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Dyskalkulie

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Dyskalkulie ist der Fachbegriff für Rechenschwäche. Betroffene haben große Schwierigkeiten, einfachste Mathematik zu verstehen und anzuwenden. Dies fällt meist in der Grundschule oder sogar bereits im Kindergarten auf. Um den Verdacht zu bestätigen, müssen eine Reihe von Tests durchgeführt werden. Die Behandlung basiert auf einer individuellen Dyskalkulie-Förderung, um Nachteile durch die Rechenschwäche zu vermeiden. Lesen Sie hier mehr über Dyskalkulie!

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F81ArtikelübersichtDyskalkulie

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Tests
  • Behandlung
  • Rechentraining
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Dyskalkulie: Beschreibung

Die Antwort auf die Frage „Was ist Dyskalkulie?“ lautet kurz gefasst: eine tiefgreifende Schwierigkeit im Umgang mit Mathematik. Demzufolge wird die Dyskalkulie auch als Rechenschwäche bezeichnet. Sie gehört zu den sogenannten Lernstörungen. Diese Gruppe von schulischen Entwicklungsstörungen kann verschiedene Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben oder Rechnen betreffen - diese entwickeln sich nicht „normal“. Hintergrund ist ein definierter Ausfall von Hirnleistungen.

Die Dyskalkulie muss von einer erst später auftretenden, erworbenen Akalkulie (Rechenunfähigkeit) abgegrenzt werden. Eine Alkalkulie tritt zum Beispiel infolge eines Schlaganfalls auf.

Eine Rechenschwäche wird in fast allen Fällen bereits im Kindesalter entdeckt. Die Dyskalkulie-Definition umfasst auch, dass sich die Rechenschwäche nicht durch eine geringe Schulausbildung, verminderte Intelligenz oder sensorische Störungen wie Taubheit erklären lässt. Dyskalkulie ist somit charakterisiert durch ein Missverhältnis von erwarteten und tatsächlichen Leistungen. Betroffene haben große Probleme mit Zahlen und Mengen. Dadurch können sie selbst einfache Rechnungen nur schwer oder gar nicht erfassen. Probleme, die erst bei höheren mathematischen Anforderungen deutlich werden, sind dagegen in der Regel nicht mit einer Dyskalkulie vereinbar.

Infolge der Rechenschwäche sind nicht nur die Leistungen im Mathematik-, sondern auch im Physik- oder Chemieunterricht schwach. Betroffene Kinder haben oft auch Probleme in alltäglichen Situationen wie beim Ablesen der Uhr.

Kombination mit weiteren Störungen

Viele Betroffene weisen zusätzlich zur Dyskalkulie noch weitere Störungen auf, vor allem kombinierte Lese-Rechtschreibstörungen oder ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS). Studien in den USA zeigen, dass über 50 Prozent der Kinder mit Leseschwäche auch schwache mathematische Leistungen zeigen. Umgekehrt waren bei mehr als 40 Prozent der Kinder mit Dyskalkulie auch Zeichen einer Leseschwäche vorhanden.

Dyskalkulie: Häufigkeit
In Deutschland weisen zwischen drei und sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Dyskalkulie auf. Dabei sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen.

Interessanterweise kommt die Rechenschwäche bei amerikanischen Kindern häufiger vor als in Deutschland. Möglicherweise sind Unterschiede im Schulsystem dafür mitverantwortlich.

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Dyskalkulie: Symptome

Bei einer Dyskalkulie haben Betroffene keine oder falsche Vorstellungen von Rechenschritten. Auch der Umgang mit dem Dezimalsystem bereitet den Kindern deutliche Schwierigkeiten. Zahlen werden nicht als Mengenangabe, sondern als ein Symbol verstanden. Daher schleichen sich häufig Zahlendreher ein. Es gibt jedoch keine klare Symptomkombination, die Dyskalkulie definiert.

Meist fällt die Dyskalkulie dadurch auf, dass die betroffenen Kinder dem Unterricht nicht mehr folgen können und ihre Leistungen abfallen. Obwohl es bereits im Kindergartenalter Hinweise auf eine vorliegende Dyskalkulie geben kann, kann eine Rechenschwäche auch im Schulalter zunächst unbemerkt bleiben.

