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Dysmorphophobie

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Die Dysmorphophobie ist eine gravierende psychische Störung. Betroffene Menschen fühlen sich hässlich oder sogar entstellt, obwohl sie objektiv gar keine auffälligen Schönheitsmakel haben. Sie sorgen sich übermäßig um ihr Aussehen und fokussieren sich dabei auf bestimmte Körperteile, die sie als missgestaltet wahrnehmen. Die Störung ist eine erhebliche Belastung für die Betroffenen. Viele ziehen sich aus Furcht abgelehnt zu werden dem sozialen Leben zurück. Lesen Sie hier alle wichtigen Informationen zur Dysmorphophobie.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F22

Dass jemand unter seiner Hässlichkeit leidet, der ganz normal aussieht, ist für Außenstehende oft völlig unbegreiflich. Die Betroffenen einer Dysmorphophobie kokettieren aber nicht, sondern sind ernsthaft krank.

Marian Grosser, ArztArtikelübersichtDysmorphophobie
  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Dysmorphophobie: Beschreibung

Bei Menschen mit einer Dysmorphophobie, auch körperdysmorphe Störung genannt, kreisen die Gedanken unentwegt um ihr Aussehen. Sie fühlen sich entstellt, obwohl es keinen objektiven Grund dafür gibt. Auch wenn ein Körperteil tatsächlich nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, nehmen die Betroffenen dies deutlich schlimmer wahr, als es wirklich ist. Grund für die verschobene Realitätssicht ist eine Körperbildstörung. Meistens fixieren sie sich auf ein bestimmtes Körperteil, das ihnen unästhetisch erscheint. Frauen bemängeln häufig ihr Gesicht, die Brust, die Beine oder die Hüfte, während Männer sich vor allem durch zu wenige Muskeln, unschöne Genitalien oder zu viel Körperbehaarung entstellt fühlen.

Eine Dysmorphophobie hat weitreichende Folgen für das soziale und berufliche Leben. Die Betroffenen ziehen sich von Freunden und Familie zurück, weil sie sich für ihr Aussehen schämen. Sie vernachlässigen ihre Arbeit. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben Suizidgedanken. Somit besteht bei der Dysmorphophobie auch ein erhöhtes Suizidrisiko.

Die körperdysmorphe Störung (englisch: body dysmorphic disorder, kurz: BDD) zählt in der neuen Version des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen zu den Zwangsspektrumsstörungen. Denn Menschen mit einer Dysmorphophobie weisen ähnliche Verhaltensweisen auf wie Menschen mit einer Zwangsstörung.

Wie viele sind von einer Dysmorphophobie betroffen?

Circa 0,7 bis 2,4 Prozent der Bevölkerung leiden an einer Dysmorphophobie. Frauen sind geringfügig häufiger betroffen, als Männer. In vielen Fällen beginnt die Störung bereits im Jugendalter. Neben der verzerrten Körperwahrnehmung leidet mindestens die Hälfte der Betroffenen zudem an depressiven Symptomen. Die soziale Phobie und Zwangsstörungen treten ebenso häufig zeitgleich auf.

Muskeldysmorphie

Eine spezielle Variante der Dysmorphophobie ist die Muskeldysmophobie, die überwiegend Männer betrifft. Sie empfinden ihren Körper als zu wenig muskulös oder fühlen sich zu klein. Auch wenn ihr Körper bereits dem eines Profisportlers gleicht, missfällt er ihnen. Manche beginnen daher, exzessiv zu trainieren. Die Muskelsucht wird auch als Adonis-Komplex oder inverse Anorexie (umgekehrte Magersucht) bezeichnet. Ähnlich wie eine magersüchtige Person nehmen die Männer ihren Körper verzerrt wahr. Anstatt Kalorien zu meiden, konzentrieren sie sich jedoch auf die Einnahme von proteinreicher Nahrung. Einige greifen in ihrer Verzweiflung auch zu Anabolika, um möglichst schnell viel Muskelmasse aufzubauen.

Wie viele Menschen von Muskeldysmorphie betroffen sind, ist unklar. Unter Bodybuildern sind es etwa zehn Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Betroffenen weiter zunehmen wird. Der Grund ist dass mittlerweile auch Männer unter dem Druck eines Schönheitsideals stehen.

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Dysmorphophobie: Symptome

Menschen mit der körperdysmorphen Störung beschäftigen sich unentwegt mit ihren Makeln. Die Betroffenen haben keine Kontrolle über ihre selbstabwertenden Gedanken, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Menschen mit Dysmorphophobie neigen zu sogenannten Sicherheitsverhaltensweisen, die auch für Zwänge typisch sind. Manche müssen ihre vermeintlichen Makel immer wieder im Spiegel überprüfen, obwohl sie sich dabei schlecht fühlen. Andere scheuen den Blick in den Spiegel und trauen sich nicht mehr in die Öffentlichkeit. In der Regel versuchen Menschen mit Dysmorphophobie ihren eingebildeten Schönheitsmakel zu verstecken. Manche lassen sich regelmäßig vom Schönheitschirurgen behandeln oder versuchen, ihr Äußeres selbst zu verändern. Doch löst nichts davon die Problematik - sie schämen sich weiterhin für ihr Aussehen. Häufig begleiten depressive Symptome wie Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit die Dysmorphophobie.

Nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-V) müssen folgende Symptome für die Diagnose der Dysmorphophobie zutreffen:

  1. Die Betroffenen beschäftigen sich übermäßig mit vermeintlichen Schönheitsmängeln , die für andere nicht erkennbar oder nur geringfügig sind.
  2. Die vermeintliche Schönheitsmakel treibt die Betroffenen wiederholt zu bestimmten Verhaltensweisen oder gedankliche Handlungen. Sie überprüfen beispielsweise ihr Äußeres im Spiegel, betreiben übertriebene Körperpflege, müssen sich von anderen ständig bestätigen lassen, das sie nicht hässlich sind (Rückversicherungsverhalten) oder vergleichen sich ständig mit anderen Personen.
  3. Die Betroffenen leiden unter der übermäßige Beschäftigung ihrer äußeren Erscheinung oder beeinträchtigt sie in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen.
  4. Die übermäßige Beschäftigung mit dem äußeren Erscheinungsbild basiert nicht auf einer Essstörung.

Eine Dysmorphophobie kann auch in Kombination mit Wahn auftreten. Der Betroffene ist dann vollkommen sicher, dass seine Wahrnehmung des eigenen Körpers der Realität entspricht. Andere Betroffene hingegen ist klar, dass ihre Selbstwahrnehmung nicht mit der Realität übereinstimmt.

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Dysmorphophobie: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache der Dysmorphophobie führen Experten auf das Zusammenspiel von biologischen und psychosozialen Faktoren zurück. Einen wichtigen Einfluss haben auch die Werte, die in unserer Gesellschaft vermittelt werden. Schönheit hat einen hohen Stellenwert. Die Medien verstärken die Bedeutung des Aussehens, indem sie den Eindruck vermitteln, dass Schönheit glücklich macht.

Psychosoziale Faktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass Erfahrungen in der Kindheit eine entscheidende Rolle spielen. Missbrauchserlebnisse und Vernachlässigung in der Kindheit sind Risikofaktoren für die Entstehung der Dysmorphophobie. Kinder, die überbehütet aufwachsen und deren Eltern Konflikte meiden, sind ebenso gefährdet.

Menschen mit der körperdysmorphen Störung legen meist seit der Kindheit großen Wert auf ihr Äußeres. Von den Eltern erhalten sie oft Zuneigung wegen ihres Aussehens und nicht aufgrund ihrer Persönlichkeit. Das Aussehen wird somit zur Quelle von Bestätigung und Anerkennung. Hänseleien und Mobbing können den Selbstwert stark verletzen und dazu beitragen, dass Betroffene ihr Aussehen immer mehr in Frage stellen. Besonders anfällig sind Personen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben und eher schüchtern und ängstlich sind.

Biologische Faktoren

Experten gehen davon aus, dass auch biologische Faktoren die Entstehung beeinflussen. Sie vermuten eine Störung im Haushalt des Neurotrasmitters Serotonin. Gestärkt wird diese Annahme dadurch, dass die Behandlung mit Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) bei Dysmorphophobie helfen kann.

Aufrechterhaltende Faktoren

Bestimmte Gedanken und Verhaltensweisen erhalten die Symptome der Dysmorphophobie aufrecht. Betroffene haben häufig einen perfektionistischen und unerreichbaren Anspruch an ihr Aussehen. Sie richten ihre Aufmerksamkeit stark auf das Äußere und nehmen daher Veränderungen oder Abweichungen von ihrem Ideal verstärkt wahr. Ihr Äußeres erscheint ihnen im Vergleich zu ihrem angestrebten Ideal immer unattraktiv. Der soziale Rückzug und der ständige Blick in den Spiegel verstärken das Gefühl, hässlich zu sein noch. Dieses Sicherheitsverhalten bestärkt die Person in ihrer Überzeugung, dass es einen guten Grund gibt, sich nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.

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Dysmorphophobie: Untersuchungen und Diagnose

Die körperdysmorphe Störung wird oft nicht erkannt. Erstens wird die Störung häufig von depressiven Symptomen überdeckt. Zweitens ist vielen Betroffenen nicht bewusst, dass sich hinter der Sorge um ihr Aussehen eine psychische Problematik verbirgt. Im Internet befinden sich einige Selbsttests, die eine erste Einschätzung zur Dysmorphophobie erlauben. Ein solcher selbst durchgeführter Dysmorphophobie-Test ersetzt jedoch nicht die Diagnose von einem Psychiater oder Psychologen.

Zur Diagnose der Dysmorphophobie führt der Psychiater oder Psychologe ein ausführliches Anamnesegespräch. Anhand von Fragen, die sich an den diagnostischen Kriterien orientieren, versuchen die Experten ein umfassendes Bild der Symptome zu bekommen.

Folgende Fragen könnte der Psychiater oder Psychologe zur Diagnose der Dysmorphophobie stellen:

  1. Fühlen Sie sich durch Ihr Aussehen entstellt?
  2. Wie viel Zeit am Tag beschäftigen Sie sich mit äußerem Makel?
  3. Verbringen Sie viel Zeit am Tag damit, in den Spiegel zu schauen?
  4. Meiden Sie den Kontakt zu anderen Menschen, weil Sie sich für ihr Aussehen schämen?
  5. Fühlen Sie sich von Gedanken über ihr Aussehen belastet?

Nach dem Gespräch werden Behandlungsmöglichkeiten und das weitere Vorgehen besprochen.

Video: Mein Aussehen macht mich krank - körperdysmorphe Störung - Dysmorphophobie (August 2020).

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