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Leistenbruch

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Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der lifelikeinc.com und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Mehr über die lifelikeinc.com-ExpertenEin Leistenbruch (Leistenhernie, Hernia inguinalis) entsteht, wenn Schichten der Bauchwand den Leistenkanal durchbrechen. Typisches Symptom ist eine tastbare Schwellung, ähnlich einer Beule, die sich oft nach innen wegdrücken lässt. Auch Schmerzen können auftreten, die sich unter Belastung verstärken. In den meisten Fällen sind die Patienten männlich. Ein Leistenbruch bei Frauen oder Mädchen ist seltener. Die Therapie besteht in der Regel aus einer Operation. Lesen Sie hier mehr zum Thema: Was ist ein Leistenbruch genau? Woran kann man einen Leistenbruch erkennen? Wie wird er diagnostiziert und behandelt?

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. K40ArtikelübersichtLeistenbruch

  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchung und Diagnose
  • Allgemeines zur Leistenbruch-Behandlung
  • Leistenbruch-OP
  • Verlauf und Prognose

Leistenbruch: Kurzübersicht

  • Wichtige Symptome: sicht- und tastbare Schwellung in der Leistengegend, Ziehen und gegebenenfalls Schmerzen, die unter Belastung stärker werden
  • Ursache: Schwachstelle in der Bauchwand (angeboren oder erworben)
  • Risikofaktoren: heftige Druckbelastung (Niesen, Husten, Pressen beim Stuhlgang, Heben schwerer Lasten etc.), Gewebeschwäche, Diabetes mellitus, Asthma, COPD, zystische Fibrose (Mukoviszidose)
  • Komplikationen: Einklemmung
  • Behandlung: in der Regel Operation. Bei Männern mit einem Leistenbruch, der keine Symptome zeigt und sich nicht vergrößert, kann zunächst auch abgewartet und die Hernie beobachtet werden.
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Leistenbruch: Symptome

Auch wenn die Bezeichnung etwas anderes vermuten lässt: Bei einem Leistenbruch (Hernia inguinalis) geht kein Knochen kaputt, sondern es wird Gewebe in der Leistengegend durchstoßen - der sogenannte Leistenkanal. Diese röhrenförmige Verbindung zwischen der Bauchhöhle und der äußeren Schamregion zieht schräg von hinten nach vorne. In diesem Kanal verlaufen Blut- und Lymphgefäße sowie der Samenstrang beim Mann und eines der Mutterbänder bei der Frau.

Wird dieser Leistenkanal bei einem Leistenbruch durchstoßen, erkennt man dies an einer sicht- und/oder tastbaren Schwellung in der Leistengegend, die sich oft nach innen wegdrücken lässt. Manchmal ist auch die Genitalregion vom Leistenbruch betroffen: Bei der Frau kann dann die Schwellung im Bereich der Schamlippen auftreten, beim Mann am Hodensack.

In den meisten Fällen zeigen sich die Leistenbruch-Symptome (Frau & Mann) auf der rechten Seite.

Leistenbruch: Schmerzen

In vielen Fällen verursacht der Leistenbruch keine Schmerzen. Betroffene berichten eher von einem unbestimmten Druckgefühl oder einem Ziehen, manchmal auch von Bauchschmerzen oder einem Fremdkörpergefühl in der Leistengegend.

Wenn Leistenbruch-Schmerzen auftreten, können sie bis in den Hoden oder die Schamlippen ziehen. Erhöht sich der Bauchdruck, zum Beispiel beim Husten oder Heben von Lasten, verstärken sich die Beschwerden. In Ruhe und beim Liegen dagegen lassen die Leistenbruch-Symptome nach. Wenn also jemand eher Schmerzen im Liegen / in der Nacht hat, handelt es sich in der Regel nicht um einen Leistenbruch. Stattdessen kann zum Beispiel eine Hüftgelenks- oder Muskelerkrankung dahinter stecken.

Sowohl Schmerz als auch Schwellung verstärken sich bei Belastung. Bei besonders intensiven Leistenbruch-Anzeichen kann bereits Gewebe eingeklemmt sein. Dann sollten Sie sofort zum Arzt!

