Krankheiten

Mastoiditis

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Eine Mastoiditis ist eine eitrige Entzündung des Knochens hinterm Ohr. Eine Mastoiditis entwickelt sich meist infolge einer nicht oder zu kurz behandelten Mittelohrentzündung. Auslöser der Entzündung sind verschiedene Arten von Bakterien. Mit einer rechtzeitigen und konsequenten Behandlung hat die Mastoiditis eine gute Prognose. Unbehandelt können jedoch Komplikationen auftreten, die lebensbedrohlich sein können. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Mastoiditis.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. H70ArtikelübersichtMastoiditis

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Mastoiditis: Beschreibung

Die Mastoiditis (auch Warzenfortsatzentzündung genannt) ist eine eitrige Entzündung des Kochens, der sich hinter dem Ohr befindet. Dieser Knochen (medizinisch als Os mastoideum bezeichnet) hat eine längliche, spitzzulaufende Form, die entfernt an eine Warze erinnert, daher die Bezeichnung als Warzenfortsatz (Pars mastoidea). Das Innere des Warzenfortsatzes ist nicht vollständig mit Knochenmasse ausgefüllt, sein Inneres ist teilweise mit Schleimhautzellen ausgekleideten Hohlräumen gefüllt. Bei einer Mastoiditis herrscht hier eine Entzündung.

Der Warzenfortsatz liegt hinter dem Ohr, er ist hinter dort als Wulst tastbar. Er steht mit der Paukenhöhle (Cavum tympani) direkt in Verbindung. Die Paukenhöhle ist der Teil des Mittelohrs, in dem die Gehörknöchelchen lokalisiert sind. Finden dort Entzündungen statt, ist das als „Mittelohrentzündung“ bekannt. Aufgrund der engen räumlichen Nähe ist die Mastoiditis in der Regel immer eine Folgeerkrankung beziehungsweise Komplikation der Mittelohrentzündung.

Die Mastoiditis ist heutzutage die häufigste Komplikation einer Mittelohrentzündung. Von einer Mittelohrentzündung sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen, Erwachsene erkranken hingegen seltener. Deshalb tritt auch die Mastoiditis vermehrt im Kindesalter auf. Trotzdem ist sie aufgrund der guten Behandelbarkeit der Mittelohrentzündung eine seltene Erkrankung. 1,2 bis 1,4 Kinder von 100.000 Kindern gelten als von dieser Komplikation betroffen.

Chronische Mastoiditis

Von der akuten Mastoiditis abzugrenzen ist die chronische Mastoiditis. Eine chronische Mastoiditis tritt etwas seltener als eine akute Mastoiditis auf, ist allerdings gefährlicher. Bei einer chronischen Mastoiditis entzündet sich ebenfalls der Warzenfortsatz. Diese Entzündung macht sich jedoch nicht durch die klassischerweise bei einer Mastoiditis auftretenden Symptome (wie Fieber oder Schmerzen) bemerkbar. Deswegen kann sie über viele Wochen und sogar Monate hinweg unentdeckt bleiben. Mediziner nennen diese Form daher auch maskierte Mastoiditis. Besteht eine chronische Mastoiditis über einen langen Zeitraum, vermehren sich die Bakterien immer weiter. Sie haben außerdem viel Zeit, sich weiter im Körper auszubreiten und andere Bereiche zu befallen. Aus einer chronischen Mastoiditis erwachsen so nicht selten erhebliche Folgeschäden.

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Mastoiditis: Symptome

Die Symptome einer Mastoiditis treten etwa zwei bis vier Wochen nach dem Beginn einer akuten Mittelohrentzündung auf. Meist sind deren Symptome schon wieder am Abklingen und flammen dann plötzlich wieder auf. Grund ist möglicherweise eine Mastoiditis.

Generell ähneln die Beschwerden einer Mastoiditis denen einer Mittelohrentzündung. Für einen Laien ist es deshalb sehr schwer, die beiden Erkrankungen voneinander abzugrenzen. So oder so sollten sie aber möglichst schnell behandelt werden. Generell gilt daher, dass auf jeden Fall vorsorglich ein Arzt aufgesucht werden sollte, wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten:

  • Schmerzen im und um das Ohr. Typisch ist ein ständiger, pochender Schmerz.
  • Länger anhaltendes Fieber
  • Hörvermögen verschlechtert sich
  • Unruhe, Schlafstörungen, heftiges Schreien
  • Abgeschlagenheit

Zusätzlich kommt es bei einer Mastoiditis zu einer von außen fühlbaren Schwellung und Druckempfindlichkeit über dem Warzenfortsatz, die bei einer Mittelohrentzündung nicht auftritt. Ist die Schwellung stark, drückt sie das Ohr seitwärts nach unten. Dadurch steht die Ohrmuschel deutlich ab. Außerdem entleeren sich aus dem Ohr oft große Mengen einer milchigen Flüssigkeit. Es kann sein, dass der Patient die Nahrung verweigert und apathisch wirkt.

