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Magengeschwür

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Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der lifelikeinc.com und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Mehr über die lifelikeinc.com-ExpertenEin Magengeschwür (mediz. Ulcus ventriculi) ist eine tiefe Wunde in der Magenschleimhaut. Sie macht sich typischerweise durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. Magengeschwüre entstehen vor allem durch ein Übermaß an Magensäure. Oft ist auch eine Besiedelung der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori verantwortlich. Mit Medikamenten lässt sich ein Magengeschwür meist vollständig heilen. Erfahren Sie hier unter anderem, welche Risikofaktoren ein Magengeschwür begünstigen, auf welche Warnzeichen Sie achten sollten und wie die Behandlung und Prognose aussehen.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. K29K25

Vermeiden Sie Stress, denn es ist ein Risikofaktor bei Magengeschwüren.

Dr. med. Mira SeidelArtikelübersichtMagengeschwür
  • Symptome
  • Ursachen & Risikofaktoren
  • Behandlung & Vorbeugung
  • Untersuchungen & Diagnose
  • Verlauf & Prognose
  • Vorbeugung

Kurzübersicht

  • Was ist ein Magengeschwür? tiefe Wunde in der Magenschleimhaut; Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
  • Ursachen: Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori, gestörte Magenentleerung, gestörte Magensäureproduktion, bestimmte Medikamente, genetische Vorbelastung, ungünstige Lebensgewohnheiten (Stress, Alkohol etc.)
  • Symptome: Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, ggf. Teerstuhl, Blutarmut (Anämie)
  • Komplikationen: Blutung aus dem Geschwür, Magendurchbruch mit Bauchfellentzündung
  • Untersuchung: Arzt-Patient-Gespräch (Anamnese), körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Ultraschall, Magenspiegelung (Gastroskopie), Atemtest
  • Therapie: medikamentöse Behandlung; bei Komplikationen operativer Eingriff
  • Prognose: gut bei frühzeitiger Behandlung und magenfreundlichem Lebensstil
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Magengeschwür: Symptome

Magengeschwüre gehören zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen. Noch öfter tritt nur das Zwölffingerdarmgeschwür (mediz. Ulcus duodeni) auf.

Sowohl Magen- als auch Zwölffingerdarmgeschwür verursachen typischerweise drückende oder brennende Schmerzen im Oberbauch (Epigastrium = zwischen Rippenbogen und Bauchnabel). Die Beschwerden treten oft im Zusammenhang mit Essen oder Trinken auf. Allerdings haben Menschen mit einem Zwölffingerdarmgeschwür oft Schmerzen bei leerem Magen (Nüchternschmerz) und nachts. Dagegen ist eine Schmerzzunahme kurz nach dem Essen ein typisches Magengeschwür-Anzeichen.

Des Weiteren können Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen sowie Gewichtsverlust auf ein Magengeschwür hindeuten. Manche Patienten entwickeln infolge eines blutenden Magengeschwürs auch Anzeichen von Blutarmut (Anämie).

Einige Magengeschwüre verursachen gar keine Beschwerden. Sie werden dann oft nur zufällig bei einer Untersuchung entdeckt oder machen sich erst bei Komplikationen bemerkbar.

Selten kann auch Magenkrebs ähnliche Symptome wie ein Magengeschwür auslösen. Klarheit bringt dann eine Magenspiegelung, in deren Rahmen man eine Gewebeprobe entnimmt (Biopsie) und feingeweblich (histologisch) untersuchen lässt.

Magengeschwür: Komplikationen

Bestimmte Schmerzmittel und Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac können einerseits Magengeschwüre verursachen. Andererseits können sie bei regelmäßiger Einnahme den Schmerzreiz unterdrücken, sodass Betroffene die typischen Magengeschwür-Symptome nicht bemerken. In der Folge können sich unbemerkt (schwere) Komplikationen entwickeln.

Die häufigste Komplikation bei Magengeschwüren (und Zwölffingerdarmgeschwüren) ist eine Blutung aus dem Geschwür. Ein mögliches Anzeichen dafür ist ein pechschwarz verfärbter Stuhl (Teerstuhl). Die Schwarzfärbung entsteht, wenn das Blut aus dem Geschwür durch den sauren Magensaft zersetzt wird.

Manchmal ist die Blutung aus dem Magengeschwür so gering, dass sich der Stuhl nicht verfärbt. Der anhaltende Blutverlust schlägt sich aber in einem erniedrigten Hämoglobin-Wert im Blut nieder.

Wenn ein Magengeschwür sehr stark blutet, erbricht der Betroffene unter Umständen das Blut sogar (Bluterbrechen oder Hämatemesis). Das ist lebensbedrohlich und muss sofort ärztlich behandelt werden!

Selten bricht ein Magengeschwür durch die Magenwand in die Bauchhöhle durch. Durch dieses Loch können angedaute Nahrung und Säure in die Bauchhöhle gelangen und eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) auslösen. Betroffene verspüren dann massive Schmerzen im gesamten Bauchraum (Peritonismus) und bekommen Fieber.

Der Durchbruch eines Magengeschwürs ist ein Notfall, der schnellstmöglich behandelt werden muss!

