Krankheiten

Morbus Menière

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Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, die vermutlich durch einen Überdruck im Innenohr entsteht. Die drei wichtigsten Symptome sind unvorhersehbare Attacken plötzlichen Drehschwindels, Ohrensausen (Tinnitus) und eine Verminderung des Hörvermögens. Morbus Menière ist grundsätzlich zwar nicht heilbar, jedoch können die Schwere und die Häufigkeit der Attacken medikamentös vermindert werden. Informieren Sie sich hier über Symptome und Therapiemöglichkeiten des Morbus Menière.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. H81ArtikelübersichtMorbus Menière

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Morbus Menière: Beschreibung

Der französische Arzt Prosper Menière hat die nach ihm benannte Erkrankung Morbus Menière bereits im Jahr 1861 beschrieben. Im Jahre 1938 berichteten die Ärzte Hallpike und Yamakawa über vergrößerte Räume im Innenohr bei Morbus Menière-Patienten, die vermutlich mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Im Innenohr befinden sich die Gehörschnecke und das Gleichgewichtsorgan sowie zwei verschiedene Flüssigkeiten - darunter die sogenannte Endolymphe. Beim Morbus Menière ist nach derzeitigem Kenntnisstand die Resorption dieser Flüssigkeit im Innenohr gestört. Dadurch sammelt sich zu viel Endolymphe an. Da das Innenohr von einer häutigen Membran ausgekleidet ist, kann sich die Flüssigkeit nur begrenzt ausdehnen. Die Folge ist eine Drucksteigerung im Innenohr, welche die Gehörschnecke an einer bestimmten Stelle schädigt (siehe Ursachen und Risikofaktoren).

Schätzungsweise sind rund zehn Prozent aller Schwindelanfälle durch Morbus Menière bedingt. Oft tritt die Menière-Krankheit zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Aber auch Menschen im jungen Erwachsenenalter erkranken am Morbus Menière. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Insgesamt leiden rund eine halbe Millionen Menschen in Europa an Morbus Menière.

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Morbus Menière: Symptome

Typisch für den Morbus Menière ist der in Attacken auftretende Drehschwindel in Kombination mit Ohrensausen (Tinnitus) und einseitigem Hörverlust. Bei einem Drehschwindel haben die Betroffenen das Gefühl, die Umgebung drehe sich sehr schnell um sie (ähnlich wie bei einer Fahrt auf dem Karussell). Der Schwindel kann so stark sein, dass sich die Betroffenen hinlegen müssen. Auch durch den Schwindel bedingte Stürze sowie Übelkeit mit Erbrechen können vorkommen. Der Drehschwindel wird von den Betroffenen als das belastendste der Morbus Menière-Symptome beschrieben, da dieser Schwindel völlig ohne Vorwarnung auftritt und für Stunden bis Tage anhalten kann.

Hinzu kommen Tinnitus und Schwerhörigkeit, die vor allem tiefe Töne betrifft. Oftmals empfinden Betroffene während einer Morbus Menière-Attacke auch Druck auf dem Ohr. Während zu Beginn der Erkrankung zumeist nur ein Ohr betroffen ist, kann sich der Morbus Menière im weiteren Verlauf auch auf das zweite Ohr ausdehnen.

Zusätzlich zu diesen Hauptcharakteristika des Morbus Menière werden die Betroffenen oft blass und schwitzen. Die Augen können anfangen zu zittern (Nytagmus).

Die Attacken der Menière-Krankheit kommen plötzlich und unvermittelt. Meistens dauern sie zwischen zehn und zwanzig Minuten, können jedoch auch Stunden anhalten. Dann hören die Attacken meist von selbst wieder auf. Da die Morbus Menière-Attacken aufgrund des Drehschwindels äußerst belastend sind und vollkommen unvorhersehbar auftreten, können sich psychische Probleme wie Angststörungen und Depression entwickeln. Dadurch kann ein Teufelskreis zwischen den Anfällen und der psychischen Lage des Betroffenen entstehen. Die Belastbarkeit in Stresssituationen ist häufig in der Folge reduziert.

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Morbus Menière: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache für den Morbus Menière ist nach derzeitigem Kenntnisstand eine Störung im Innenohr. Diese Annahme basiert auf der Tatsache, dass der Großteil der Betroffenen vergrößerte Räume im Innenohr hat. Dennoch ist bis heute unklar, ob dieser Befund auch ursächlich mit der Menière-Krankheit zusammenhängt.

Das Innenohr ist für den Hör- und Gleichgewichtssinn verantwortlich. Es besteht aus einem komplizierten Gangsystem, das mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten (Endolymphe und Perilymphe) gefüllt ist. Diese stehen in einem sensiblen Gleichgewicht und sind für die Funktion des Organs essentiell.

