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Echinokokkose

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Die Echinokokkose ist eine potenziell lebensbedrohliche Infektion mit dem Fuchs- oder Hundebandwurm. Die Symptome sind abhängig vom betroffenen Organ. In den meisten Fällen ist die Leber befallen. Informieren Sie sich hier über Symptome, Diagnose und Therapie einer Echinokokkose.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. B67ArtikelübersichtEchinokokkose

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Echinokokkose: Beschreibung

Die Echinokokkose ist eine Wurmerkrankung, die in der Regel vom parasitären Hunde- oder Fuchsbandwurm ausgelöst wird. Man unterscheidet zwei sehr verschiedene Krankheitsbilder: Zum einen die durch den Kleinen Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ausgelöste alveoläre Echinokokkose und zum anderen die zystische Echinokokkose, die durch den Kleinen Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) verursacht wird.

Während der Hundebandwurm ein weltweites Problem ist, kommt der Fuchsbandwurm nur in bestimmten Regionen vor, darunter jedoch Mitteleuropa und besonders Süddeutschland. 2014 gab es deutschlandweit 66 Fälle der zystischen Echinokokkose. Von der alveolären Echinokokkose waren 16 Menschen betroffen, meldet das Robert Koch-Institut. In diesen Regionen sind bis zu 75 Prozent der Füchse mit dem Kleinen Fuchsbandwurm befallen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Kinder und Jugendliche sind selten betroffen. Die durch den Hundebandwurm ausgelöste Echinokokkose betrifft sämtliche Altersgruppen.

Was sind Bandwürmer?

Bandwürmer (Cestodes) sind Parasiten. Sie bestehen aus einem Kopf mit Säugnäpfen und Widerhaken, einem Hals und einem langen, bandförmigen Körper. Dieser ist in einzelne, ähnlich aufgebaute Abschnitte gegliedert. Bandwürmer sind Zwitter, die keinen Darm besitzen und die Nahrung daher über die Haut aufnehmen.

Ein Bandwurm durchläuft im Laufe seiner Entwicklung verschiedene Stadien. Je nach Stadium bezieht er einen anderen Wirt. Fleischfressende Tiere, vor allem Fuchs und Hund, seltener auch Katzen, nehmen die Larven durch Verzehr des Fleisches eines infizierten Tieres auf. Im Darm dieser Endwirte entwickeln sich die Larven zu Bandwürmern, die Eier legen. Dies geschieht, indem er immer das letzte Glied seines Körpers abstößt, welcher mit Eiern gefüllt ist. Ein Hundebandwurm kann rund 1.500 pro Körperabschnitt legen - ein Fuchsbandwurm rund 200. Die Eier werden im Kot ausgeschieden und wiederum von einem Zwischenwirt (zum Beispiel Mäusen) aufgenommen, wo sie sich vor allem in der Leber eine Art Zyste oder Abkapselung bilden. Auch der Mensch kann versehentlich als Zwischenwirt dienen.

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Echinokokkose: Symptome

Viele Jahre lang kann eine Echinokokkose vollkommen unauffällig bleiben. In dieser Zeit werden die Zysten immer größer und können so die Organe, in denen sie sich befinden, beeinträchtigen. Dadurch kann sich eine Echinokokkose offenbaren: Die Echinokokkose verdrängt oder infiltriert Organe und führt dort zu Druckgefühl und Kompressionen von Nerven, Gefäßen oder Organen. Die Symptomatik hängt dabei stark vom befallenen Organ ab. Auch eine zusätzliche Infektion mit Bakterien ist möglich. Es kann auch zu unspezifische Symptome wie Unwohlsein, Gewichtsverlust und allergischen Reaktionen kommen.

Leber

In rund 70 Prozent der Fälle ist die Leber bei einer Echinokokkose befallen. Die Folgen sind Druckgefühl und Schmerzen im rechten Oberbauch. Wenn der Wurmbefall den Gallefluss behindert, können sich Haut und Augen gelb verfärben (Ikterus). Daraus kann eine Entzündung der Gallenwege (Cholangitis), eine Leberzirrhose und eine Blockade der Pfortader, die das Blut in die Leber leitet (portale Hypertension), resultieren.

Lunge

Circa 20 Prozent der Hundebandwurm-Infektionen befinden sich in der Lunge. Bei Fuchsbandwurm-Infektionen ist der Lungenbefall dagegen selten. Hauptsymptom ist Husten, teils auch blutiger. Daneben leiden Betroffene unter Schmerzen und Atemstörungen.

Kein Organ ist geschützt vor einer Echinokokkose!

Vor allem im Rahmen der zystischen Echinokokkose lassen sich Zysten auch gelegentlich in Gehirn, Milz, Herz, Knochen und anderen Organen finden. Der Befall kann über die Blutbahn, die Lymphe, aber auch durch direkte Aussaat in Bauch- oder Brusthöhle erfolgen.

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Echinokokkose: Ursachen und Risikofaktoren

Für den Fuchs- und den Hundebandwurm ist der Mensch ein Fehlzwischenwirt. Die Larven nisten sich in verschiedenen Organen ein, entwickeln sich jedoch selten bis nie zu Würmern. Bei Betroffenen, deren Immunsystem durch Krankheit oder Therapie beeinträchtigt ist, kann die Krankheit durchaus schwerer verlaufen.

Die Infektion mit den Bandwürmern erfolgt in den allermeisten Fällen durch die Nahrung, die Eier aus dem Kot infizierter Tiere enthält. Vor allem der Verzehr ungewaschener Beeren, Fallobst oder Früchten niedriger Sträucher birgt ein hohes Infektionsrisiko. Es ist aber auch möglich, sich durch den Genuss von rohem Fleisch zu infizieren.