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Magengeschwür: Ursachen und Risikofaktoren

Psychische Faktoren: „Bei so viel Stress bekommst du früher oder später ein Magengeschwür“ - solche Warnungen hört man häufiger. Tatsächlich scheint Stress im beruflichen oder privaten Umfeld das Risiko für ein Magengeschwür zu erhöhen. Das liegt vermutlich daran, dass der Körper bei anhaltendem Stress übermäßig viel Magensäure produziert, während er gleichzeitig weniger schützenden Schleim herstellt.

Auch akute Stress- oder Schocksituationen sowie Depressionen scheinen die Entstehung von Magengeschwüren zu begünstigen. Alleinige Auslöser sind sie jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Vielmehr wirken sie nur in Kombination mit anderen Risikofaktoren geschwürauslösend.

Zu viel Magensäure: Ein Magengeschwür entsteht, wenn sich die aggressive Magensäure und die schützenden Faktoren der Magenschleimhaut (zum Beispiel Schleim und Säure-neutralisierende Salze) im Ungleichgewicht befinden. Ist die Säure zu stark oder sind die schützenden Faktoren zu schwach, wird die Schleimhaut geschädigt und ein Magengeschwür kann entstehen. Durch ein solches Ungleichgewicht entzündet sich zuerst die Magenschleimhaut (Gastritis). Hält die Entzündung längere Zeit an oder kehrt sie immer wieder, kann sich mit der Zeit ein Magengeschwür entwickeln.

Gestörte Abläufe im Magen: Auch gestörte Magenbewegungen stehen im Verdacht, ein Magengeschwür auslösen zu können. Wenn sich nämlich der Magen verzögert entleert und gleichzeitig vermehrt Gallensäure in den Magen zurückfließt, kann dies die Entstehung eines Magengeschwürs begünstigen. Eine erhöhte Ulkus-Neigung beobachtet man auch bei Menschen, die nur verminderte Mengen jenes Eiweißes produzieren, das die Magenschleimhaut repariert.

So ist der Magen aufgebautDer Magen ist ein Hohlmuskel und innen mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Sie schützt den Magen vor der Magensäure. Für die Verdauung werden im Magen Nahrung und Magensäure miteinander vermengt und durch Muskelarbeit weiter Richtung Darm befördert.

Besiedelung mit Helicobacter plyori: Dieses Bakterium, dem die aggressive Magensäure nichts ausmacht, ist der Hauptauslöser für ein Magengeschwür. Bei 75 Prozent aller Patienten mit einem Magengeschwür und bei bis zu 99 Prozent aller Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür lässt sich das Bakterium nachweisen. Der Magenkeim ist aber nicht allein für ein Ulkus verantwortlich. Erst in Kombination mit anderen Risikofaktoren kann es zur Geschwürbildung kommen. Zu diesen Risikofaktoren zählen etwa die Einnahme bestimmter Medikamente und ungünstige Lebens- und Ernährungsgewohnheiten (siehe folgende Punkte).

Magenschleimhautentzündung durch BakterienBei einer durch Bakterien ausgelösten Magenschleimhautentzündung wird die schützende Schleimschicht durch die Keime zerstört. Die Magensäure greift nun die Schleimhaut direkt an und ein Magengeschwür kann entstehen.

Einnahme von bestimmten Medikamenten: Besonders anfällig für ein Magengeschwür sind Menschen, die regelmäßig schmerz- und entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID oder NSAR) einnehmen. Dazu gehören Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen und Diclofenac. Als besonders problematisch gilt die Kombination von Kortison (Glukokortikoiden) und nichtsteroidalen Antiphlogistika.

Ungünstige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten: Rauchen, Alkohol und Kaffee steigern die Magensäureproduktion und erhöhen somit das Risiko für ein Magengeschwür. Auch bestimmte Lebensmittel (z. B. scharfe Speisen) können die Magenschleimhaut reizen. Was vertragen wird, ist individuell aber sehr unterschiedlich.

Genetische Vorbelastung: In manchen Familien kommen Magengeschwüre gehäuft vor. Das spricht für eine Beteiligung genetischer Faktoren bei der Geschwürbildung.

Andere Ursachen: Magengeschwüre können sehr selten auch durch Stoffwechselerkrankungen wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) oder eine Tumorerkrankung (Gastrinom; Zollinger-Ellison-Syndrom) verursacht werden. Auch nach großen Operationen, Unfällen oder Verbrennungen können Magengeschwüre entstehen. Da in diesen Situationen verschiedene „Stressreaktionen“ im Körper ablaufen, bezeichnet man ein solches Magengeschwür auch als Stressulkus. Darüber hinaus sind Menschen ab dem 65. Lebensjahr und solche mit der Blutgruppe 0 anfälliger für Magengeschwüre. Zudem kann sich bei Menschen, die bereits einmal ein solches Geschwür hatten, leicht ein neues bilden.

