die Ursache ist, werden verschiedene Medikamente gleichzeitig gegeben. Sobald der Erreger durch Labortests erkannt wurde, werden nur noch solche Medikamente verabreicht, die sich gegen diesen speziellen Erreger richten. Des Weiteren werden die Symptome selbst behandelt, beispielsweise Schmerzen oder Krampfanfälle mit entsprechenden Präparaten. Bei rechtzeitiger Behandlung ist in vielen Fällen eine Heilung der Enzephalitis möglich.

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Enzephalitis: Symptome

Je nach Erreger können die Symptome der Enzephalitis sehr unterschiedlich ausfallen. Das liegt daran, dass verschiedene Erreger jeweils bestimmte Gehirnregionen bevorzugt befallen. Bei der viralen Enzephalitis kommt es anfangs zu allgemeinen, grippeartigen Krankheitsanzeichen wie Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen und Übelkeit. Erst anschließend entwickeln sich die spezifischen Beschwerden der Enzephalitis. Symptome sind:

  • Bewusstseinsstörungen (z. B. Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit)
  • plötzliche Beeinträchtigung von Konzentration und Gedächtnis
  • Verhaltensveränderungen ( z. B. auffällige Stimmungsschwankungen, Halluzinationen, Verfolgungswahn oder Orientierungslosigkeit [organisches Psychosyndrom])
  • Erbrechen
  • neurologische Ausfälle (z. B. Störungen der Sprache und des Sprechens, Lähmungen einzelner Extremitäten oder der Augenmuskeln)
  • Krampfanfälle
  • bei gleichzeitiger Reizung der Hirnhäute (Meningoenzephalitis): Nacken- und/oder Rückensteifheit (Meningismus)

Komplikationen, die bei einer Enzephalitis auftreten können, sind ein andauernder Krampfanfall (Status epilepticus) oder eine Schwellung des Gehirns (Hirnödem).

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Enzephalitis: Ursachen und Risikofaktoren

Die Enzephalitis ist meist Folge einer Virusinfektion. Dabei unterscheidet man zwischen der primären und sekundären Form. Bei der primären Form verursachen die Viren direkt im Gehirn eine Entzündung. Bei der sekundären Form entgleist das körpereigene Abwehrsystem als Reaktion auf eine Virusinfektion im Körper und greift anschließend das Gehirn an (Autoimmunreaktion). Dabei werden vom Körper Strukturen (Auto-Antikörper) gebildet, die gegen bestimmte Bestandteile im Gehirn gerichtet sind.

Eine Enzephalitis wird in Deutschland häufig durch folgende Viren ausgelöst:

  • Herpes-Simplex-Viren
  • Varizella-Zoster-Viren
  • Ebstein-Barr-Viren
  • Masernviren
  • Mumpsviren
  • Rötelnviren
  • Enteroviren
  • FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis)-Viren

Weltweit gibt es noch andere Viren, die als Erreger einer Gehirnentzündung in Frage kommen:

  • Lyssaviren (Tollwut)
  • West-Nil-Viren
  • Arboviren (Japanische Enzephalitis)

Die FSME-Viren (Erreger der Frühsommermeningoenzephalitis) werden durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen. Durch Tierbisse (z. B. von Fledermäusen) kann man sich mit Tollwut anstecken.

Neben den Viren gibt es noch weitere Auslöser einer Enzephalitis. Dazu zählen verschiedene Bakterien (z. B. die Erreger der Syphilis, der Tuberkulose oder der Borreliose), Einzeller (z. B. die Erreger der Toxoplasmose), Parasiten (z. B. Würmer), Pilze oder Autoimmunerkrankungen (z. B. Multiple Sklerose).

Eine Enzephalitis, deren Ursache derzeit noch unklar ist, ist die sogenannte europäische Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica). Sie trat vor allem zwischen den Jahren 1917 bis 1928 weltweit auf und kann später zur Parkinson-Krankheit führen.

Besonders gefährdet, an einer Enzephalitis zu erkranken, sind Kinder und junge Erwachsene. Außerdem haben Personen mit einem geschwächten Immunsystem - beispielsweise Personen, die mit HIV infiziert sind - ein höheres Risiko, eine Gehirnentzündung zu entwickeln. Da einige der genannten Viren in unseren Breiten nicht vorkommen, sind Fernreisende ebenfalls stärker gefährdet.

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Enzephalitis: Untersuchungen und Diagnose

Um eine Enzephalitis festzustellen, fragt der Arzt nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Bei der Diagnose helfen Informationen zu allgemeinen Erkrankungen, viralen Infektionen oder auch Zeckenstichen. Neben der Befragung des Patienten versucht der Arzt, eine zweite Beschreibung durch Angehörige zu erhalten. Diese ist notwendig, weil Personen mit Enzephalitis in ihrer Wahrnehmung, ihrem Denken und ihrer Mitteilungsfähigkeit häufig eingeschränkt sind. Weitere nützliche Informationen betreffen kürzlich unternommene Urlaubsreisen, Kontakt zu Nutztieren oder anderen Menschen mit Gehirnentzündung.

Als nächstes folgt eine genaue körperliche und neurologische Untersuchung, bei der der Arzt unter anderem Haltung, Motorik und verschiedene von Nerven gesteuerte Reaktionen testet. Dabei fallen neben den beschriebenen Symptomen manchmal Hauterscheinungen oder Störungen des Wasserhaushaltes im Körper auf.

Vermutet der Arzt eine Enzephalitis, untersucht er auch Blut und Gehirnflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) des Erkrankten auf Entzündungszeichen (Liquorveränderungen, Erreger- beziehungsweise Antikörpernachweis). Um die Art des Erregers nachzuweisen, eignet sich die sogenannte Polymerasekettenreaktion (PCR); sie identifiziert schon kleinste Virusmengen. Eine Probe des Liquors gewinnt der Arzt mittels einer Lumbalpunktion. Viele Erreger der Enzephalitis lassen sich jedoch nicht oder nur unter hohem Aufwand und häufig erst nach Tagen oder Wochen nachweisen. So sind etwa in der Akutphase der Erkrankung meist noch keine Erreger im Liquor nachweisbar. Daher kann anfangs oft nur das Beschwerdebild den Weg zur Diagnose Gehirnentzündung und ihrem Auslöser zeigen.

In aller Regel führt der Arzt bei einem Verdacht auf eine Enzephalitis zudem sofort eine Computertomografie (CT) zum Ausschluss anderer Hirnerkrankungen (z. B. Hirnblutung oder Hirnabszess) durch. Auch eine Kernspintomografie (MRT) ist möglich.

Der Hirnabszess unterscheidet sich von der Enzephalitis dadurch, dass er meist durch (andere) Bakterien verursacht wird. Er ist räumlich begrenzt und besteht aus einer Eiteransammlung, die von einer bindegewebigen Kapsel umgeben ist.

Zudem wird - vor allem, wenn die Enzephalitis durch Herpesviren verursacht wurde - eine Elektroenzephalografie (EEG) durchgeführt. Diese kann zwar nur in Ausnahmefällen einen Hinweis auf den Erreger geben, dafür aber bereits im Frühstadium sichtbar machen, ob und wie die Entzündung sich auf die Gehirnfunktion auswirkt.

Video: Abenteuer Diagnose: Herpes-simplex-Enzephalitis. Visite. NDR (August 2020).

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