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Sarkoidose

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Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für lifelikeinc.com - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Mehr über die lifelikeinc.com-ExpertenDie Sarkoidose (Morbus Boeck) ist eine entzündliche Erkrankung, die akut oder chronisch verlaufen kann. Typisches Merkmal sind knötchenförmige Gewebeveränderungen. Sie können sich überall im Körper bilden und die Funktion der betreffenden Organe stören. Die häufigste Krankheitsform ist die chronische Sarkoidose der Lunge: Die Patienten leiden unter chronischem Reizhusten und Atembeschwerden. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Symptomen, Ursachen, Behandlung und Prognose der Sarkoidose.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. D86ArtikelübersichtSarkoidose

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Verlauf und Prognose

Kurzübersicht

  • Was ist Sarkoidose? Entzündliche Erkrankung, die mit der Bildung von knötchenförmige Gewebeveränderungen einhergeht. Sie betrifft meist die Lunge, kann aber auch in anderen Geweben und Organen auftreten.
  • Symptome: hängen von den betroffenen Organen und dem Krankheitsverlauf (akut oder chronisch) ab. Typische Anzeichen der chronischen Sarkoidose der Lunge (häufigste Form) sind zunehmender Reizhusten, belastungsabhängige Atemnot und geschwollene Lymphknoten im Lungenbereich.
  • Ursache: unbekannt. Vermutlich sind aber mehrere Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. Im Verdacht stehen neben genetischen Faktoren auch schädliche Substanzen, die eingeatmet wurden.
  • Therapie: nicht immer nötig, weil Sarkoidose oft von allein ausheilt (besonders akute Sarkoidose). Bei schwerwiegenden Symptomen und/oder eingeschränkter Lungenfunktion sollten Patienten aber behandelt werden. Therapie der 1. Wahl sind Kortisonpräparate.
  • Prognose: Meistens günstig, besonders bei akuter Sarkoidose. Je fortgeschrittener die chronische Sarkoidose ist, desto schlechter sind die Heilungschancen. Bei einigen Patienten bleibt die Lungenfunktion auf Dauer eingeschränkt. Etwa fünf Prozent der Sarkoidose-Patienten sterben an Komplikationen.
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Sarkoidose: Beschreibung

Die Sarkoidose (Morbus Boeck) ist eine entzündliche Erkrankung, die verschiedene Organe und Gewebe im Körper befallen kann. Deshalb wird sie auch als Multisystemerkrankung bezeichnet.

In den meisten Fällen betrifft die Sarkoidose dieLunge. Auch Augen, Herz und Haut sind häufiger in Mitleidenschaft gezogen. Prinzipiell kann sich die Sarkoidose aber auch in anderen Körperregionen zeigen, etwa im Bereich von Knochen, Nieren, Ohrspeichel- und Bauchspeicheldrüse sowie im zentralen Nervensystem. Dementsprechend vielfältig sind die möglichen Symptome von Morbus Boeck.

Die Sarkoidose zählt zu den sogenannten granulomatösen Erkrankungen. Ihr klassisches Merkmal sind kleine, knötchenförmige Gewebeveränderungen. Diese sogenannten Granulome sind unter dem Mikroskop sichtbar. Warum sie sich bilden, ist bislang unklar. Mediziner vermuten aber, dass erbliche Faktoren in Verbindung mit bestimmten Umweltfaktoren eine Sarkoidose verursachen können.

Sarkoidose: Häufigkeit

In Westeuropa haben schätzungsweise etwa 40 bis 50 von 100.000 Menschen eine Sarkoidose. Die höchsten Erkrankungsraten treten in Schweden und Island sowie bei Menschen mit dunkler Hautfarbe in den USA auf.

Die Erkrankung tritt meist zwischen 20 und 40 Jahren auf. Frauen sind dabei etwas häufiger betroffen als Männer.

Manchmal erkranken auch Kinder an Sarkoidose. Eine Erkrankung bis zum vierten Lebensjahr wird als "frühkindliche Sarkoidose" bezeichnet (early onset sarcoidosis, EOS oder Blau-Syndrom). Dieser seltenen Krankheitsform liegt meist ein genetischer Defekt zugrunde.

