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Metabolisches Syndrom

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Ein Metabolisches Syndrom (im Englischen auch: deadly quartet) ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Kombination verschiedener Krankheiten und Symptome. Es wird heutzutage als der wichtigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf Erkrankungen gesehen. Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße sind in Deutschland und anderen Industrienationen die häufigste Todesursache. Lesen Sie hier, wie das Metabolische Syndrom erkannt und wie es behandelt werden kann.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. E78E11E88I10E66ArtikelübersichtMetabolisches Syndrom

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Metabolisches Syndrom: Beschreibung

Das Metabolische Syndrom fasst verschiedene Faktoren zusammen, die häufig zu Herz-Kreislauf Erkrankungen führen. Dazu gehören:

  • Übergewicht (Adipositas)
  • ein gestörter Fett- und Cholesterinhaushalt
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) und
  • ein krankhaft erhöhter Blutzuckerspiegel durch zu geringe Insulinwirkung

Diese vier Risikofaktoren werden durch den westlichen Lebensstil begünstigt und spielen bei der Entstehung von Gefäßerkrankungen eine wichtige Rolle. Im angloamerikanischen Sprachraum wird die Kombination dieser vier Teilerkrankungen des Metabolischen (Wohlstands-) Syndroms auch "deadly quartet" (tödliches Quartett) genannt. In Deutschland erkrankt nach Expertenschätzungen jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an einem Metabolischen Syndrom. Man geht davon aus, dass sich dadurch das Risiko, an den Folgen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls zu sterben, verdoppelt. Außerdem ist es ungefähr fünfmal wahrscheinlicher, dass ein Patient mit Metabolischem Syndrom eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) entwickelt, wenn er nicht aktiv gegen diese Risikofaktoren vorgeht.

Gerade in der westlichen Welt stellt das Metabolische Syndrom ein erhebliches Problem dar, da es große Gesundheitsrisiken vereint und auch hohe Kosten in den Gesundheitssystemen verursacht. Statistisch gesehen sind die Erkrankungsrate und die Sterblichkeit des Metabolischen Syndroms weit höher als beispielsweise die von HIV/AIDS.

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Metabolisches Syndrom: Symptome

Die Symptome des Metabolischen Syndroms bleiben oft lange Zeit unentdeckt, da es selbst keine Schmerzen oder Beschwerden verursacht. Der Arzt diagnostiziert es meist zufällig bei einer Vorsorgeuntersuchung - oder erst nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Deutlich sichtbar ist beim Metabolischen Syndrom das Übergewicht. Dabei sind Menschen, die ihre Fettpölsterchen vor allem am Bauch entwickeln ("Apfeltyp", "Bierbauch") stärker gefährdet als diejenigen, die in erster Linie an Hüften und Oberschenkeln zunehmen ("Birnentyp").

Übergewicht ist der wichtigste Teil des Metabolischen Syndroms. Da es viele verschiedene Formen des Übergewichtes gibt, hat die Internationale Diabetesgesellschaft (IDF) festgelegt, dass man für das Metabolische Syndrom das Übergewicht am besten durch den Bauchumfang bewerten kann. Oft wird allerdings auch der BMI (Body Mass Index) benutzt. Bei der sogenannten stammbetonten Fettsucht (Androide Adipositas) werden die Gefäße am meisten geschädigt, daher ist der Bauchumfang gut geeignet, um das Risiko abzuschätzen.

Die Grenzwerte des Bauchumfangs variieren je nach ethnischer Zugehörigkeit etwas, bewegen sich allerdings alle im Bereich von maximal 90 Zentimetern für Männer und 80 Zentimetern für Frauen. Ab diesem Wert spricht man nach IDF-Definition von einer stammbetonten Fettsucht, dem wichtigsten Anzeichen für ein Metabolisches Syndrom.

Damit man von einem Metabolischen Syndrom sprechen kann, müssen mindestens zwei weitere der folgenden Faktoren erfüllt sein:

  • gestörter Fettstoffwechsel, gemessen durch erhöhte Blutfettwerte. Auch Patienten, welche bereits aufgrund erhöhter Blutfette in Behandlung sind, gelten als gefährdet.
  • niedriges „gutes“ (HDL-)Cholesterin
  • erhöhter arterieller Blutdruck. Auch bei bereits begonnener Behandlungen des Bluthochdrucks fällt dieser Faktor nicht aus der Risikoabschätzung des Metabolischen Syndroms heraus.
  • Insulinresistenz (Anzeichen: erhöhter Nüchternzucker im Blut) oder ein manifester Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit).

Alle diese Krankheitszeichen sind Auswirkungen eines modernen Lebensstils. Sprich: mangelnde Bewegung und eine falsche Ernährung (zu viele hochkalorische Nahrungsmittel).

Der Bluthochdruck kann in manchen Fällen zu Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten oder einem Hitzegefühl im Kopf führen, kann aber auch ohne jegliche Beschwerden auftreten.

