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RS-Virus

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Das RS-Virus (respiratory syncytial virus, RSV) löst Atemwegserkrankungen aus. Betroffen sind vor allem Kleinkinder, aber auch Erwachsene können erkranken. Die Symptome können harmlos sein und einer einfachen Erkältung gleichen. Schwere Verläufe können tödlich enden. In den meisten Fällen heilt die Krankheit aber von allein innerhalb weniger Tage aus. Lesen Sie hier alles Wichtige über das RS-Virus.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. J21J12J20B97ArtikelübersichtRS-Virus

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

RS-Virus: Beschreibung

Der Begriff RS-Virus (oder auch RSV) steht für die englische Bezeichnung respiratory syncytial virus: Es handelt sich dabei um ein Virus, das im Atemtrakt (Respirationstrakt) zur Verschmelzung von Zellen führt (Synzytien). Der Erreger ähnelt dem Grippe-Virus und kommt weltweit vor. Es lässt sich eine saisonale Häufung der Krankheitsausbrüche beobachten: In Europa erkranken die meisten Menschen zwischen November und April am RS-Virus, am häufigsten im Januar und Februar.

RS-Virus: Baby und Kleinkind häufig betroffen

Prinzipiell können Menschen jedes Alters durch das RS-Virus krank werden. Häufiger trifft es aber Kleinkinder. Eine Infektion mit dem RS-Virus ist die häufigste Ursache für die Krankenhaus-Behandlung einer Atemwegserkrankung von Säuglingen und Kleinkindern. Vor allem bei Frühgeborenen und Säuglingen kann die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen. Bei Frühgeborenen mit Lungenschaden oder Kindern mit Herzfehlern verläuft die RSV-Infektion in einem von 100 Fällen sogar tödlich.

Etwa 50 bis 70 Prozent aller Kinder erkranken während ihres ersten Lebensjahres mindestens einmal an einer RS-Virus-Infektion. Nach dem zweiten Lebensjahr haben nahezu alle Kinder bereits eine RS-Virus-Infektion durchgemacht. Dabei sind Mädchen und Jungen gleich häufig betroffen. Das Risiko für einen schweren Verlauf ist bei Jungen aber doppelt so groß wie bei Mädchen.

RS-Virus: Hochinfektiös

Das RS-Virus gilt als hochinfektiös. Das bedeutet, dass man sich sehr leicht bei Erkrankten anstecken kann. Tritt das RS-Virus im Krankenhaus auf, ist die Ansteckungsgefahr für Patienten und Personal auf der Station hoch. Deshalb sollten Patienten mit RS-Virus isoliert werden, um die Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden. Das RS-Virus gilt als häufigste im Krankenhaus auf Kinder übertragene Infektion.

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RS-Virus: Symptome

Die Symptome einer RS-Virus-Infektion können von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ausfallen. Erwachsene, die ansonsten gesund sind, haben häufig keine Beschwerden. Dann sprechen Mediziner von einer asymptomatischen oder auch klinisch stummen RSV-Infektion. Außerdem kann eine RS-Virus-Erkrankung mild verlaufen. Dann haben Patienten erkältungsähnliche Symptome wie

  • Schnupfen
  • trockenen Husten
  • Niesen
  • Halsschmerzen

RSV-Bronchiolitis

Vor allem bei Kleinkindern kann eine RSV-Infektion neben den oberen Atemwegen (Nase, Mund, Rachen) auch die unteren Atemwege (Bronchien und Lungen) betreffen. Man spricht dann von einer RSV-Bronchiolitis. Häufig treten deren Symptome ein bis drei Tage nach Beginn der Erkrankung auf: Neben Fieber kommt es zu Atembeschwerden, die sich wie folgt äußern können:

  • beschleunigte Atmung
  • Rasselgeräusche und Giemen beim Atmen hörbar
  • Husten mit Auswurf
  • schweres Atmen mit Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (Aufstützen der Arme)

Das Krankheitsbild kann an Keuchhusten erinnern. Hinzu kommt ein hoher Flüssigkeitsverlust. Er äußert sich durch:

  • trockene, kalte und blasse Haut
  • eingesunkene Fontanelle bei Kindern unter 18 Monaten

Außerdem lassen sich allgemeine Krankheitsanzeichen beobachten wie Kraftlosigkeit, Krankheitsgefühl, Appetitmangel und Trinkverweigerung. Die Symptome einer RSV-Infektion können sich innerhalb weniger Stunden stark verschlimmern. Bei Frühgeborenen kann es wiederholt zu Atemstillständen (Apnoen) kommen.

