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Distorsion

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Eine Distorsion (Verstauchung) ist eine Verletzung der Bänder oder Gelenkkapsel, die mit starken Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit des Gelenks einhergeht. Am häufigsten tritt eine Distorsion im Rahmen von Sportunfällen auf. Meistens sind bei einer Distorsion Sprunggelenk, Knie oder Handgelenk betroffen. Wird eine Distorsion richtig behandelt und das Gelenk ausreichend geschont, heilt sie innerhalb einiger Tage bis Wochen wieder vollständig ab. Es kann allerdings eine dauerhafte Gelenkinstabilität zurückbleiben. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Distorsion.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. S33S83S93T03S13ArtikelübersichtDistorsion

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Distorsion: Beschreibung

Eine Distorsion (Verstauchung) ist eine Verletzung der Bänder (Ligamente) oder der Gelenkkapsel. Meist entsteht sie durch eine Verdrehung des Gelenks. Die Bänder dienen der Stabilisierung der Gelenke. Sie führen die Bewegung und sorgen dafür, dass das Gelenk sich nur in einem gewissen Umfang bewegt. Die Bänder bestehen aus elastischen Kollagenfasern. Wird der Zug auf die Fasern aber zu stark, werden die Bänder überdehnt und das Gewebe geschädigt. Da bei einer Verstauchung häufig auch kleinere Blutgefäße der Kapsel einreißen, bilden sich an der Verletzungsstelle eine starke Schwellung und ein Bluterguss.

Eine Verstauchung lässt sich schwer von einer Bänderdehnung oder einem Bänderriss abgrenzen. Allein anhand der Symptome kann der Arzt keine genaue Diagnose stellen. Mediziner fassen den Begriff Verstauchung daher oft etwas weiter und definieren die Bänderdehnung und den Bänderriss als eine Unterform der Verstauchung:

  • Grad 1 (leichte Distorsion): Überdehnung der Bänder ohne Instabilität und ohne strukturelle Schädigung der Bänder
  • Grad 2 (mittelschwere Distorsion = Bänderdehnung): Starke Überdehnung oder Teilriss eines oder mehrerer Bänder, ebenfalls noch ohne Gelenkinstabilität
  • Grad 3 (schwere Distorsion = Bänderriss): Riss eines oder mehrerer Bänder mit Gelenkinstabilität

Eine Distorsion kann an allen Gelenken des Körpers auftreten. Besonders häufig sind bei einer Distorsion Knie und Sprunggelenk betroffen. Etwas seltener sind Handgelenk und Finger verletzt. Eine Distorsion im Ellbogen oder in der Schulter kommt so gut wie nie vor.

Die Sprunggelenksdistorsion ist von allen Bandverletzungen die häufigste. Sie kommt vor allem bei Sportarten vor, in denen schnell und häufig sehr kraftvolle Bewegungen mit den Beinen ausgeführt werden, also beispielsweise beim Fußball oder auch beim Skifahren. Eine Distorsion kann auch im normalen Alltag auftreten, beispielsweise wenn Sie zu schnell die Treppe hinunter laufen, oder wenn Sie auf unebenem Gelände spazieren. Dabei kann es schnell vorkommen, dass Sie umknicken und sich eine Distorsion zuzuziehen.

Mediziner gliedern die Sprunggelenksdistorsion noch einmal in verschiedene Unterformen, abhängig davon, welche Bänder des Gelenks betroffen sind. Das Supinationstrauma ist von allen Sportverletzungen die häufigste. Als Supinationstrauma bezeichnen Mediziner das klassische „Umknicken“, bei dem die Fußsohle nach innen (in Richtung des anderen Fußes) klappt. Dabei wird das Außenband überdehnt. Umgangssprachlich wird die Verletzung als „verstauchter Knöchel“ bezeichnet.

Eine weitere Form der Distorsion ist die Halswirbeldistorsion, bei der die Halswirbelsäule durch starke Krafteinwirkung verrenkt wird. Eine Halswirbeldistorsion tritt deutlich seltener als eine Sprunggelenksdistorsion auf. Ursache ist häufig ein Schleudertrauma, beispielsweise bei einem Autounfall. Bei einer Halswirbelsäulendistorsion können wichtige Nerven und Gefäße eingeklemmt und dadurch geschädigt werden. Deshalb muss sie in jedem Fall so schnell wie möglich von einem Arzt untersucht werden.