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Metabolisches Syndrom: Ursachen und Risikofaktoren

Es ist bisher nicht zweifelsfrei belegt, was beim Metabolischen Syndrom die Ursache und was Wirkung ist. Forscher gehen heute aber davon aus, dass zum Beispiel Übergewicht mit zu viel Bauchfett das Risiko, am Metabolischen Syndrom zu erkranken, erhöht. Es gilt damit als stärkster Förderer des Metabolischen Syndroms.

Alle Teilaspekte des Metabolischen Syndroms hängen zusammen. In vielen Fällen liegt eine genetische Veranlagung zur Insulinresistenz vor, die durch einen ungesunden Lebensstil gefördert wird und so zutage treten (manifest werden) kann. Da die Insulinspiegel dann stetig hoch sind, kommt es zu einem vermehrten Hungergefühl und daher zu einer zu hohen Kalorienaufnahme. Das verändert den Blutfett- und Cholesterinstoffwechsel. Es lagert sich vermehrt Fett und Cholesterin in Blutgefäßen ab.

Gleichzeitig ist beim Metabolischen Syndrom die Ausscheidung von Salzen - vor allem Kochsalz (Natriumchlorid) - über die Niere gestört. Hohe Mengen an Natrium im Körper fördern einen Bluthochdruck. Dieser schädigt nicht nur Organe, sondern fördert auch kleine Verletzungen der Gefäßinnenwand. Man geht davon aus, dass dies die Einlagerung von Fett und Cholesterin zusätzlich begünstigt. Über Jahre hinweg wird das Herz Kreislaufsystem immer mehr geschädigt.

Diskussion über erbliche Faktoren

Jeder Mensch trägt in seinen Erbanlagen Informationen für alle Stoffwechselprozesse. Diese Informationen variieren individuell geringfügig, sodass manche Menschen ein erhöhtes Risiko tragen, an Störungen des Stoffwechsels zu erkranken. Auch für das Metabolische Syndrom werden genetische Faktoren angenommen. Dennoch bleibt der wichtigste beeinflussbare Faktor der Lebensstil.

Außer diesen fünf Risikofaktoren gibt es viele weitere Faktoren, die zusätzlich die Gefahr einer Herz-Kreislauf Erkrankung erhöhen können, wie zum Beispiel Rauchen.

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Metabolisches Syndrom: Untersuchungen und Diagnose

Im Idealfall fällt ein Metabolisches Syndrom möglichst früh bei einer Vorsorgeuntersuchung auf, und nicht erst nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall, oder einer anderen Folge von Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose).

Vorgeschichte und Messwerte

Um ein Metabolisches Syndrom zu diagnostizieren, erfragt der Arzt aktuelle Beschwerden und die sogenannte Familienanamnese. Er will also wissen, ob in der Familie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen vorkommen. Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der nahen Verwandtschaft können ein Hinweis auf eine Neigung zu Stoffwechselstörungen sein, die schließlich in ein Metabolisches Syndrom münden können. Dann folgt eine körperliche Untersuchung, der Arzt oder seine Assistenten messen insbesondere den Blutdruck und ermitteln den Bauchumfang. Eine Blut-Untersuchung wird eingesetzt, um den Blutzucker und die Blutfettwerte zu messen. Für diese Untersuchung sollte der Betreffende nüchtern sein. Weitere Faktoren wie ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut oder eine erhöhte Eiweißausscheidung über den Harn geben zusätzliche Hinweise auf ein Metabolisches Syndrom. Die Leberwerte im Blut zeigen, ob sich aufgrund von Übergewicht oder infolge eines schlecht eingestellten Diabetes eine Fettleber entwickelt hat.

Wenn kein Diabetes bekannt ist, es aber bereits Hinweise auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel gibt, wird ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt. Dabei wird zu Beginn der Untersuchung der sogenannte Nüchternblutzucker gemessen. Anschließend trinkt der Patient eine definierte Menge einer Zuckerlösung. Zwei Stunden nach dieser Zuckeraufnahme wird der Blutzucker erneut bestimmt. Ein Diabetes mellitus liegt vor, wenn der Blutzuckergehalt im Blut dann mehr als 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise 11,1 Millimol pro Liter (mmol/l) beträgt. Oft ist eine beginnende Insulinresistenz dafür die Ursache. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, muss die Untersuchung vor der ersten Nahrungsaufnahme vormittags erfolgen.

Mithilfe von Elektrokardiografie (EKG) und Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) kann der Arzt feststellen, ob bereits Schäden am Herzen oder weiteren Organen vorliegen. Bei starken Verengungen der Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, oder nach einem Herzinfarkt zeigt das EKG typische Veränderungen. Mit der Ultraschalltechnik wiederum sind Störungen der Herzmuskel-Kontraktionen gut zu erkennen.

Video: Metabolisches Syndrom: Mit LOGI auf Abnehmkurs. Die Ernährungs-Docs. NDR (August 2020).

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