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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz

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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist eine Form des Kopfschmerzes, die durch übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln entsteht. Die einzige Behandlungsmöglichkeit besteht im Absetzen der entsprechenden Medikamente. Nach einem erfolgreichen Entzug haben Betroffene die Chance, in der Zukunft symptomfrei zu bleiben. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema „Medikamenteninduzierter Kopfschmerz“.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F55ArtikelübersichtMedikamenteninduzierter Kopfschmerz

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Beschreibung

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MIKS) entsteht, wenn Menschen aufgrund einer primären Kopfschmerzform (zum Beispiel Spannungskopfschmerzen oder Migräne) übermäßig viele Schmerzmittel einnehmen. Da Medikamenteninduzierter Kopfschmerz auf eine konkrete Ursache zurückzuführen ist, wird sie von Ärzten zu den sogenannten sekundären Kopfschmerzformen gezählt.

Wie häufig Medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist, kann bislang aufgrund unzureichender Studienlage nur geschätzt werden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa 0,2 bis 1 Prozent der Bevölkerung darunter leidet, in Deutschland wären das 800.000 Menschen. Frauen sind dabei etwa 4 Mal häufiger betroffen als Männer. Als Grund hierfür wird vermutet, dass die Damen generell öfter an Kopfschmerzen leiden als Männer und daher auch mehr zu (Kopfschmerz)-mitteln greifen. Wichtig ist, dass Medikamenteninduzierter Kopfschmerz keine Krankheit im eigentlichen Sinne ist. Er ist vielmehr eine Folge einer falschen Medikamenteneinnahme.

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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Symptome

Es werden zwei Formen unterschieden: akuter und chronischer Medikamenteninduzierter Kopfschmerz. Die akute Variante tritt meist unmittelbar oder nur wenige Stunden nach der Einnahme eines bestimmten Medikaments auf. Klassisches Symptom ist hier ein pulsierender, migräneartiger Kopfschmerz im Stirn- und Schläfenbereich. Die Beschwerden werden durch körperliche Aktivität verstärkt.

Wenn Ärzte von „Medikamenteninduziertem Kopfschmerz“ sprechen, meinen sie damit in der Regel aber die chronische Form. Diese macht sich durch ein dumpfes, drückendes Gefühl im Kopf bemerkbar. Er ist meist ein Dauerkopfschmerz, das heißt, er fängt schon morgens beim Aufstehen an und ist über den ganzen Tag präsent.

Ein chronischer Medikamenteninduzierter Kopfschmerz tritt bei Betroffenen an mindestens 15 Tagen im Monat auf und geht manchmal mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Erbrechen einher. Einige Patienten leiden außerdem unter einer erhöhten Lärmempfindlichkeit. Andere sind gereizt oder fühlen sich abgeschlagen. Bei Betroffenen, die primär unter Migräne leiden und deshalb übermäßig Schmerzmittel einnehmen, können auch weiterhin Migräne-Attacken auftreten.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz und chronische Spannungskopfschmerzen sind aufgrund der Ähnlichkeit der Beschwerden schwierig zu unterscheiden. Der bedeutendste Unterschied besteht darin, dass ein Medikamenteninduzierter Kopfschmerz immer durch den übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln entsteht.

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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Ursachen und Risikofaktoren

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz wird durch verschiedene Medikamente hervorgerufen. Dabei wird zwischen Arzneimitteln unterschieden, die für ihre kopfschmerzverursachende Nebenwirkung bekannt sind oder explizit schmerzlindernde Wirkung haben. Dieser Effekt kann sich jedoch bei dauerndem Gebrauch verlieren und einen Medikamenteninduzierten Kopfschmerz auslösen.

Nebenwirkung von Medikamenten

Ein akuter Medikamentenindizierter Kopfschmerz rührt normalerweise von einer unerwünschten Arzneimittelwirkung („Nebenwirkung“) her. Es gibt einige Substanzen, von den bekannt ist, dass sie Kopfschmerzen auslösen können, zum Beispiel nitrathaltige Medikamente („Nitratkopfschmerz“), Blutdrucksenker (Calciumantagonisten), Alkohol oder Koffein.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz als Folge von Schmerzmitteln

Viele Schmerzmittel sind heute auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Manchen Menschen ist daher gar nicht bewusst, dass sie auch schädlich sein können. Ursache für den übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln ist bei den meisten Betroffenen die Angst vor erneuten Schmerzen. Deswegen werden immer wieder vorsichtshalber Medikamente genommen, dadurch entwickelt sich schleichend ein Medikamenteninduzierter Kopfschmerz.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz kann prinzipiell durch alle Schmerzmittel (Analgetika) und dabei insbesondere auch durch Medikamente gegen Migräne (Triptane, Ergotamine) ausgelöst werden. Dabei spielt maßgeblich eine Rolle, wie häufig die Wirkstoffe eingenommen werden. Beispiele für solche Arzneimittel sind:

  • Nicht-Steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Naproxen, Ketoprofen, Indometacin, Piroxicam und weitere
  • Schwach wirksame Opioide wie Codein, Tilidin, Tramadol, Pentazocin und weitere
  • Stark wirksame Opioide wie Morphin, Pethidin, Hydromorphon, Levomethadon, Fentanyl und weitere
  • Andere Medikamente, die manchmal gegen Kopfschmerzen eingesetzt werden wie Benzodiazepine, Barbiturate