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Magengeschwür: Behandlung und Vorbeugung

Wie Ärzte ein Magengeschwür behandeln, hängt vor allem von der Ursache ab. Eine besonders große Rolle spielt, ob beim Patienten der Magenkeim Helicobacter pylori im Magen nachgewiesen wurde. Ist dies der Fall, setzt der Arzt zur Magengeschwür-Therapie in erster Linie Antibiotika ein, um die Infektion zu beseitigen. Dazu nimmt der Betroffene täglich sieben Tage lang zwei verschiedene Antibiotika (Clarithromycin und Amoxicillin oder Metronidazol) ein. Zusätzlich wird der Arzt ein säurereduzierendes Medikament (zum Beispiel einen sogenannten „Protonenpumpenhemmer“) verordnen. Als "Magenschutz" hemmen sie die Produktion von Magensäure, sodass sich die angegriffene Schleimhaut erholen kann.

Die Helicobacter-Behandlung mit Antibiotika wird als „Helicobacter-pylori-Eradikationstherapie“ bezeichnet. Sie ist bei mehr als 90 Prozent der Patienten mit einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür erfolgreich. In seltenen Fällen sind die Erreger des Magengeschwürs allerdings resistent gegen eines der Antibiotika. Dann ist eine wirksame Magengeschwür-Therapie schwieriger.

Lässt sich das Bakterium Helicobacter pylori nicht nachweisen, werden keine Antibiotika, sondern nur säurereduzierende Medikamente, vor allem „Protonenpumpenhemmer“, eingesetzt. Die Therapie ist symptomatisch. Das heißt, es werden damit lediglich die Beschwerden gelindert. Ohne die schädigende Wirkung der Magensäure heilt das Magengeschwür im Normalfall von selbst aus. Zusätzlich muss aber sichergestellt sein, dass der Betroffene magenreizende Substanzen und Nahrungsmittel (Alkohol, Kaffee, Nikotin) vollständig meidet, bis das Magengeschwür abgeheilt ist.

Neben Protonenpumpenhemmern wirken auch H2-Antihistaminika und Antazida säurereduzierend. Hier lesen Sie mehr über die Wirkung und Anwendung dieser Wirkstoffgruppen in der Magengeschwür-Behandlung:

Protonenpumpenhemmer („Magenschutz“)Protonenpumpenhemmer blockieren ein bestimmtes Enzym in der Magenschleimhaut (H+/K+-ATPase = „Protonenpumpe“). Dieses Enzym ist sehr wichtig für die Magensäureproduktion. Durch die Hemmung des Enzyms wird die Magensäureproduktion für einen Zeitraum von etwa 24 Stunden vollkommen unterbunden. Da ein Überschuss an Magensäure ein Hauptgrund für ein Magengeschwür ist, sind Protonenpumpenhemmern ein wichtiger Bestandteil der Therapien. Sie werden üblicherweise morgens eingenommen, weil das zu blockierende Enzym vor allem morgens gebildet wird. Typische Vertreter der Protonenpumpenhemmer sind die Wirkstoffe Omeprazol und Pantoprazol.

H2-AntihistaminikaH2-Antihistaminika wie Cimetidin oder Ranitidin besetzen die Angriffsstellen von Histamin, einem wichtigen Botenstoff für die Bildung und Freisetzung der Magensäure. Da die Bildung der Magensäure hauptsächlich nachts stattfindet, sollten Antihistaminika zur Nacht eingenommen werden. In einigen Fällen ist eine zusätzliche Dosis am Tag notwendig. Im Rahmen der Magengeschwür-Behandlung kann ein H2-Antihistaminikum gegebenenfalls auch mit einem Protonenpumpenhemmer kombiniert werden.

AntazidaSogenannte Antazida werden in der Magengeschwür-Therapie aufgrund der guten Wirksamkeit der Protonenpumpenhemmer und der H2-Antihistaminika nur noch selten eingesetzt. Sie binden die Magensäure und neutralisieren sie, hemmen aber nicht die Magensäureproduktion an sich. Ein typisches Antazidum ist der Wirkstoff Sucralfat.

Magengeschwür-Behandlung: Magenspiegelung

Nach Abschluss der medikamentösen Magengeschwür-Behandlung macht man innerhalb von etwa sechs bis acht Wochen eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Dabei wird kontrolliert, ob das Geschwür wirklich vollständig abgeheilt ist.

Außerdem kann eine Magenspiegelung zur Therapie von Komplikationen durchgeführt werden: Wenn das Geschwür blutet, kann der Arzt im Rahmen der gastroskopie einen speziellen Eiweiß-Klebstoff (Fibrinkleber) in die Wunde spritzen, um die Blutung so stillen.

Magengeschwür-Behandlung: Operation

Magengeschwüre werden heute nur noch selten operiert. So kann es zum Beispiel bei einem sehr hartnäckigen geschwür sinnvoll sein, einen Teil des Magens zu entfernen. In der Regel wird dabei auch der Vagusnerv (Nervus vagus) durchtrennt (Vagotomie), um die Magensäureproduktion zu vermindern.

Bei Komplikationen eines Magengeschwürs kann ebenfalls eine Operation nötig sein. Ein Magendurchbruch beispielsweise muss immer chirurgisch versorgt werden.

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