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Legasthenie

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Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der lifelikeinc.com und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Mehr über die lifelikeinc.com-ExpertenBei Menschen mit Legasthenie (auch: Lese-Rechtschreibstörung, LRS) ist die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben vermindert. Das bedeutet aber nicht, dass Legastheniker weniger intelligent sind: Sie können schlicht die gesprochene Sprache nur schwer in die geschriebene umwandeln und umgekehrt. Jungen sind davon häufiger betroffen als Mädchen. Die Legasthenie wird meist im Grundschulalter diagnostiziert. Sie kann durch spezielle Förderung positiv beeinflusst werden. Lesen Sie hier alles Wichtige über Legasthenie!

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F81ArtikelübersichtLegasthenie

  • Symptome
  • Sonderfall: Dyslexie
  • Behandlung
  • Ursachen
  • Diagnose
  • Verlauf & Prognose

Kurzübersicht

  • Symptome: unterschiedlich stark ausgeprägt, u. a. Verdrehen, Verwechseln oder Auslassen von Buchstaben, langsames Lesen, Schwierigkeiten mit Groß- und Kleinschreibung. Auch psychische Probleme infolge der Lese-Rechtschreibstörung sind möglich.
  • Ursachen: vermutlich genetisch bedingt
  • Häufigkeit: Schätzungsweise drei bis fünf Prozent der Grundschulkinder sind Legastheniker - Jungen etwa dreimal häufiger als Mädchen. Die Legasthenie findet sich in allen sozialen Schichten.
  • Diagnose: beim (Kinder)Arzt über gezielte Fragen, Hör-/Seh- und Lese-/Schreibtests
  • Behandlung: gezielte Fördermaßnahmen, schulische Entlastung (Notendruck) und Verständnis
  • Prognose: bei frühzeitiger Therapie lassen sich Defizite verringern
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Legasthenie: Symptome

Albert Einstein, Leonardo da Vinci und Galileo Galilei hatten etwas gemeinsam: Gemeint ist nicht ihre Genialität - alle drei hatten auch Legasthenie, auch Lese-Rechtschreibstörung (LRS) oder spezielle Lese-Rechtschreibschwäche genannt. Legasthenie schließt also eine (Hoch)Begabung in anderen Bereichen nicht aus. So liegen bei Legasthenikern die übrigen schulischen Leistungen meist im Normbereich. Studien deuten darauf hin, dass bei den Betroffenen nur die fürs Lesen und/oder Schreiben zuständigen Hirnareale eingeschränkt arbeiten.

Die Symptome der Legasthenie können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Die meisten Betroffenen haben sowohl eine Lesestörung als auch eine Rechtschreibstörung. Es gibt aber auch Legastheniker, die nur eine der beiden Störungen aufweisen.

Symptome einer Lesestörung: Die Betroffenen brauchen oft viel Zeit für den Lesebeginn, lesen meist sehr langsam und geben Worte falsch wieder. Häufig lassen sie Wortteile aus, verdrehen oder ersetzen sie. Sie vertauschen unter Umständen Buchstaben oder Wörter, so dass sie nicht richtig verstehen, was sie gerade gelesen haben.

Symptome einer Rechtschreibstörung: Die Betroffenen schreiben Wörter oftmals so, wie sie sie gehört haben. Sie verwechseln deshalb recht häufig Buchstaben (etwa b mit p, c mit k oder p mit q). Manchmal lassen sie Buchstaben auch ganz weg (z. B. Wahrheit ohne „h“) oder fügen sie in falscher Reihenfolge ein. Sie setzen oft auch Worttrennungen falsch und haben Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung.

Sonstige Anzeichen: Legasthenie ist für betroffene Schulkinder eine Belastung. Da sie sich unbekannte Wörter mühsam erarbeiten müssen, geraten sie in Klassenarbeiten oft unter Zeitdruck. Auch dass sie meist viele Fehler machen, ist psychisch belastend. Entsprechend haben (junge) Legastheniker oft wenig Selbstbewusstsein und Angst vor der Schule. Das kann sich vor Prüfungen zu regelrechten Panikattacken und/oder physischen Symptomen wie Bauchschmerzen auswachsen. Sogar Depressionen sind möglich.

Zusammen mit einer Lese- und/oder Rechtschreibstörung tritt manchmal auch eine verminderte Rechenfähigkeit (Dyskalkulie) auf.