Forscher vermuten, dass der übermäßige Einsatz von Schmerzmitteln Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Gehirns hat. So wird dadurch die Grenze, ab der ein Schmerz wahrgenommen wird, herabgesetzt. Betroffene empfinden somit auch Beschwerden, die früher vom Körper als normal bewertet wurden als schmerzhaft. Wird diesem (Kopf-)Schmerz erneut mit Medikamenten begegnet, verringert sich die Schwelle weiter. So kann ein Teufelskreis entstehen, den die Patienten in der Regel nicht mehr alleine durchbrechen können.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Risikofaktoren

Es gibt mehrere Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen steigern. Dazu zählen:

  • Einnahme von angstlösenden, entspannenden Medikamenten (Tranquilizern)
  • Chronische Beschwerden des Bewegungsapparats oder des Verdauungssystems
  • Übergewicht
  • Niedriger Sozialstatus
  • Depression
  • Nikotinkonsum
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Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Untersuchungen und Diagnose

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz wird bei den meisten Betroffenen erst nach vielen Jahren als solcher erkannt. Denn viele wissen gar nicht, was Medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist und dass ihre Beschwerden auf die Schmerzmittel zurückzuführen sein könnten. Bei der möglichen Diagnose „Medikamenteninduzierter Kopfschmerz“ ist es also zunächst einmal wichtig, dass Sie sich selber genau beobachten. Nehmen Sie an mehr als 10 Tagen im Monat und häufig an mehr als drei Tagen hintereinander Schmerzmittel? Dann sollten Sie unbedingt darüber mit einem Arzt sprechen.

Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf „Medikamenteninduzierter Kopfschmerz“ kann der Hausarzt sein. Besonders geeignet sind auch ein Facharzt für Neurologie oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“. Der Arzt wird Ihnen beim Anamnesegespräch Fragen zu den aktuellen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen stellen.

Dabei sollten Sie den Grund für den Schmerzmittelgebrauch und die tatsächliche Häufigkeit der Einnahme genau schildern. Hilfreich ist es, wenn Sie vor dem Arztbesuch eine Liste erstellen, auf der sie alle eingenommen Medikamente für den Arzt notieren. Für eine Diagnose wird er Fragen stellen wie:

  • Wie häufig treten die Kopfschmerzen im Monat ungefähr auf?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Wie häufig nehmen Sie diese Medikamente ein?
  • Litten Sie schon früher an Kopfschmerzen oder anderen Schmerzen?
  • Können Sie mir die Kopfschmerzen genauer beschreiben (Lokalisation, Schmerzcharakter, Häufigkeit)?

Nach der Anamnese werden Sie neurologisch untersucht. Dabei tastet der Mediziner die Muskulatur im Bereich von Schulter, Hals und Kopf ab. Wenn die Muskeln an diesen Stellen offensichtlich verspannt sind, kann dies ein Hinweis auf Spannungskopfschmerzen statt Medikamenteninduzierter Kopfschmerz sein. Außerdem misst der Arzt Ihren Blutdruck, da auch Bluthochdruck eine Ursache sein kann. Manchmal ist eine Blutentnahme sinnvoll, um Auffälligkeiten (zum Beispiel erhöhte Entzündungswerte) nicht zu übersehen.

Bei Kopfschmerzen unklarer Ursache sind in der Regel weiterführende Untersuchungen nötig. Dazu gehören in erster Linie die bildgebenden Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT), mit denen das Gehirn dargestellt werden kann. Außerdem sind manchmal spezielle Verfahren, wie beispielsweise die Analyse des Nervenwassers (Liquorpunktion) und die Aufzeichnung der Gehirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG) notwendig.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Diagnosestellung

Zur Diagnosestellung kann sich der Arzt auf die von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) erarbeiteten Diagnosekriterien stützen. Ein Medikamenteninduzierter Kopfschmerz kann diagnostiziert werden, wenn die folgenden Kriterien zutreffen:

  1. Die Kopfschmerzen sind an mindestens 15 Tagen pro Monat vorhanden.
  2. Seit mehr als drei Monaten wurden Schmerzmittel eingenommen:
    - an mindestens zehn Tagen pro Monat (gilt für Ergotamin, Triptane, Opioide, Kombinationsschmerzmittel) oder
    - an mindestens 15 Tagen/Monat (gilt für alle anderen Schmerzmittel
  3. Die Kopfschmerzen haben sich während des Schmerzmittelübergebrauchs entwickelt oder deutlich verschlechtert.
  4. Der Kopfschmerz klingt nach dem Absetzen der übermäßig eingesetzten Medikamente ab oder kehrt zu seinem früheren Muster zurück.

Häufig ist eine eindeutige Diagnose erst möglich, nachdem ein Medikamentenentzug durchgeführt wurde. Nehmen die Kopfschmerzen danach ab oder werden sie merklich schwächer, so lag mit ziemlicher Sicherheit ein Medikamenteninduzierter Kopfschmerz vor.

Video: Kopfschmerzen: Migräne, Spannungskopfschmerz & Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen (August 2020).

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