Zeigen sich dagegen Probleme mit Zahlen bei einem Schulanfänger, muss nicht zwangsläufig eine Dyskalkulie dahinter stecken hat: Rund ein Drittel der Kinder, die im ersten Schuljahr Schwierigkeiten mit Zahlen haben, erzielt in den Folgejahren durchschnittliche Leistungen und hat somit keine Dyskalkulie. Wird eine Rechenschwäche jedoch erst später, vor allem nach der fünften Klasse, offensichtlich, verschwindet sie in der Regel nicht von alleine.

Dyskalkulie-Symptome im Kindergarten oder in der Vorschule

Bereits im Kindergartenalter kann es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für eine Dyskalkulie geben. Eine Rechenschwäche zu erkennen, ist in diesem Alter jedoch nicht immer einfach. Mögliche Anzeichen in diesem Alter können Probleme mit Verhältnisangaben und Abzählen sein. Auch der Einstieg in den Umgang mit Einheiten (wie Gewicht) und dem Dezimalsystem bereitet Schwierigkeiten.

Dyskalkulie-Symptome in der Grundschule

In der Grundschule fällt die Dyskalkulie oft deutlicher auf. Im Unterschied zu Klassenkameraden zeigen betroffene Kinder Wissenslücken beim Umgang mit Zahlen auf, etwa wenn es darum geht, Zahlen zu schreiben oder zu benennen. Mathematische Rechnungen werden kaum verstanden. Dies merken Lehrer meist daran, dass diese Kinder wesentlich mehr Zeit benötigen als ihre Altersgenossen. Zur Lösung der Rechenaufgaben werden zudem Hilfsmittel wie Fingerabzählen genutzt. Der Umgang mit Mengen ist bei Dyskalkulie ebenfalls deutlich erschwert. Hinzu kommt, dass Rechenarten häufig verwechselt werden.

Dyskalkulie-Symptome im Alltag

Neben den schwachen Mathematikleistungen in der Schule ergeben sich für Kinder mit Dyskalkulie auch im Alltag eine Vielzahl von Schwierigkeiten. Das Lesen der Uhr sowie der Umgang mit Geld kann zum Beispiel eine große Herausforderung für die Betroffenen bedeuten.

Psychische Belastung

Aus den Erfahrungen, die Betroffene aufgrund der Dyskalkulie machen, resultieren häufig problematische Verhaltensweisen und ein auffälliges Problemvermeidungsverhalten. Zum einen ziehen sich die Kinder häufig zurück und entwickeln (Prüfungs-)Angst, depressive Symptome sowie somatische Beschwerden. Als somatische Beschwerden bezeichnet man körperliche Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerz, für die keine organische Ursache gefunden werden kann.

Zum anderen können sich Aufmerksamkeitsdefizite, delinquentes und aggressives Verhalten entwickeln. Statistisch gesehen haben Kinder mit Dyskalkulie häufiger psychische Symptome als nicht betroffene Kinder. Insgesamt führt die Dyskalkulie zu einer sehr hohen psychischen Belastung für die Kinder.

Hinzu kommen die Symptome eventuell vorhandener Begleiterkrankungen wie ADHS, Depression, Angststörungen oder Störungen des Sozialverhaltens.

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Dyskalkulie: Ursachen und Risikofaktoren

Der Umgang mit Zahlen und mathematischen Rechnungen stellt hohe Anforderungen an das kindliche Gehirn, welches sich in der Entwicklung befindet und immer komplexere Nervennetzwerke konstruiert. Forscher gehen davon aus, dass ein basales mathematisches Verständnis angeboren ist. Bereits in der ersten Lebenswoche können normalerweise kleine Mengen unterschieden werden.

Mathematische Fähigkeiten sind unabhängig von sprachlichen Kompetenzen oder auch der Intelligenz. Sie sind ein eigenständiger Teil des Denkens. Dennoch ist klar, dass die Verarbeitung mathematischer Aufgaben nicht komplett von Sprache losgelöst ist. Es ist also erforderlich, die mathematische Fachsprache zu erkennen und zu verstehen. Lese-Rechtschreibstörungen erschweren diesen Prozess und sind daher oft mit einer Dyskalkulie verbunden.