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Sarkoidose: Symptome

Nach dem Verlauf unterscheiden Mediziner akute und chronische Sarkoidose. Welche Symptome auftreten, hängt von der Verlaufsform, dem Schweregrad der Erkrankung (Sarkoidose-Stadien: siehe unten) sowie den betroffenen Organen ab.

Akute Sarkoidose

Die akute Sarkoidose macht nur etwa zehn Prozent aller Krankheitsfälle aus. Die Symptome treten hier recht plötzlich auf. Meist ist die Lungen betroffen. Typisch sind:

  • Fieber und Abgeschlagenheit
  • schmerzhafte, anfangs rote, später bläuliche Knötchen unter der Haut (Erythema nodosum)
  • schmerzhafte Gelenkschwellung und -entzündung (Arthritis)
  • Lymphknotenschwellung im Bereich beider Lungen

Das Erythema nodosum tritt bei Sarkoidose bevorzugt an den Vorderseiten der Unterschenkel auf. Die Stellen sind sehr schmerzempfindlich. In schweren Fällen kann schon das Gewicht von Kleidung auf der betroffenen Haut Schmerzen verursachen. Die Hautknötchen bilden sich durch eine Entzündung des Fettgewebes direkt unter der Haut. Mögliche Ursachen dieser Entzündung sind neben Sarkoidose zum Beispiel auch Infektionskrankheiten und Autoimmunerkrankungen.

Die Gelenkentzündung (Arthritis) bei akuter Sarkoidose betrifft meist die Sprunggelenke. Die Patienten haben vor allem Schmerzen beim Gehen. Es können sich auch mehrere Gelenke gleichzeitig entzünden (Polyarthritis).

Geschwollene Lymphknoten finden sich bei akuter Sarkoidose im Bereich der Hauptbronchien und der großen Lungengefäße. Dieses Areal wird als Lungenhili bezeichnet. Die Schwellungen verursachen meist keinerlei Beschwerden, sind aber auf dem Röntgenbild klar zu erkennen. Lymphknotenschwellungen sind ein sehr typisches Merkmal des Morbus Boeck. Bei Menschen, die sonst keinerlei Symptome haben, wird Morbus Boeck häufig allein durch diese „bihilären Lymphadenopathie“ im Röntgenbild erkannt.

Typische Sarkoidose-SymptomeSarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, bei der sich das Gewebe knötchenförmig verändert. Meist ist die Lunge btroffen, es können aber auch Symptome an anderen Organen entstehen.

Die drei Symptome Lymphknotenschwellung im Lungenbereich, Erythema nodosum und Gelenkentzündung (Arthritis) werden auch als "Trias der akuten Sarkoidose" oder Löfgren-Syndrom bezeichnet.

Chronische Sarkoidose

Etwa 90 Prozent aller Patienten haben eine chronische Sarkoidose. Lunge und benachbarte Lymphknoten sind am häufigsten betroffen. Manche Patienten merken nichts von ihrer Erkrankung. Bei anderen entwickeln sich die Beschwerden langsam und schleichend: zunehmender Reizhusten und belastungsabhängige Atemnot. Auf dem Röntgenbild sieht man die geschwollenen Lymphknoten an den sogenannten Lungenhili (bihiläre Lymphadenopathie). Weitere chronische-Sarkoidose-Anzeichen sind:

  • leichtes Fieber
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit
  • Gelenkschmerzen (Arthritis)

Prinzipiell kann Morbus Boeck den gesamten Körper (extrapulmonale Sarkoidose) betreffen. Daraus resultieren unterschiedliche Symptome:

Sarkoidose - Augen: Hier können verschiedene Strukturen im Auge betroffen sein. Bei vielen Patienten sind etwa sowohl die Regenbogenhaut (Iris) als auch der sogenannte Ziliarkörper (an diesem ist die Augenlinse aufgehängt) entzündet. Diese sogenannte Iridozyklitis verursacht Augenschmerzen, die vor allem bei hellem Licht auftreten.