Bei Kleinkindern lässt sich schwer feststellen, welche Beschwerden genau bestehen. Ein Anzeichen sowohl für eine Mittelohrentzündung als auch für eine Mastoiditis ist es, wenn Kinder sich häufig ans Ohr fassen oder den Kopf hin und her schütteln. Viele Kleinkinder leiden auch unter Übelkeit und Erbrechen. Bei Babys verläuft eine Mastoiditis oft weniger schwer, als bei älteren Kindern. Eltern sollten deshalb genau auf kleinste Veränderungen im Verhalten ihres Kindes achten.

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Mastoiditis: Ursachen und Risikofaktoren

Verursacher der Mastoiditis bei Babys und Kindern sind meist Bakterien wie Pneumokokken, Streptokokken und Haemophilus influenzae Typ b, bei Babys häufig auch Staphylokokken. Da es von außen keinen Weg gibt, der direkt in den Warzenfortsatz führt, ist die Mastoiditis in der Regel eine Folge anderer Erkrankungen.

In den meisten Fällen geht der Mastoiditis eine regelrechte Infektionskette voraus. Kinder infizieren sich schnell und häufig mit verschiedenen Arten von Viren, die dann eine Entzündung des Hals- und Rachenraums bedingen. Die virale Infektion setzt die Abwehrkräfte des Körpers herab. So entsteht leicht eine zusätzliche Infektion mit Bakterien (Superinfektion). Bakterien können vom Rachenraum über die Eustachische Röhre (die Rachen und Mittelohr miteinander verbindet) direkt in das Mittelohr gelangen und hier ebenfalls eine Entzündung auslösen. Eine Mastoiditis entwickelt sich häufig auf Grundlage einer nicht oder zu spät behandelten Mittelohrentzündung. Auch, wenn eine Mittelohrentzündung zu kurz therapiert wird, können sich Bakterien vom Mittelohr aus in den Warzenfortsatz verbreiten.

Ein erschwerter Sekretabfluss bei Infektionen begünstigt die Mastoiditis. Dazu kommt es beispielsweise bei einer stark zugeschwollenen Nase oder verstopften Ohren. Auch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt Infektionen. Eine Schwächung der Immunabwehr tritt beispielsweise im Rahmen einer Therapie mit Antibiotika oder Kortikosteroiden (zum Beispiel Kortison) sowie bei bestimmten chronischen Erkrankungen (zum Beispiel HIV oder Diabetes mellitus) auf.

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Mastoiditis: Untersuchungen und Diagnose

Bei dem Verdacht auf eine Mastoiditis ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt der richtige Ansprechpartner. In einem ersten Gespräch wird dieser die Krankengeschichte (Anamnese) erfassen. Dabei haben Sie die Möglichkeit, Ihre Beschwerden genau zu schildern. Bei Kindern geben meist die Eltern Auskunft. Dabei kann der Arzt Fragen stellen wie:

  • Litten Sie (bzw. Ihr Kind) in letzter Zeit an einer Infektion?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Haben Sie Ausfluss aus dem Ohr bemerkt?

Im Anschluss an die Anamnese erfolgt eine körperliche Untersuchung. Dabei sucht der Arzt zunächst nach äußeren Veränderungen. So kann er zum Beispiel eine Rötung sowie Schmerzen und Druckempfindlichkeiten über oder hinter dem Ohr feststellen. Mithilfe eines Ohrenspiegels (Otoskop) wird das Trommelfell sowie der innere Gehörgang untersucht. Diese Untersuchung wird auch Ohrenspiegelung (Otoskopie) genannt. Besteht eine Schwellung des Trommelfells, wird dies unter anderem durch einen Lichtreflex festgestellt, der sich an anderer Stelle auf dem Trommelfell als bei einem gesunden Ohr befindet. Außerdem ist das Ohr von innen gerötet.

Die weitere Diagnose erfolgt bei einem begründeten Verdacht auf Mastoiditis in einem Krankenhaus. Dies ist sinnvoll, da die Therapie möglichst schnell beginnen soll und unter Umständen ein operativer Eingriff nötig werden kann. Hat der Arzt das noch nicht gemacht, wird hier zunächst ein Blutbild angefertigt. Bei einer Entzündung im Körper sind bestimmte Werte der Blutuntersuchung erhöht. Dazu gehören unter anderem die Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten), der Wert des C-reaktiven Proteins sowie die Blutkörperchensenkgeschwindigkeit. Um die Erreger der Entzündung zu bestimmen, wird ein Abstrich aus dem Ohr entnommen. Im Labor wird daraus eine Kultur angelegt. Das Ergebnis liegt innerhalb von einer bis zwei Wochen vor. In der Regel wird mit der Therapie der Mastoiditis aber schon vor Vorliegen des endgültigen Ergebnisses begonnen.

Mithilfe eines Röntgenbilds oder einer Computertomografie wird die Diagnose weiter abgesichert. Auf den entstandenen Bildern kann der Arzt eventuelle Komplikationen erkennen - zum Beispiel, wenn sich Eiter in umliegenden Bereichen angesammelt hat. Bei kleinen Kindern kann die Anfertigung eines Röntgenbilds und einer Computertomografie schwierig sein. Bei eindeutigen Befunden, die den Verdacht auf eine Mastoiditis fundieren, verzichten Ärzte in einigen Fällen auf diese zusätzlichen Untersuchungen.

Video: Mastoiditis (August 2020).

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