Als ersten Behandlungsschritt sollten Sie die betroffene Stelle immer sofort kühlen und am besten hochlagern. Auch Distorsionen, die im Alltag auftreten, sollten von einem Arzt (Hausarzt, Unfallchirurg oder Orthopäde) untersucht werden. Den Schweregrad einer Distorsion kann meist nur ein Mediziner zuverlässig einschätzen, vor allem weil die Schwere der Verletzung nicht zwingend mit der Stärke der Schmerzen korreliert. So können auch schwerere Verletzungen vergleichsweise geringe Schmerzen bereiten. Eine nicht behandelte Distorsion kann irreparable Schäden am Gelenk nach sich ziehen.

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Distorsion: Symptome

Eine Verstauchung ist in der Regel sehr schmerzhaft. Die Verletzten bemerken meist unmittelbar während oder nach der Verletzung, dass sie sich eine Distorsion zugezogen haben. Manchmal lässt sich das betroffene Gelenk nicht mehr richtig bewegen und es schwillt nach kurzer Zeit stark an. Sind Blutgefäße gerissen, entsteht zusätzlich ein Bluterguss (Hämatom) an der verletzten Stelle.

Wird eine Distorsion unzureichend behandelt, verheilt sie unter Umständen schlecht und das Gelenk ist in Zukunft weniger stabil. Mit einem instabilen Sprunggelenk beispielsweise knicken Sie häufiger um und sind deutlich unsicherer beim Gehen. Werden die Bänder wiederholt überdehnt, leiern sie nach und nach regelrecht aus. Es kommt zu einem sogenannten „Schlottergelenk“, das kaum oder gar keine eigene Stabilität mehr hat. Die Gefahr, erneut umzuknicken, steigt erheblich. Da das Gelenk nun in seinem Bewegungsumfang nicht mehr durch die stabilisierenden Bänder und die Gelenkkapsel begrenzt wird, kann es unter Belastung in eine Fehlstellung geraten, die im Laufe der Zeit zu einem vorzeitigen Gelenksverschleiß (Arthrose) führt.

Bei einer Halswirbeldistorsion treten neben starken Schmerzen noch weitere Symptome auf. Dazu gehören ein Steifheitsgefühl im Nacken, Kopfschmerzen und Schwindel. Die Schwere der Symptome hängt von der Schwere der Verletzung ab. Bei einer schweren Distorsion können zudem Schluckstörungen, Schlafstörungen, Seh- und Hörstörungen sowie kribbelnde Missempfindungen im Gesicht oder den Armen auftreten. Diese Symptome entstehen, wenn Nerven und Blutgefäße im Nackenbereich eingequetscht werden können. In ganz schweren Fällen kommt es zu ausgeprägten neurologischen Symptomen wie Gangunsicherheiten oder Sprachstörungen. Sie treten auf, wenn die hirnversorgenden Gefäße (Ae.vertebrales) durch die Distorsion geschädigt worden sind und Hirnstamm und das Kleinhirn zu wenig sauerstoffreiches Blut erhalten.

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Distorsion: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Distorsion entsteht meist durch ungewohnte, schnelle und kraftvolle Bewegungen, bei denen einzelne Bänder über das normale Maß hinaus gedehnt werden. Klassisch für die Sprunggelenksdistorsion ist das „Umknicken“, bei dem die Fußsohle nach innen hin geklappt wird und damit das Außenband am Knöchel stark gedehnt wird (Supinationstrauma). Eine Distorsion im Kniegelenk entsteht, wenn das Knie zum Beispiel ruckartig nach außen verdreht wird. Gerade bei schnellen Sportarten wie beim Fußball, Handball, Volleyball oder Basketball sind Distorsionen häufig. Sie können aber auch im Alltag beim beim Spazieren gehen oder Treppen steigen auftreten.

Eine Distorsion im Schulter-, Ellbogen- oder den Fingergelenken ist sehr selten. Man kann sie ebenfalls beim Sport zuziehen, bei stürzen oder bei einer ungeschickten Bewegung. Eine Distorsion in der Schulter kann außerdem auftreten, wenn Sie ungewohnt schwer heben. Eine Distorsion des Daumens kommt zum Beispiel beim Skifahren häufig vor: Wenn der Daumen beim Fallen in der Schlaufe des Skistocks hängen bleibt, wird das Außenband überdehnt. In den meisten Fällen reißt es. Es entsteht ein sogenannter Skidaumen.