Leistenbruch-Symptome bei Kindern

Bei Kindern einen Leistenbruch zu erkennen, ist nicht immer einfach. Oft entdecken die Eltern zufällig die sichtbare Schwellung in der Leisten- oder Genitalgegend, wenn sie ihr Kind baden, an- oder ausziehen. Beim Draufdrücken reagiert das Kind empfindlich. Weitere Anzeichen für einen Leistenbruch bei Kindern können sein:

  • Weinerlichkeit oder scheinbar grundloses Schreien (v. a. Baby und Kleinkind)
  • Weigerung zu Essen
  • große Unruhe

Eingeklemmter Leistenbruch: Warnsymptome!

In seltenen Fällen werden bei einem Leistenbruch Eingeweideteile (wie Darmschlingen) eingeklemmt. Diese werden dann nicht mehr ausreichend durchblutet und können absterben. Die Symptome bei einem Leistenbruch mit Einklemmung sind deutlich intensiver, zum Beispiel:

  • starke Schmerzen
  • Rötungen der betreffenden Stelle
  • Übelkeit und Erbrechen

Wenn jemand solche Symptome zeigt, muss man sofort einen Arzt alarmieren. Es drohen ein Darmverschluss und eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung!

Starke Schmerzen bei einem Leistenbruch sind ein Symptom dafür, dass es (gefährliche) Komplikationen gibt. Gehen Sie sofort zum Arzt!

  • „Nicht jeder Leistenbruch muss sofort operiert werden“

    Drei Fragen an

    Dr. med. Joachim Conze,
    Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirugie
  • 1

    Warum bekommen vor allem Männer einen Leistenbruch?

    Dr. med. Joachim Conze

    Das liegt an der Hodenentwicklung. Die Keimdrüsen entwickeln sich im Körper und wandern durch die Leiste in den Hodensack - das ist anschließend die Schwachstelle. Insgesamt geht man davon aus, dass jeder fünfte Mann einen Leistenbruch entwickeln kann. Auffällig ist dabei eine familiäre Häufung, das heißt, wenn der Vater oder Großvater einen Leistenbruch hatte, ist die eigene Chance darauf höher.

  • 2

    Muss immer operiert werden?

    Dr. med. Joachim Conze

    Früher dachte man das. Inzwischen weiß man, dass die Gefahr einer Einklemmung bei Männern mit einer nicht schmerzhaften (asymptomatischen bzw. wenig symptomatischen) Hernie unter ein Prozent beträgt. Wenn nur eine kleine Vorwölbung besteht und ansonsten keinerlei Beschwerden bestehen, ist auch ein aktives Zuwarten, das „Watchful Waiting“ möglich. Das heißt, alle sechs bis neun Monate wird kontrolliert, bei Beschwerden natürlich sofort.

  • 3

    Muss immer operiert werden?

    Dr. med. Joachim Conze

    Früher dachte man das. Inzwischen weiß man, dass die Gefahr einer Einklemmung bei Männern mit einer nicht schmerzhaften (asymptomatischen bzw. wenig symptomatischen) Hernie unter ein Prozent beträgt. So ist heute bei Männern, die nur eine kleine Vorwölbung und ansonsten keinerlei Beschwerden haben, auch ein aktives Zuwarten, das sogenannte „Watchful Waiting“, eine therapeutische Option. Hierbei sollten die Patienten aber regelmäßig, alle sechs bis neun Monate, kontrolliert werden, bei Beschwerden natürlich sofort.

  • Dr. med. Joachim Conze,
    Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirugie

    Dr. med. Joachim Conze leitet das Hernienzentrum Dr. Conze in München. Er ist Gründungsmitglied der Deutschen Herniengesellschaft (DHG) und war viele Jahre im Vorstand der EHS.

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Leistenbruch: Ursachen und Risikofaktoren

Der Bauchraum ist weitestgehend abgeschlossen und mit einer feinen Haut, dem Bauchfell, ausgekleidet. Er beherbergt Organe wie den Magen, die Leber und den Darm. Durch die Schwerkraft werden die Organe nach unten gezogen. Die Bauchwand hält sie an ihrer Position. Vor allem im unteren Bauchbereich herrscht aber trotzdem ein gewisser Druck.

Diesen Druck bekommt auch der Leistenkanal zu spüren. Besonders beim Heben schwerer Lasten, Niesen, Husten oder Pressen (etwa beim Stuhlgang) drücken die Bauchorgane auf den Leistenkanal. Normalerweise kann er der Belastung standhalten - dank der kräftigen Muskeln, Bänder und dem festen Bindegewebe, die ihn umgeben.