Ärzte nehmen an, dass Morbus Menière durch einen Flüssigkeitsüberschuss (Hydrops) der Endolymphe verursacht wird. Der Überschuss kann durch gestörten Ab- oder Zufluss entstehen. Durch die vermehrte Endolymphe entsteht ein hoher Druck im Innenohr, wodurch die sogenannte Reissner-Membran immer wieder einreißt - der vermutete Auslöser für Morbus Menière-Attacken. Die Reissner-Membran ist eine dünne Zellmembran im Inneren der Gehörschnecke. Sie ist mit Sinneszellen für Hören und Gleichgewicht ausgestattet und trennt die Endo- und Perilymphe voneinander. Durch Risse in der Membran vermischen sich die beiden Flüssigkeiten (Endo- und Periplymphe), wodurch das feine Gleichgewicht der Salze (Elektrolyte) in diesen Flüssigkeiten gestört wird. Der Riss führt auch zu einer plötzlichen Änderung der Druckverhältnisse. Insgesamt folgt daraus eine Fehlfunktion der Sinneszellen, welche die Symptome des Morbus Menière erklären könnte.

Als Ursache für den Flüssigkeitsüberschuss kommen unter anderem die seltene Entzündung des Innenohres (Labyrinthitis) oder eine Gehirnerschütterung in Frage. Zumeist bleibt die Ursache jedoch unklar.

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Morbus Menière: Untersuchungen und Diagnose

Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Morbus Menière ist der Hausarzt. Dieser wird je nach Symptome den Betroffenen gegebenenfalls an den HNO-Arzt oder den Neurologen überweisen. Viele Kliniken haben auch spezielle „Schwindelzentren“, die besonders bei schweren Fällen Ansprechpartner sind.

Beim Arztgespräch wird der Arzt sich zunächst über Ihre Beschwerden und eventuelle Vorerkrankungen erkundigen. Mögliche Fragen des Arztes könnten dabei sein:

  • Können Sie mir beschreiben, wie die Schwindelattacke bei Ihnen abläuft?
  • Ist der Schwindel auch von einem Tinnitus und Schwerhörigkeit auf diesem Ohr begleitet?
  • Wie lange dauert die Schwindelattacke?
  • Kann die Schwindelattacke durch eine bestimmte Bewegung provoziert werden, zum Beispiel durch eine Halsdrehung? (Dies spräche gegen einen Morbus Menière.)
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung sieht der Arzt mit einem sogenannten Otoskop auf das Trommelfell im Ohr. Die Schädigung bei Morbus Menière liegt zwar im Innenohr und ist damit nicht von außen sichtbar, dennoch sollten gleichzeitig bestehende Erkrankungen des Trommelfells und des Mittelohres durch Inspektion mit dem Otoskop ausgeschlossen werden.

Zu den Standarduntersuchungen in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde gehört außerdem die Stimmgabelprüfung nach Weber und Rinne. Dabei wird eine schwingende Stimmgabel auf den Scheitel oder hinter das Ohr aufgesetzt. Der Patient muss angeben, wann er den Ton der Stimmgabel nicht mehr hören kann, beziehungsweise ob er ihn wieder hören kann, wenn die Stimmgabel vor das Ohr gehalten wird (Rinne-Test). Außerdem soll er angeben, ob der Ton der auf dem Scheitel aufgesetzten Stimmgabel in einem der beiden Ohren lauter erscheint (Weber-Test). Durch diese Tests können Rückschlüsse gezogen werden, ob die Beschwerden durch eine Innenohr- oder Mittelohrschädigung entstehen.

Im Rahmen der Abklärung der Menière Krankheit wird außerdem überprüft, ob beim Patienten eventuell unwillkürliche Augenbewegungen („Nystagmus“) bestehen. Typisch für einen Morbus Menière sind zuckende Augenbewegungen zu einer Seite (horizontaler Nystagmus), die meist nur während des Anfalls auftreten.

Weitere Untersuchungen

Um eine bestehende Schwerhörigkeit genauer abschätzen zu können, muss ein Hörtest (Tonschwellenaudiometrie) durchgeführt werden. Bei Morbus Menière-Betroffenen ist das Hörvermögen auf einem Ohr deutlich abgeschwächt. Zudem ist insbesondere die Hörleistung für tiefe Frequenzen reduziert. Die Hörfähigkeit erholt sich in vielen Fällen nach dem Anfall, manchmal bleibt aber auch eine dauerhafte Hörschädigung bestehen.

Zusätzlich können Hirnströme, die nach einem Tonsignal auftreten (= akustisch evozierte Potenziale), analysiert werden, um die Verbindungen der Hörbahn im Gehirn zu überprüfen. Diese Verbindungen sind nicht betroffen beim Morbus Menière.

Symptome, wie sie bei der Menière-Krankheit auftreten, können in ähnlicher Weise auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Diese alternativen Ursachen der Morbus Menière-Symptome müssen ausgeschlossen werden. Dazu wird zum Beispiel der Hörnerv untersucht, um sicherzustellen, dass dieser nicht geschädigt ist. Um Bilder des Kopfes und des Innenohres zu machen, können die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT) genutzt werden. Damit können zum Beispiel Tumor- und Entzündungsprozesse ausgeschlossen werden.

Diagnosestellung Morbus Menière:

Anhand von vier Kriterien, die eine amerikanische Fachvereinigung von Spezialisten festgelegt hat, kann die Diagnose Morbus Menière gestellt werden. Wenn alle dieser vier Kriterien zutreffen, kann von einer Menière-Krankheit ausgegangen werden:

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