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RS-Virus: Ursachen und Risikofaktoren

Das RS-Virus besteht aus einer Proteinhülle, die die Erbinformation (RNA) umschließt. Es vermehrt sich in den oberflächlichen Zellen der Schleimhäute, welche die Atemwege auskleiden. In der Virushülle ist ein spezielles Eiweiß verankert, das Fusions-(F-)-Protein. Es bewirkt eine Verschmelzung von Zellen (Synzytienbildung) in den befallenen Schleimhäuten. Diese Synzytien sowie die einwandernden Abwehrzellen schaden den Schleimhäuten. Die abgestorbenen Zellen verlegen dann die Atemwege.

RS-Virus: Übertragung

Das RS-Virus kommt nur bei Menschen vor. Es wird über Tröpfcheninfektion zum Beispiel durch Niesen oder Husten übertragen, wenn die Viren in die Nasenschleimhäute oder Augenbindehäute gelangen. Auch eine Schmierinfektion zum Beispiel über kontaminiertes Spielzeug oder Kleidung ist möglich. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt zwei bis acht Tage, im Durchschnitt fünf Tage. Ein Patient ist etwa drei bis acht Tage ab dem ersten Tag nach der RSV-Infektion ansteckend (infektiös).

RS-Virus: Risikofaktoren

In einigen Fällen verläuft eine Infektion mit RS-Viren schwer. Davon betroffen sind vor allem Personen, die zu folgenden Risikogruppen gehören:

  • Frühgeborene (haben keinen Nestschutz durch Antikörper der Mutter)
  • Kinder mit Mukoviszidose (Zystischer Fibrose), Lungenerkrankung (bronchopulmonale Dysplasie) oder angeborenen Herzfehlern
  • Erwachsene, die an Herz- oder Lungenerkrankungen leiden
  • Menschen, deren Immunsystem durch eine Krankheit oder durch Medikamente geschwächt ist (wie AIDS-Patienten, Spendeorgan-Empfänger, Patienten mit bösartigen Krankheiten des Blutes)
  • Menschen mit Trisomie 21 („Down-Syndrom“)
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RS-Virus: Untersuchungen und Diagnose

Sollte Ihr Kind grippeähnliche Symptome, Atemnot oder hohes Fieber haben, suchen Sie mit ihm den Kinderarzt auf. Dieser befragt Sie zunächst ausführlich nach der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei stellt er Ihnen unter anderem folgende Fragen:

  • Seit wann hat Ihr Kind Fieber?
  • Hatte Ihr Kind, seitdem es krank ist, Atemnot?
  • Trinkt und isst Ihr Kind ausreichend?
  • Leidet Ihr Kind an einer Grunderkrankung wie zum Beispiel einem Herzfehler oder Mukoviszidose?

RS-Virus: Körperliche Untersuchung

Anschließend untersucht der Arzt seinen Patienten gründlich. Dabei leuchtet er mit einer Lampe in den Mund und in die Ohren, um mögliche Rötungen des Rachens oder der Ohren festzustellen. Anschließend tastet er die Lymphknoten am Hals nach möglichen Vergrößerungen ab und hört dann mit einem Stethoskop die Lunge ab. Eine RSV-Bronchiolitis kann im Stethoskop als Knistern und Giemen hörbar sein. Dann schaut der Arzt, ob die Fingernägel oder Lippen des Patienten bläulich verfärbt sind (Zyanose) - ein Anzeichen für zu wenig Sauerstoff im Blut (Hypoxämie).

Video: RS-Virus. Wie hört sich Pseudokrupp-Husten an? So geht es Tom heute! (August 2020).

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