Nicht verwechseln mit Lese- und Rechtschreibschwäche!

Eine Legasthenie ist etwas anderes als eine "normale" Lese- und Rechtschreibschwäche. Letztere kann zeitweise auftreten, etwa wenn ein Kind ungünstigen psychosozialen Faktoren wie Wohnungswechsel oder Scheidung der Eltern ausgesetzt ist. Genetische Faktoren spielen hier keine Rolle. Das Kind kann - mithilfe einer kinderpsychologischen Begleitung - in den meisten Fällen seine Lese- und Schreibprobleme wieder lösen.

Eine Lese-Rechtschreibschwäche wird also nur, wenn sie genetisch bedingt ist, als Legasthenie bezeichnet. Manchmal wird dafür auch der Begriff "spezielle Lese-Rechtschreibschwäche" verwendet.

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Sonderfall: Dyslexie

Eine Dyslexie ist eine Lesestörung, die häufig im Rahmen einer Legasthenie auftritt. Sie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und durch genetische Faktoren begünstigt werden. Öfter als eine solche angeborene Dyslexie ist jedoch die erworbene Dyslexie: Hier wurde das Gehirn beziehungsweise die für das Lesen zuständige Hirnregion durch einen Unfall oder Schlaganfall geschädigt.

Typischerweise verlangsamt sich die Lesegeschwindigkeit bei Dyslexie drastisch. Oft verstehen Betroffene das Gelesene nicht, verrutschen in der Zeile oder verdrehen Buchstaben.

Ein Arzt kann mittels verschiedener Untersuchungen und eines speziellen Tests Dyslexie feststellen. Mit viel Verständnis, einer speziellen Förderung und einer angepassten Leistungsbewertung in der Schule kann man betroffenen Kindern wirksam helfen.

Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Dyslexie.

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Legasthenie: Behandlung

Eine Legasthenie sollte möglichst früh therapiert werden. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind Förderungsmaßnahmen erfolgsversprechender, wenn sie frühzeitig angewendet werden. Zum anderen ist bei einem frühen Therapiebeginn je nach Ausprägung der Störung die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Betroffene die Schule abbrechen oder nur schwer eine qualifizierte Berufsausbildung bekommen.

Das Wichtigste ist: Das betroffene Kind sollte von Eltern und Lehrern viel Verständnis und Geduld erfahren. Leistungsdruck zuhause und in der Schule kann die Legasthenie nämlich verschlimmern. Das Gleiche gilt für Kränkungen durch Mitschüler. Solche ungünstigen Reaktionen des Umfelds auf die Lernstörung können zudem das Risiko erhöhen, dass der Legastheniker psychisch erkrankt. Das Kind muss diesem Teufelskreis möglichst schnell entzogen werden.

Zudem lässt sich eine Legasthenie durch gezielte Therapie-Maßnahmen positiv beeinflussen. Meistens ist dafür eine außerschulische Förderung nötig. Die Kinder trainieren dabei mit speziellen Lese- und Schreibübungen. Dabei kommen rhythmische Lesehilfen oder Computerprogramme zum Einsatz.

Häufig benötigen die Kinder über die Förderung hinaus psychotherapeutische Unterstützung. Das gilt besonders dann, wenn begleitend eine psychische Erkrankung (wie Depression) auftritt. Depressionen können verhindern, dass sich die Lese- und Schreibfähigkeit des Kindes verbessert.

Durch einen Nachteilsausgleich (umgangssprachlich Legasthenie-Erlass, LRS-Erlass) werden die schulischen Leistungen eines Kindes mit Legasthenie im Sinne eines „Notenschutzes“ anders bewertet. So sollen Nachteile für das Kind, die sich durch die Lernstörung ergeben, ausgeglichen und das Kind von schulischem Druck etwas entlastet werden. Das kann zwar auch zur Stigmatisierung führen. Oft aber ist das betroffene Kind (und die Familie) froh, eine Diagnose zu haben und baut dank des „Notenschutzes“ Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl auf.

Der Nachteilsausgleich wird in jedem Bundesland vom jeweiligen Kultusministerium festgelegt. Hat ein Arzt mittels Legasthenie-Tests die Lernstörung diagnostiziert, kann ein Antrag auf einen solchen Ausgleich gestellt werden.

Video: Dumm und faul? Mein Kind hat Legasthenie. Gott und die Welt (August 2020).

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