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Kurzsichtigkeit

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Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine häufige Form der Fehlsichtigkeit und hat oft gar keinen Krankheitswert. Sie kann schon in der Kindheit auftreten und sich im Laufe des Lebens von selbst bessern oder verschlechtern. Kurzsichtigkeit lässt sich mit Brille, Kontaktlinsen oder Operation gut behandeln. Nur selten treten gefährliche Folgeerkrankungen auf. Hier lesen Sie alles Wichtige über Kurzsichtigkeit.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. H52

"Eine Kurzsichtigkeit von mehr als -3 Dioptrien erhöht das Risiko für eine Netzhautablösung. Lassen Sie Ihre Augen also regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren."

Dr. med. Mira SeidelArtikelübersichtKurzsichtigkeit
  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Kurzsichtigkeit: Beschreibung

Die Kurzsichtigkeit ist eine angeborene oder erworbene Fehlsichtigkeit des Auges. Wer kurzsichtig ist, kann meistens in der Nähe noch gut sehen, während Gegenstände in der Ferne verschwommen erscheinen (bei Weitsichtigen ist es genau umgekehrt). Ein kurzsichtiger Mensch sieht also nicht generell schlechter. Im Nahbereich kann er einem Normalsichtigen sogar überlegen sein. Wie ausgeprägt die Fehlsichtigkeit ist, misst man in Dioptrie (dpt). Kurzsichtig ist jemand mit einem negativen Messwert, und zwar umso mehr, je höher die Ziffer nach dem Minus ist. Ein Messwert von -12 dpt beispielsweise beschreibt eine hochgradige Myopie, also eine starke Kurzsichtigkeit.

Genau genommen handelt es sich bei der Kurzsichtigkeit meistens gar nicht um eine Krankheit. Bis zu einer Fehlsichtigkeit von minus sechs Dioptrien gilt sie nur als eine Anomalie, also eine Abweichung vom Durchschnittswert. Erst bei stärkerer Fehlsichtigkeit liegt eine pathologische (krankhafte) Myopie vor.

Der Anteil kurzsichtiger Menschen in verschiedenen Altersgruppe variiert. Laut Statistischem Bundesamt gibt es bis zum Alter von ungefähr 40 Jahren fast viermal so viele Kurzsichtige wie Weitsichtige. Danach nimmt der Anteil der Weitsichtigen zu. Ab dem 50. Lebensjahr etwa sind fast doppelt so viele Menschen weitsichtig wie kurzsichtig. Weitsichtigkeit tritt also eher bei älteren Menschen auf, während Kurzsichtigkeit bei Kindern und jungen Menschen häufiger ist. Männer sind etwas seltener fehlsichtig als Frauen.

Myopia simplex und Myopia maligna

Experten unterscheiden eine Myopia simplex (einfache Kurzsichtigkeit) von einer Myopia maligna (bösartige Kurzsichtigkeit):

Die Myopia simplex wird auch als Schul-Myopie bezeichnet. Sie beginnt in der Schulzeit, meistens um das zehnte bis zwölfte Lebensjahr herum. Sie kann sich in den Folgejahren verschlechtern, um dann ab dem 20. Lebensjahr meist stabil zu bleiben. Die meisten Betroffenen erreichen mit dieser Form der Kurzsichtigkeit Dioptrien von allenfalls -6 dpt. Bei einem kleinen Teil kann sich die Kurzsichtigkeit bis -12 dpt verschlechtern und stabilisiert sich erst bis zum 30. Lebensjahr.

Die Myopia maligna hingegen schreitet auch im weiteren Erwachsenenalter voran. Sie hat daher echten Krankheitswert.

Kurzsichtigkeit bei Kindern

Kinder von kurzsichtigen Eltern leiden häufiger ebenfalls an Kurzsichtigkeit. Dies legt nahe, dass Kurzsichtigkeit auch eine erbliche Komponente hat. Kurzsichtige Eltern sollten daher ihre Kinder möglichst früh von einem Augenarzt untersuchen lassen. Er kann schon im ersten Lebensjahr eine Myopie diagnostizieren. Spätestens im Vorschulalter sollte eine Augenuntersuchung stattfinden. Ein gutes Sehvermögen ist nämlich wichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes. Außerdem kann das Spielen im Freien oder die Teilnahme am Straßenverkehr mit unbehandelter Kurzsichtigkeit gefährlich sein. Ob eine Brille oder Kontaktlinsen als Sehhilfe für Ihr Kind geeignet sind, kann der Augenarzt mit Ihnen besprechen. Eine richtig eingestellte Brille verschlechtert die Augen nicht. Schreitet die Kurzsichtigkeit wachstumsbedingt voran, kann dies mit und ohne Brille nicht verhindert werden.

