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Morbus Scheuermann

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Morbus Scheuermann ist eine deformierende Rückenerkrankung. Vor knapp 100 Jahren beschrieb der dänische Radiologe und Orthopäde Holger Werfel Scheuermann als Erster das Krankheitsbild, bei dem es im Jugendalter zu einer charakteristischen Verkrümmung der Wirbelsäule kommt. Je nach Ausprägung bekommen die Betroffenen unter Umständen einen Buckel und leiden als Erwachsene unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Mit einer frühzeitigen Therapie kann man die Symptome der Scheuermann-Krankheit jedoch meist gut in den Griff bekommen. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Morbus Scheuermann.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. M42ArtikelübersichtMorbus Scheuermann

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Morbus Scheuermann: Beschreibung

Morbus Scheuermann bezeichnet eine relativ häufige jugendliche Wachstumsstörung der Wirbelsäule, wobei diese meistens auf Brusthöhe auftritt (thorakal), seltener im Lendenbereich (lumbal). Jungen sind davon deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Die Ausprägung der Scheuermann-Krankheit unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Aufbau der Wirbelsäule

Um zu verstehen, was bei Morbus Scheuermann geschieht, muss man den Aufbau der Wirbelsäule kennen. Grob vereinfacht kann man sie sich als übereinandergestapelte Würfel (Wirbelkörper) vorstellen, zwischen denen elastische Puffer (Bandscheiben) liegen. Der Stapel ist dabei keineswegs gerade. Von der Seite betrachtet hat er eine doppelte „S“-Form. Wie jede Struktur des menschlichen Körpers muss auch die Wirbelsäule im Kindes- und Jugendalter synchron mitwachsen. Beim Morbus Scheuermann geschieht dies jedoch ungleichmäßig, sodass die Wirbelkörper eine falsche Form annehmen.

Wie funktioniert Morbus Scheuermann?

Auf das Würfelmodell bezogen bedeutet das, dass die in Richtung Brust/Bauch blickende (ventrale) Vorderkante des Würfels langsamer wächst als die nach hinten gerichtete (dorsale) Kante. Dadurch nimmt der Wirbelkörper die Form eines Keils an, der mit der Spitze zur Bauchseite deutet.

Deshalb ist im Rahmen des Morbus Scheuermann auch von sogenannten Keilwirbeln die Rede. Wenn nun mehrere solcher Keilwirbel übereinander liegen, stellt sich dadurch eine krankhafte Krümmung der Wirbelsäule ein. Zwar ist eine leichte, nach hinten gerichtete Krümmung (Kyphose) im Brustwirbelbereich normal, bei der Scheuermann-Krankheit nimmt sie jedoch oft ein zu großes Ausmaß an. In solchen Fällen spricht man auch von einer Hyperkyphose.

Wenn der Lendenwirbelbereich betroffen ist, bewirkt Morbus Scheuermann dort eine Abschwächung der natürlichen Vorwärtskrümmung (Lordose) der Wirbelsäule, in seltenen Fällen ist die Ausprägung der Erkrankung so stark, dass auch hier eine Kyphose entsteht. Neben der nach hinten gerichteten Krümmung kann es bei den Betroffenen auch zu einer Seitwärtskrümmung der Wirbelsäule kommen, die man Skoliose nennt.

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Morbus Scheuermann: Symptome

Die Scheuermann-Krankheit kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manchmal verursacht sie zunächst keinerlei spürbaren Beschwerden und ist nur ein Zufallsbefund. In schwereren Fällen dagegen leiden die Betroffenen an:

  • einem ausgeprägten Buckel beziehungsweise Rundrücken. Dabei fallen meist auch die Schultern nach vorne.
  • Bewegungseinschränkungen, vor allem beim Versuch, den Oberkörper zu drehen.
  • Schmerzen, worüber etwa ein Fünftel der Jugendlichen klagt. Die Beschwerden entwickeln sich oft erst im weiteren Verlauf.
  • starken psychischen Belastungen aufgrund des ästhetischen Aspekts.