Wird der Druck aber zu groß, entsteht eine Lücke im Leistengewebe (Bruchpforte): Das Bauchfell wölbt sich an dieser Stelle sackartig nach außen. Deshalb spricht man auch von einem Bruchsack. Manchmal treten auch Eingeweideteile (meist Teile des Darms) - umschlossen vom Bruchsack- durch die Lücke hindurch und aus dem Bauchraum heraus (Bruchinhalt).

Das passiert beim LeistenbruchBei einem Leistenbruch wird der Druck der Bauchorgane (z.B. beim Husten, Niesen oder Heben schwerer Lasten) auf das Leistengewebe zu groß und der Leistenkanal bricht. Das Bauchfell wölbt sich dann sackartig nach außen und es kann passieren, dass Teile des Darms durch die Lücke im Leistenkanal heraustreten.

Indirekter und direkter Leistenbruch

Die meisten Patienten haben einen indirekten Leistenbruch: Hier tritt der Bruchsack seitlich durch den Leistenkanal und kann bis zum Hodensack bzw. den Schamlippen vordringen.

Der indirekte Leistenbruch ist in den meisten Fällen angeboren: Er beruht dann auf einem nicht vollständig verschlossenen Leistenkanal. Normalerweise wird der Leistenkanal vom Bauchfell auskleidet, bis er sich zur Geburt zurückbildet und meist bis zum Ende des 1. Lebensjahres komplett verschließt. Passiert dies nicht, entsteht oft ein angeborener indirekter Leistenbruch. Babys, Kinder und junge Menschen sind am häufigsten betroffen, und zwar Jungen häufiger als Mädchen.

Selten entwickelt sich ein indirekter Leistenbruch erst später im Leben (erworbener indirekter Leistenbruch).

Dagegen ist der direkte Leistenbruch immer erworben. Er entsteht an einer Schwachstelle in der Wand des Leistenkanals. Der Bruchsack schiebt sich auf direktem Weg durch die Bauchwand, gelangt also nicht bis in die Genitalregion. Verschiedene Faktoren können diese Wandschwäche und damit den direkten Leistenbruch begünstigen (wie Operationen oder verschiedenen Erkrankungen: siehe unten). Meistens entwickeln Erwachsene diese Form von Leistenbruch. Frauen sind dabei relativ selten betroffen. In der Regel sind die Patienten ältere Männer.

Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Faktoren, die einen Leistenbruch begünstigen, etwa weil sie mit einer Gewebeschwäche einhergehen (wie das Marfan-Syndrom) oder den Druck im Bauchraum erhöhen (wie Verstopfung oder ständiges Husten bei starken Rauchern oder COPD). Zu diesen Risikofaktoren für Leistenbruch zählen:

  • Divertikulose (Ausstülpung der Darmwand)
  • Krampfadern (Varizen)
  • Marfan-Syndrom (genetisch bedingte Bindegewebserkrankung)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Asthma
  • COPD
  • zystische Fibrose (Mukoviszidose)
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Fehlbildungen des Harntrakts und der Genitalien

Bei Kindern kann es durch Nabelhernien (Omphalozele) oder einen Darmvorfall (Gastroschisis) zu einem erhöhten Druck im Bauchraum kommen. Die mögliche Folge davon ist ein Leistenbruch. In der Schwangerschaft kann die Gewichtsbelastung in der Leistengegend eine Hernie verursachen. Kinder, die als Frühgeburt zur Welt kamen, sind ebenfalls anfälliger für eine Leistenhernie.

Außerdem tritt der Leistenbruch in manchen Familien gehäuft auf. Das spricht dafür, dass auch die Gene mit eine Rolle spielen.

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Leistenbruch: Untersuchungen und Diagnose

Gehen Sie bei Verdacht auf einen Leistenbruch zügig zum Arzt. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt bzw. Kinderarzt sein. Behandelt wird eine Leistenhernie dann aber meist von spezialisierten Chirurgen.

Zuerst wird der Arzt im sogenannten Anamnese-Gespräch die Krankengeschichte erheben. Dabei kann er zum Beispiel folgende Fragen stellen:

Video: Leistenbruch. Medizin im Gespräch (August 2020).

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