Sarkoidose - Haut: Eine chronische Sarkoidose im Bereich der Haut löst bestimmte Hautveränderungen aus. Dazu zählen die oben erwähnten schmerzhaften Knötchen unter der Haut (Erythema nodosum). Sie bilden sich bevorzugt an der Vorderseite der Unterschenkel. Außerdem können sich bläulich-lila Hautverfärbungen entwickeln (Lupus pernio), besonders an den Wangen und der Nase.

Sarkoidose - Herz: Das Herz kann unterschiedlich schwer von der Sarkoidose betroffen sein. Ein leichter Befall verursacht keinerlei Beschwerden. Ein ausgeprägter Befall kann eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Es besteht dann die Gefahr ernsthafter Komplikationen!

Sarkoidose - Nieren: Sind die Nieren von der Sarkoidose betroffen, scheiden sie vermehrt Kalzium mit dem Harn aus. Das begünstigt die Bildung von Nierensteinen.

Sarkoidose - Zentrales Nervensystem (Neurosarkoidose): Seltener greift die Sarkoidose auf das Zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) über. Das verursacht oft einen Ausfall von Hirnnerven. Betrifft das etwa den Gesichtsnerv (Nervus fazialis), ist in der Folge die Gesichtsmuskulatur gelähmt. Diese Fazialisparese tritt meist einseitig auf. Eine Neurosarkoidose führt auch oft zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Mögliche Symptome sind hier zum Beispiel Kopfschmerzen und Erbrechen.

Sarkoidose - Leber und Milz: Eine Sarkoidose an Leber und der Milz verursacht in der Regel keinerlei Symptome. Die Funktion der beiden Organe wird praktisch nicht eingeschränkt. Nur die Leberwerte im Blut können infolge einer Sarkoidose der Leber erhöht sein.

Heerfordt-Syndrom: Bei dieser Sonderform der Sarkoidose treten Entzündungen der Ohrspeicheldrüsen und der Augen sowie geschwollene Brustlymphknoten auf. Zudem kann eine Gesichtshälfte gelähmt sein (Fazialisparese).

Jüngling-Syndrom (Morbus Jüngling): Der Begriff bezeichnet eine chronische Sarkoidose im Bereich der Knochen. Sehr oft sind dabei die Fingerknochen betroffen.

Die seltene frühkindliche Sarkoidose (EOS) löst weniger deutliche Symptome aus als die Erkrankung im Erwachsenenalter. Die möglichen Anzeichen reichen von Fieber, Appetitlosigkeit und Müdigkeit bis hin zu einer Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie).

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Sarkoidose: Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der Sarkoidose ist unklar. Wahrscheinlich spielen aber verschiedene Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine Rolle.

Bei den meisten Patienten betrifft die Sarkoidose die Lunge. Forscher vermuten deshalb, dass das Einatmen schädlicher Substanzen das Immunsystem in der Lunge aktiviert. Dieses könnte dann die Bildung der Gewebeknötchen (Granulome) auslösen. Als mögliche schädliche Substanzen kommen zum Beispiel Pollen, Viren, Bakterien, Pilzsporen, Staub und Chemikalien in Frage.

Zusätzlich sind genetische Faktoren an der Entstehung von Morbus Boeck beteiligt. Wissenschaftler haben Gene im Erbgut des Menschen entdeckt, die bei einer Sarkoidose häufig verändert sind. Manche dieser Genveränderungen (Mutationen) können nachweislich das Risiko für eine Sarkoidose erhöhen. Vermutlich haben die betroffenen Gene etwas mit der Funktion des Immunsystems zu tun. Durch ihre Mutation werden wahrscheinlich bestimmte Stoffe, die für das Immunsystem wichtig sind, nicht mehr oder in veränderter Form gebildet. Das könnte eine Fehlkommunikation im Immunsystem auslösen - mit der Folge, dass Sarkoidose entsteht.

Video: Sarkoidose (August 2020).

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