Eine Halswirbelsäulen(HWS)-Distorsion entsteht durch Schleudertraumata wie sie beispielsweise bei Verkehrsunfällen vorkommen. Besonders bei einem Auffahrunfall ist die Gefahr einer HWS-Distorsion hoch. Eine HWS-Distorsion kann aber auch bei Sport-und Freizeitunfällen auftreten.

In seltenen Fällen können genetische Bindegewebserkrankungen (zum Beispiel Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom) zu einer übermäßigen Dehnbarkeit der Bänder und damit zu einer Gelenksinstabilität führen. Menschen mit diesen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für eine Distorsion und eine Verrenkung (Luxation) von Gelenken.

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Distorsion: Untersuchungen und Diagnose

Bei einer Distorsion oder dem Verdacht auf eine andere Verletzung der Gelenke ist ein Orthopäde oder Unfallchirurg der richtige Ansprechpartner. Im Zweifelsfall können Sie auch Ihren Hausarzt aufsuchen. Bei einer leichten Distorsion kann er das Gelenk schienen und Ihnen Tipps geben, wie Sie sich in nächster Zeit verhalten sollten. Bei einer schweren Distorsion wird er Sie an einen Spezialisten überweisen.

Die Schilderung Ihrer aktuellen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen liefert dem Arzt wichtige Informationen. In diesem Anamnesegespräch sollten Sie möglichst genau berichten, wie es zu dem Unfall bzw. der Verletzung gekommen ist. Um weitere Anhaltspunkte zu bekommen, kann der Arzt Fragen stellen wie:

  • Wann genau sind die Schmerzen aufgetreten?
  • Wie haben Sie sich nach dem Unfall verhalten?
  • Haben Sie die Stelle gekühlt?
  • Haben Sie sich bereits früher an dieser Stelle verletzt?

Nach der Anamnese findet eine körperliche Untersuchung statt. Dabei tastet der Arzt zunächst das betroffene Gelenk vorsichtig ab. Tritt dabei ein Druckschmerz auf, so ist dies ein erstes Anzeichen für eine Distorsion. Der Druckschmerz äußert sich an der Verletzungsstelle und der unmittelbaren Umgebung.

Untersuchung Distorsion OSG (Oberes Sprunggelenk)

Bei der Sprunggelenksdistorsion überprüft der Arzt zunächst, ob die Bandstrukturen an Innen- und Außenknöchel intakt sind. Dabei testet er immer beide Beine, um die Beweglichkeit der unverletzten Gelenks mit dem verletzten vergleichen zu können. Der Arzt fixiert mit einer Hand den Unterschenkel, mit der anderen Hand versucht er die Fußsohle behutsam nach innen und nach außen zu drehen. Normalerweise ist der Bewegungsumfang durch die Bänder auf beiden Seiten sehr eingeschränkt. Bei einer Bandverletzung einer Seite lässt sich die Fußsohle übermäßig weit zur Seite drehen (verstärkte Aufklappbarkeit des Sprunggelenks). Eine weitere Untersuchungsmethode am Sprunggelenk ist der Schubladentest. Bei diesem Test fixiert der Arzt mit einem Arm wieder den Unterschenkel, während er versucht den Fuß nach vorne (Richtung Zehenspitzen) und nach hinten (Richtung Ferse) zu drücken. Auch diese Bewegung wird normalerweise durch die Bandstrukturen nur sehr begrenzt zugelassen. Lässt sich der Fuß zum Unterschenkel übermäßig leicht verschieben, liegt vermutlich eine mittelschwere Distorsion (Bänderüberdehnung) oder schwere Distorsion (Bänderriss) vor.

Weitere Untersuchungen: Distorsion OSG

In der Regel untersucht der Arzt das verletzte Gelenk im Anschluss an die körperliche Untersuchung noch mit bildgebenden Verfahren, die das Ausmaß der Verletzung zeigen. Am häufigsten wird dazu eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der verletzten Region durchgeführt. Damit kann der Arzt erkennen, ob ein Band oder die Gelenkkapsel gerissen oder überdehnt ist. Eine weitere, aufwändigere Methode stellt die Magnetresonanztomografie (MRT) dar. Eine MRT ist meist aber nur bei Verletzungen nötig, die operativ versorgt werden sollen. Durch die MRT-Bilder erhält der Operateur bereits vor dem Eingriff einen guten Überblick über das Ausmaß der Schädigung. Um Verletzungen a der Knochen auszuschließen - vor allem bei schwereren Unfällen - kann außerdem ein Röntgenbild angefertigt werden.

Video: Histoires Étranges de lÈre Numérique avec Émile & Seb de Distorsion - NURÉA TV (August 2020).

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