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Kurzsichtigkeit: Symptome

Kurzsichtige Augen sind auf die Nahsicht eingestellt und sehen in diesem Bereich manchmal sogar schärfer als Menschen mit Normalsichtigkeit. Auf einen Gegenstand in der Ferne können Kurzsichtige ihre Augen aber nicht scharf einstellen. Er erscheint daher verschwommen. Auf welche Entfernung ein Kurzsichtiger gut sehen kann, hängt von seiner Sehstärke ab: Betroffene mit einer Dioptrienzahl von -1 dpt können bis zu einem Meter entfernte Gegenstände scharf erkennen. Menschen mit -12 dpt nur noch Gegenstände in ungefähr acht Zentimeter Entfernung.

Kurzsichtigkeit kann neben der beeinträchtigten Fernsicht weitere Symptome hervorrufen. Im Laufe des Lebens verflüssigt sich der Glaskörper im Auge. Bei Kurzsichtigkeit geschieht dies oft schneller als bei Normalsichtigen. Schwimmen Schlieren im Glaskörper herum, können Betroffene Schatten im Blickfeld sehen.

Außerdem kann eine starke Kurzsichtigkeit weitere Krankheiten begünstigen. Beispielsweise kann das Kammerwasser schlechter abfließen. Erhöht sich dadurch der Augeninnendruck, kann ein Offenwinkelglaukom entstehen, bei dem der Sehnerv geschädigt wird. Bei der malignen Myopie kann die Netzhaut so stark gedehnt werden, dass sie sich leichter löst (Netzhautablösung). Dadurch kann sich das Sehen plötzlich verschlechtern.

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Kurzsichtigkeit: Ursachen und Risikofaktoren

Bei fehlsichtigen Menschen passt die Brechkraft des Auges nicht zum Abstand der Netzhaut. Zum besseren Verständnis kann man das Auge mit einer Kamera vergleichen: Dabei entspricht das Objektiv der Hornhaut und Linse. Die Netzhaut lässt sich mit dem Film vergleichen. Einfallende Lichtstrahlen werden von Hornhaut und Linse gebrochen und in einem Punkt gebündelt. In diesem Punkt entsteht ein scharfes Bild. Damit wir es wahrnehmen können, muss dieser Punkt auf der Netzhautebene liegen.

Um sowohl nahe als auch weit entfernte Gegenstände klar sehen zu können, müssen die Augen ihre Brechkraft verändern (akkommodieren). Dazu wird die Form der Augenlinse, die für die Brechung der Lichtstrahlen zuständig ist, mittels Muskelkraft verändert: Wird die Augenlinse in die Länge gezogen, wird sie flacher - ihre Brechkraft sinkt. Dann kann sie ferne Gegenstände klar abbilden. Eine weniger straff gespannte, also kugelförmigere Linse besitzt dagegen eine größere Brechkraft - nahe Gegenstände können nun scharf abgebildet werden.

Bei Kurzsichtigkeit besteht ein Missverhältnis zwischen der Brechkraft des Auges und der Länge des Augapfels: Beim Blick in die Ferne treffen sich die Lichtstrahlen selbst bei entspannter Linse nicht auf der Netzhaut, sondern schon ein Stück davor, sodass sie nur ein unscharfes Bild erzeugen.

Für das Missverhältnis zwischen Brechkraft und Achsenlänge bei Kurzsichtigkeit kann es unterschiedliche Ursachen geben. Meistens liegt eine Achsen-Myopie vor. Dabei ist der Augapfel länger als bei Normalsichtigen und die Netzhaut dadurch weiter von Hornhaut und Linse entfernt. Ein nur ein Millimeter längerer Augapfel kann eine Kurzsichtigkeit von -3 dpt. hervorrufen. Bei der seltenen Brechungs-Myopie ist der Augapfel normal lang, aber die Brechkraft von Hornhaut und Linse zu stark (etwa weil der Radius der Hornhaut ungewöhnlich klein ist oder die Linsenbrechkraft aufgrund von Diabetes oder einem Katarakt verändert ist).