Führen Deformierungen der Wirbelsäule zu einer stark gekrümmten Körperhaltung, können durch Morbus Scheuermann auch Atemprobleme entstehen. Spätfolgen der Krankheit können neben Schmerzen und Haltungsschäden auch neurologische Symptome wie etwa Missempfindungen an bestimmten Körperstellen sein. Diese entstehen durch Druck auf die Nervenbahnen, die für die Empfindungsmeldungen zuständig sind. Morbus-Scheuermann-Patienten neigen zudem häufiger zu Bandscheibenvorfällen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Diese erst später auftretenden Komplikationen fasst man unter dem Begriff „Post-Scheuermann-Syndrom“ zusammen.

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Morbus Scheuermann: Ursachen und Risikofaktoren

Was letztlich einen Morbus Scheuermann auslöst, weiß man nicht genau. Es scheint allerdings eine erbliche Komponente dabei zu geben, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. So kann etwa eine generelle Minderbelastbarkeit der Wirbelkörper vorliegen, sowie angeborene Anomalitäten an deren Randleisten. Auch Vitaminmangelsyndrome können eine Rolle spielen.

Des Weiteren gibt es bestimmte Risikofaktoren, die den Morbus Scheuermann begünstigen:

  • langes, gebeugtes Sitzen mit einer vermehrten Biegebelastung für die Wirbelsäule.
  • eine schwache Rückenmuskulatur.
  • Sportarten, bei denen es zu starken Stauch- und Drehbelastungen für die Wirbelsäule kommt (Kampfsport, Ballsport, Laufen auf hartem Untergrund).

Durch diese Faktoren werden vor allem die Wirbelkörper der unteren Brustwirbelsäule verstärkt an ihrer Vorderseite belastet. Unter Umständen entstehen dann Schäden an den Boden- und Deckplatten, sodass die Wachstumszonen der Wirbel beeinträchtigt werden. Die Folge ist ein ungleichmäßiges Wachstum - es entwickelt sich das Vollbild eines Morbus Scheuermann.

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Morbus Scheuermann: Untersuchungen und Diagnose

Zunächst muss der Arzt wichtige Fragen zur Krankengeschichte stellen, um die Symptome einzugrenzen und Erkrankungen mit einem ähnlichen Erscheinungsbild wie Morbus Scheuermann ausschließen zu können. Dabei ist auch wichtig, wann und in welchem Bereich die Schmerzen eingesetzt haben, sofern welche vorliegen. Auch der Schmerzcharakter (dumpf, stechend, konstant oder bewegungsabhängig) ist wichtig. Zugleich fahndet der Arzt nach Funktionseinschränkungen und neurologischen Symptomen. Wichtige Hinweise zu krankheitsbegünstigenden Faktoren können Fragen zu beruflichen, sportlichen und Freizeitaktivitäten geben.

Daran schließt sich die körperliche Untersuchung an, bei der bereits die Wirbelsäulenform, Beweglichkeit und Schmerzintensität beurteilt werden können. So lässt sich auch ein Schweregrad des Morbus Scheuermann bestimmen. Das klinische Bild wird dann mit apparativer Diagnostik (vor allem Röntgenuntersuchungen) bestätigt. Der sogenannte Cobb-Winkel, den man aus den Röntgenbildern anhand der Wirbelkörperlagen bestimmen kann, beschreibt das Ausmaß der Krümmung. Dieser Wert ist auch für die Verlaufskontrolle sehr wichtig.

In Einzelfällen können zudem Kernspin (MRT)- und Computertomographie (CT) eingesetzt werden.

Gelegentlich stellt sich eine Scheuermann-Krankheit zufällig im Rahmen einer andern Untersuchung heraus, etwa bei einem Lungenröntgen.

Video: Morbus Scheuermann, Hohlkreuz & Rückenschmerzen: Wieso habe ich einen Rundrücken? Was kann ich tun? (August 2020).

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