Nach der Aufnahme gelangen die Eier durch die Darm-Blutgefäße in der Regel zunächst in die Leber. Von dort aus können sie im Verlauf weitere Organe erreichen. In den Organen entwickeln sich die Eier zu Larven, die sich tumorartig abkapseln und vielleicht erst nach Jahren bemerkbar machen.

Keine Übertragung von Mensch zu Mensch

Die Erkrankung wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Von Erkrankten geht in der Regel keine Infektionsgefahr aus. Auch das operierte Material gilt als nicht infektiös.

Hunde- und Fuchsbandwurm haben sehr unterschiedliche Wachstumsmuster, die entscheidend für die unterschiedlichen Krankheitsverläufe der beiden Wurmerkrankungen sind:

Der Hundebandwurm bildet Zysten in den Organen. Als Zysten bezeichnet man flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Durch den Hundebandwurm hervorgerufene Zysten verdrängen das umliegende Gewebe und sind meist einzeln. Die Zysten führen dazu, dass körpereigenes Gewebe eine Wand um sie herum bildet.

Die alveoläre Echinokokkose durch den Fuchsbandwurm führt zu Infiltrationen der Organe - ähnlich wie ein Krebsgeschwür. Sie sind zudem schwammartig und durch Zusammenlagerung kammerartig aufgebaut.

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Echinokokkose: Untersuchungen und Diagnose

Zunächst sollte man sich bei Verdacht auf einen Wurmbefall an einen Infektiologen wenden. Die Betreuung und Behandlung einer Echinokokkose sollte jedoch in einem spezialisierten Zentrum für Wurminfektionen erfolgen. Da es sich in einem Drittel aller Fälle um einen Zufallsbefund handelt, werden die meisten Betroffenen direkt nach der Befunderhebung an einen Spezialisten überweisen. Der Arzt wird unter anderem diese Fragen stellen:

  • Ist bei Ihnen jemals eine Wurmerkrankung oder anderer Parasitenbefall festgestellt worden?
  • Sind bei vergangenen Untersuchungen unerklärliche Auffälligkeiten gefunden worden?
  • Empfinden Sie Schmerzen oder Druckgefühl im rechten Oberbauch?
  • Leiden Sie an (unerklärlichen) Erkrankungen der Lunge (z.B. Husten)?
  • Sind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?

Wichtigstes diagnostisches Mittel bei einer Echinokokkose ist die Bildgebung. Zur Ortung der betroffenen Organe können die Ultraschall-, MRT- und CT-Technik verwendet werden. Durch die häufige Verkalkung der Zysten sind sie gut sichtbar. So sind Herde einer zystischen Echinokokkose glatt begrenzt und vor allem am Rand verkalkt. Deren Tochterzysten haben typischerweise eine Doppelkontur in der Wand und eine Wabenstruktur. Meist wird zunächst eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Bereits mithilfe dieser Untersuchung lassen sich Auffälligkeiten in der Leber feststellen. Die Bildgebung ist deshalb so wichtig, weil eine Zyste bei Verdacht auf eine Echinokokkose nie punktiert werden darf, da dadurch Eier im Körper verteilt werden könnten.

Weiterführende Untersuchungen

Zur Abklärung einer Echinokokkose gehört auch die Blutuntersuchung. In der Standard-Blutuntersuchung kann in rund zehn Prozent der Fälle der Anstieg einer Untergruppe der weißen Blutzellen (Eosinophile) auffallen. Es wird angenommen, dass die Eosinophilen eine Bedeutung bei der Wurmabwehr haben. Der Arzt sollte das abgenommene Blut an ein auf Echinokokkosen spezialisiertes Labor schicken. Der Versand kann zwar im Vergleich zu lokalen Laboruntersuchungen etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, dafür können spezialisierte Labors qualitativ bessere Ergebnisse liefern. Dort können wurmspezifische Antikörper und Antigene festgestellt und untersucht werden. Eine negative Blutuntersuchung schließt eine Echinokokkose nicht aus.

Sowohl durch Bild- aber auch Blutuntersuchungen kann jedoch keine definitive Diagnose gestellt werden. Eine Meldung an das Robert Koch-Institut ist bei eindeutigen Befunden dennoch immer notwendig. Aus diesem Grund sollte die endgültige Diagnostik bei begründetem Verdacht an einem erfahrenen Zentrum weitergeführt werden, wie zum Beispiel am Universitätsklinikum Würzburg, dem Konsiliarlabor des Robert Koch-Instituts.

Die definitive Diagnose kann durch eine pathologische Untersuchung von entnommen Material nach einer Operation gestellt werden. Mithilfe der PNM-Klassifikation kann vor allem der Fuchsbandwurmbefall eingeschätzt werden. Diese Einteilung berücksichtigt den Befall der Leber (P), der Nachbarorgane (N) und bestehende Metastasen (M).

Zur Therapieüberwachung kann eine spezielle bildgebende Untersuchung, das FDG-PET, angewandt werden. Mithilfe dieser Technik kann die Aktivität der Wurm-Hydatiden geprüft werden.

Häufiger als eine Echinokokkose sind Lebertumore, die in der Bildgebung sehr ähnlich aussehen können. Eine Reihe weiterer alternativer Diagnosen ist denkbar. Dazu zählen unterschiedliche gut- und bösartige Tumore, andersartige Zysten, Abszesse oder auch Tuberkulose.

Video: Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm? Teil 1. SWR odysso (August 2020).

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