Risikofaktoren für Kurzsichtigkeit

Es gibt einige Krankheiten, bei denen es häufiger zu Kurzsichtigkeit kommt, zum Beispiel bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), wenn die Blutzuckerwerte schlecht eingestellt sind. Bei Normalisierung des Blutzuckers kann die Myopie wieder verschwinden.

Auch eine Form von Grauem Star (der sogenannte Kernstar) kann eine Kurzsichtigkeit begünstigen. Er tritt gehäuft bei älteren Menschen auf: Schon bevor sie die Linsentrübung bemerken, können sie manchmal plötzlich wieder ohne Lesebrille lesen. Der Graue Star kann vorübergehend die Nahsicht durch die ebenfalls auftretende Kurzsichtigkeit verbessern, die Fernsicht verschlechtert sich allerdings.

Bei einigen Krankheits-Syndromen tritt häufig eine (starke) Kurzsichtigkeit auf. Die Krankheiten sind teilweise genetisch bedingt und können vererbt werden. Dazu zählen beispielsweise das Marfan-Syndrom und das Down-Syndrom. Hier treten neben der Kurzsichtigkeit Symptome auch in anderen Organen auf.

Kurzsichtigkeit bei Kindern wird durch eine Frühgeburt begünstigt.

In manchen Fällen ist die Myopie die Folge eines Unfalls, bei dem die Linsenfasern sich gelockert haben oder rissen.

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Kurzsichtigkeit: Untersuchungen und Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei einer Kurzsichtigkeit ist ein Facharzt für Augenheilkunde (Ophthalmologe). Folgende Fragen könnte er Ihnen beim Erstgespräch stellen:

  • Wann haben Sie eine Sehverschlechterung bemerkt?
  • Ist diese plötzlich oder schleichend eingetreten?
  • Wann beeinträchtigt Sie die Sehverschlechterung am meisten?
  • Wie äußert sich die Sehverschlechterung? (Verschwommensehen? Farbsehstörungen?)
  • Wann wurden Ihre Augen das letzte Mal untersucht?
  • Leiden Sie an weiteren Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes?
  • Sind in Ihrer Familie weitere Personen kurzsichtig?
  • Gibt es Erbkrankheiten in Ihrer Familie?

Danach wird er Sie bitten, in ein Gerät auf einen weit entfernten Gegenstand (oft handelt es sich um ein farbiges Kreuz) zu schauen. Während das Gerät die Brechkraft des Auges misst, sollen Sie die Augen offen halten. Außerdem wird Ihr Augenarzt Sie auffordern, eine Reihe von unterschiedlich großen Zahlen oder Buchstaben an der Wand vorzulesen. Teilweise werden verschiedene Brillengläser vor das Auge gehalten. Der Augenarzt fragt Sie, ob das Bild dadurch schärfer wird. Außerdem schaut er mit einem hellen Licht und einer Lupe in Ihre Augen. Manchmal ist es notwendig, die Augen mit speziellen Augentropfen vor der Untersuchung weit zu stellen. Hinterher sehen Sie eine Zeit lang noch sehr verschwommen und dürfen daher für einige Stunden nicht am Straßenverkehr teilnehmen.

Eine umfassende Augenuntersuchung beinhaltet noch weitere Methoden. Um etwa das räumliche Sehen zu überprüfen, zeigt der Augenarzt Ihnen Karten, bei denen ein Gegenstand aus der Karte herauszukommen scheint. Außerdem müssen Sie angeben, ob Sie ein Kästchenmuster als gerade oder gebogen wahrnehmen. Um eine Farbsehschwäche auszuschließen, müssen Sie Zahlen oder Muster von verschiedenfarbigen Punkten erkennen.

Da Kurzsichtigkeit manchmal zu einem erhöhten Augeninnendruck führt, rät der Arzt zu einer entsprechenden Messung. Da eine Kurzsichtigkeit weitere Augenveränderungen hervorrufen kann, sollten Betroffene sich etwa einmal jährlich von ihrem Augenarzt untersuchen lassen.

Video: Kurzsichtigkeit. SWR odysso (August 2020).

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