Es gibt eine Vielzahl von Modellen, die versuchen, die Dyskalkulie-Ursachen zu verdeutlichen. Sie berücksichtigen die einzelnen Schritte, die erforderlich sind, um mathematische Vorgänge zu erfassen. Grundlage ist das Verständnis für ein mathematische Problem und passende Strategien zur Problemlösung. Dazu gehört die Verarbeitung logischer Prozesse mit einem Verständnis für Details, aber auch die Fähigkeit, lernen zu können und dafür ein ausreichendes Arbeitsgedächtnis zu haben. Um vor allem geometrische Aufgaben visualisieren zu können, muss zudem ein gutes visuell-räumliches Vorstellungsvermögen existieren.

Dyskalkulie-Ursachen bislang unklar

Bis heute ist es ziemlich unklar, wie und warum genau eine Rechenstörung entsteht. In Studien konnte bei Betroffenen eine Unteraktivität der für das Rechnen verantwortlichen Hirnregionen gezeigt werden. Dies erklärt auch, dass Betroffene Zahlen wie „leere Worte“ aufnehmen, denen sie keine weitere Bedeutung zuordnen können. Um zu rechnen, müssen mehrere Bereiche des Gehirns genutzt werden. Wissenschaftler vermuten, dass eine Entwicklungs- und Aktivitätsstörung dieser Regionen für die „Matheschwäche“ verantwortlich ist.

Studien mit Familien und Zwillingen legen außerdem nahe, dass Dyskalkulie zu einem gewissen Anteil vererbbar ist. Rund 45 Prozent der Betroffenen haben Angehörige mit Lernstörungen. Ein spezielles Gen, das für die Störung verantwortlich sein könnte, wurde jedoch nicht identifiziert. Auch im Rahmen von genetisch bedingten Erkrankungen wie Turner-Syndrom oder Phenylketonurie kann eine Dyskalkulie auftreten.

Frühkindlich bedingte Hirnstörungen und Epilepsien können ebenfalls eine Rechenschwäche auslösen. Zusätzlich spielen psychosoziale und schuldidaktische Faktoren eine wichtige Rolle.

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Dyskalkulie: Untersuchungen und Diagnose

Eine Dyskalkulie sollte möglichst früh diagnostiziert werden, damit man dem betroffenen Kind eine passende Förderung zusätzlich zum Schulunterricht zukommen lassen kann. Nur so lassen sich Wissenslücken schnell schließen, und das Kind verliert nicht den Anschluss an den Unterricht.

Aber auch schon vor dem Schulalter, also im Kindergarten, können sich mögliche Hinweise auf ein Risiko für Dyskalkulie zeigen. Dazu gehören Auffälligkeiten beim Umgang mit basalen mathematischen Aufgaben. Oftmals legen sich diese anfänglichen Schwierigkeiten aber auch wieder.

In die Diagnosestellung sollten im Schulalter unbedingt die Lehrer miteinbezogen werden. Sie können mit ihrer Erfahrung dazu beitragen, Schwächen des Kindes zu benennen und zu analysieren. Oftmals fallen den Lehrern neben fachlichen Einschränkungen auch Störungen des Sozialverhaltens auf.

Diagnostisches Gespräch

Spezialisten für Lernschwächen sind Kinder- und Jugendpsychiater oder auch entsprechende Psychotherapeuten. Zur Einleitung des diagnostischen Gesprächs ist es wichtig, dass sowohl die Eltern als auch das betroffene Kind zur Rechenschwäche befragt werden. Oftmals müssen bereits an dieser Stelle Missverständnisse aufgeklärt werden.

Das Kindsollte beschreiben, wie es die Dyskalkulie empfindet und welche Schwierigkeiten aus seiner Sicht bestehen. Der Untersucher kann dann abschätzen, welche Belastungen aus der Rechenschwäche resultieren.

Danach wird mit den Elterneingehend über die Dyskalkulie-Symptome des Kindes gesprochen. Auch eventuelle sprachliche und motorische Entwicklungsstörungen sollten zur Sprache kommen. Möglicherweise bestehen auch seelische Belastungen, die den Antrieb des Kindes mindern. Zuletzt sollte auch die Familiensituation genau analysiert werden, um eventuelle familiäre Belastungen zu identifizieren. Zuletzt ist auch die Frage zu klären, ob bereits Maßnahmen gegen die Dyskalkulie eingeleitet oder durchgeführt wurden.

Video: Dyskalkulie: Ursachen der Rechenschwäche (August 2020).

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