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Morbus Reiter

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Morbus Reiter ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke. Die Bindehaut am Auge und die Harnröhre sind ebenfalls betroffen. Morbus Reiter entwickelt sich als Folge eines bakteriellen Infektes. Die Krankheit heilt in vielen Fällen von selbst aus. Bei einigen Betroffenen bleibt sie aber Jahre- oder Jahrzehntelang bestehen. Lesen Sie hier alles über die Ursachen, Symptome und die Behandlung von Morbus Reiter.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. M02ArtikelübersichtMorbus Reiter

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Morbus Reiter: Beschreibung

Morbus Reiter (Reiter-Syndrom, Reiter-Krankheit) ist eine spezielle Form einer „reaktiven Arthritis“. Eine reaktive Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die sich nach einem bakteriellen Infekt („reaktiv“) entwickelt. Beim Morbus Reiter sind neben den Gelenken auch die Harnröhre, die Bindehäute der Augen und teilweise auch die Haut betroffen.

Ein bis vier Prozent der Menschen, die an einem Magen-Darm-Infekt oder an einem Infekt der Harnwege erkranken, entwickeln daraufhin einen Morbus Reiter.

Nach der Bekämpfung des bakteriellen Infektes reagiert das Immunsystem fälschlicherweise weiter mit den übrig gebliebenen Eiweißen der getöteten Bakterien. Immunzellen gehen mit den Eiweißen Verbindungen ein und rufen an verschiedenen Orten im Körper Entzündungen hervor. Die Entzündungen treten meistens nur vorübergehend auf. Manchmal entwickelt sich aber eine chronische Erkrankung, die neben den Gelenken auch die Wirbelsäule befällt.

Menschen jeden Alters können an Morbus Reiter erkranken. Weißhäutige Männer zwischen 20 bis 40 Jahren sind allerdings am häufigsten betroffen. In den westlichen Ländern liegt die Zahl der Neuerkrankungen etwas über dem weltweiten Durchschnitt von etwa drei Personen pro 100.000.

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Morbus Reiter: Symptome

Meistens treten die Symptome bei Morbus Reiter etwa ein bis zwei Wochen nach einer Infektion auf. Es entzünden sich ein oder mehrere Gelenke. Besonders häufig sind die Knie- und Sprunggelenke betroffen. Sie schmerzen, sind gerötet und überwärmt. In einigen Fällen ist auch das Großzehengelenk oder ein ganzer Zeh betroffen.

Zusätzlich zu den Gelenken können sich aber auch Sehnen und Faszien im Körper entzünden. Besonders häufig ist die Achillessehne an der Ferse betroffen. Sie schmerzt besonders bei Bewegungen des Fußes. Entzündet sich die Sehnenplatte an der Fußsohle, ist das Gehen mit starken Schmerzen verbunden. Nächtliche Kreuzschmerzen weisen auf eine Entzündung des Kreuz-Darmbein-Gelenkes hin. Einige Menschen leiden unter Allgemeinsymptomen wie Fieber, Mattigkeit und Gewichtsverlust.

Des Weiteren entwickelt sich häufig eine Bindehautentzündung der Augen. Sie tritt ein- oder beidseitig auf und kann in schweren Fällen sogar zur Erblindung führen.

Fieber und Schmerzen beim Wasserlassen

Eine Entzündung der Harnröhre äußert sich in häufigem Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen. Manchmal tritt Eiter aus der Harnröhre aus. Bei Frauen können sich zusätzlich die Harnblase, die Eileiter oder der Uterus entzünden. Dann besteht die Gefahr, unfruchtbar zu werden.

Hautveränderungen

Bei einem Morbus Reiter kann es zu unterschiedlichen Hautveränderungen kommen. Häufig treten sie an der Vorhaut des Penis auf. Es entstehen kleine, rundliche Rötungen mit weißlichem Randsaum.

Andere häufig befallene Hautstellen beim Reiter-Syndrom sind die Hand- und Fußsohlen, sowie die Nägel. Die Hautveränderungen können einer Schuppenflechte (Psoriasis) ähneln, als gerötete Knoten auftreten oder zu einer Verhornung der Haut führen. Die Mundschleimhaut ist teilweise ebenfalls betroffen.

Vor allem unter den Fußsohlen und in der Handinnenfläche können sich bräunliche Verfärbungen bilden. Im Verlauf weniger Tage verdicken sich diese Hautbereiche und es entstehen krustenartige, manchmal beulenartige Erhebungen. In diesen Bläschen oder Beulen kann sich Flüssigkeit ansammeln. Platzen die Bläschen auf, entwickelt sich auf der Haut eine bräunliche Kruste.

Häufig kommt es zu einer verstärkten Speichelbildung und zu Ablagerungen auf der Zunge. Im Verlauf mehrerer Tage entsteht aus den Ablagerungen dann eine sogenannte Landkartenzunge, bei der sich bräunlich oder weiß verfärbte Stellen mit noch normal aussehenden Stellen abwechseln.

Die Hälfte der Patienten hat auch eine leichte Entzündung der Nieren, wogegen schwerere Nierenerkrankungen selten sind. Es besteht die Gefahr, dass sich der Herzmuskel entzündet. Dies wiederum löst teilweise Herzrhythmusstörungen aus.

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Morbus Reiter: Ursachen und Risikofaktoren

Wie das Reiter-Syndrom genau entsteht, ist unklar. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem auf Bakterienbestandteile in der Gelenkflüssigkeit reagiert. Kommt beispielsweise die Gelenksmembran mit den Oberflächeneiweißen von bestimmten Bakterien in Kontakt, reagiert sie mit einer Entzündungsantwort.

Die Betroffenen sind in über der Hälfte der Fälle genetisch vorbelastet. Bei ihnen findet sich das sogenannte HLA-B27-Molekül im Blut, das für einige rheumatische Erkrankungen verantwortlich ist. Weißhäutige Menschen sind ebenfalls häufiger betroffen.

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Morbus Reiter: Untersuchungen und Diagnose

Einen wichtigen Hinweis auf Morbus Reiter liefert die Krankengeschichte. Sind die Gelenksentzündungen nach einem Harnwegs- oder Darminfekt aufgetreten, erhärtet das den Verdacht auf die Erkrankung. Manchmal berichten Betroffene über einen neuen Sexualpartner innerhalb der letzten drei Monate vor den Gelenkschmerzen. Sind in der Familie rheumatische Erkrankungen bekannt, steigt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um das Reiter-Syndrom handelt.

Einen besonders wichtigen Hinweis auf die Erkrankung liefert der Nachweis des HLA-B27-Moleküls im Blut. Des Weiteren wird untersucht, ob die Leber- und Nierenfunktion durch das Reiter-Syndrom eingeschränkt sind.

Röntgenuntersuchungen der betroffenen Gelenke und der Wirbelsäulenabschnitte geben genaueren Aufschluss über die Ausprägung der Gelenkschäden durch Morbus Reiter. Um die Diagnose zu sichern muss ein sogenannter Harnwegsabstrich erfolgen. Hier lassen sich häufig die krankheitsverursachenden Bakterien nachweisen. Auch der Urin wird zur Diagnose des Reiter-Syndroms auf Bakterien, Entzündungszellen und Nierenschäden untersucht.

Manchmal muss ein betroffenes Gelenk punktiert werden, um den Erguss, der sich bei der Entzündung bildet, genauer untersuchen zu können. Ein EKG und Echokardiogramm (Herzultraschall) sollen ausschließen, dass die Autoimmunreaktion auch das Herz betroffen hat.

Video: Morbus Reiter - Rheumatische Erkrankungen (August 2020).

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