Krankheiten

Krätze

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Die Krätze (mediz. Scabies) ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch Milben verursacht wird. Die Infektion geschieht meist durch engen Hautkontakt mit Erkrankten. Die Parasiten und deren Ausscheidungen lösen eine allergische Reaktion mit Ausschlag und starkem Juckreiz aus. Krätze lässt sich aber sehr wirksam behandeln. Lesen Sie hier das Wichtigste zur Ansteckung, Symptomen und Therapie der Krätze.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. B86ArtikelübersichtKrätze

  • Ansteckungsgefahr
  • Symptome
  • Behandlung
  • Ursachen
  • Beschreibung
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Prognose

Krätze: Kurzübersicht

  • Ansteckung: über längeren, intensiven Körperkontakt (Umarmung, Geschlechtsverkehr), gemeinsames Schlafen, Pflege Erkrankter, enges Zusammenleben, gemeinsame Nutzung von Handtüchern oder Kleidung, gemeinsames Spielen
  • Symptome: kleine Pusteln/Bläschen, kleine, rötlich-braune Milbengänge an warmen Körperstellen (zwischen Fingern und Zehen, innere Fußränder, Achselbereich, um die Brustwarzenvorhof, Penisschaft, Analregion), starker Juckreiz, Brennen (nachts verstärkt) allergieähnlicher Hautausschlag.
  • Behandlung: äußerlich angewendete Insektizide (Ganzkörperbehandlung), Tabletten
  • Prognose: meist sehr schneller und zuverlässiger Behandlungserfolg, Hautirritationen können aber noch länger bestehen. Keine Immunität, wiederholte Infektionen möglich
  • Meldepflicht: an das Gesundheitsamt bei Befall mehrerer Personen in Gemeinschaftseinrichtungen (wenn ein Zusammenhang wahrscheinlich ist)
  • Wichtig: zeitgleiche Mitbehandlung aller Kontaktpersonen des Erkrankten erforderlich!
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Wo können Sie sich mit Krätze anstecken?

Infektionskrankheiten sind ansteckend, das gilt auch für die Krätze. „Ansteckung“ oder „Infektion“ werden im Zusammenhang mit Krätze manchmal auch als „Infestation“ bezeichnet, ein Begriff, der eine Besiedlung des Körpers mit Parasiten beschreibt.

Die Übertragung der Krätze erfolgt durch direkten Hautkontakt mit erkrankten Personen. Es gibt also in der Regel keinen (tierischen) Zwischenwirt, wie das bei vielen anderen Parasitenerkrankungen der Fall ist. Für die Übertragung muss zudem ein längerer Körperkontakt bestehen, damit die Milben von einem Wirt auf den nächsten wandern können. Das ist zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr der Fall, weshalb Krätze auch zu den sexuell übertragbaren Krankheiten gezählt wird.

Typische Übertragungswege sind zudem beispielsweise:

  • gemeinsames Schlafen in einem Bett
  • Körperpflege von Kleinkindern durch die Eltern oder von Kranken durch Pflegende
  • Liebkosen und Kuscheln
  • gemeinsames Spielen

Entgegen der weitverbreiteten Meinung spielen kontaminierte Gegenstände als Ansteckungsweg eine geringere Rolle. Denn die Milben verlieren bei Raumtemperatur innerhalb weniger Stunden ihre Infektiosität. Dennoch ist eine Ansteckung beispielsweise über einen kontaminierten Teppichboden, gemeinsam genutzte Bettwäsche, Kleidung oder Handtücher möglich. Auch Möbel oder medizinische Instrumente, mit denen der Patient in Kontakt kam, sollten immer gereinigt werden sollten.

Körperhygiene spielt nur eine geringe Rolle

Was laut neueren Studien hingegen weit weniger ins Gewicht fällt als gedacht, ist die Körperhygiene. So lässt sich das Infektionsrisiko auch bei intensiver Körperhygiene kaum senken. Bei der Stärke der Ausprägung der Krätze spielt die Köperpflege allerdings sehr wohl eine Rolle. Denn je schlechter die Körperhygiene desto mehr Milben tummeln sich auf der Haut.

Kurze Berührungen wie etwa Händeschütteln reichen in der Regel nicht aus, um sich mit Krätze anzustecken. Dennoch sollte der Körperkontakt mit Infizierten ohne Schutzkleidung nach Möglichkeit gänzlich vermieden werden.

Vorsicht bei der Borkenkrätze

Eine Besonderheit stellt die Scabies norvegica dar. Bei dieser Form der Krätze leiden die Betroffenen unter einem sehr dichten Milbenbefall, meistens aufgrund einer Immunschwäche. Während bei Patienten mit einer normalen Krätze selten mehr als 12 bis 30 Milbengänge gleichzeitig zu finden sind, können bei der Borkenkrätze mehrere Millionen aktive Tiere vorhanden sein.

Je mehr Milben, desto höher die Ansteckungsgefahr. Jede Hautschuppe, die ein Mensch mit Scabies norvegica verliert, kann mit mehreren tausend Milben besetzt sein. Umso wichtiger ist es dann, Erkrankte zu isolieren und im Umgang mit Ihnen sowie in ihrer Umgebung Schutzkleidung zu tragen.

Mehrwöchige Inkubationszeit

Bei Krätze kann die Inkubationszeit mehrere Wochen betragen: Die typischen Krätze-Symptome treten also erst zwei bis fünf Wochen nach der ersten Infektion auf. Bei erneuten Ansteckungen kommt es bereits nach wenigen Tagen zu Krankheitszeichen. Ohne Therapie lässt sich die Krätze meist nicht vollständig heilen, obwohl Fälle von spontanen Heilungen beschrieben sind.

Besteht bei Krätze Meldepflicht?

Krätze ist laut Infektionsschutzgesetz dann meldepflichtig, wenn sie in Gemeinschaftseinrichtungen ausbricht. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Kindergärten
  • Alten- und Kinderheime
  • Schulen
  • Flüchtlingsunterkünfte, Asylbewerberheime

Die Leitung der Einrichtung muss, sobald sie Kenntnis vom Krätzebefall hat, diesen dem zuständigen Gesundheitsamt melden und auch die persönlichen Daten des/der Erkrankten angeben. Eine grundsätzliche Meldepflicht von Einzelfällen besteht nicht, bei zwei oder mehr Erkrankungen mit vermutetem Zusammenhang dagegen wohl.

An Krätze Erkrankte dürfen nicht in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten beziehungsweise Kontakt zu den dort Betreuten haben.

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Krätze: Symptome

Die Krätze-Symptome sind zwar typisch, aber trotzdem werden sie oftmals nicht erkannt und mit Allergien oder anderen Krankheiten verwechselt. Das kann auch daran liegen, dass die Krätze in Deutschland sehr selten geworden ist.

Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Symptomen der Krätze:

Direkte Krätze-Symptome

Die sogenannten Milbengänge: Die Parasiten graben kleine Tunnel in die obere Hautschicht, die sich als maximal zwei bis drei Zentimeter lange, unregelmäßig gewundene („kommaförmige“) Milbengänge zeigen können. Wenn diese mit dem bloßen Auge sichtbar sind, erscheinen sie bräunlich-rötlich.

Oftmals lassen sich trotz einer Infektion keine Gänge mit bloßem Auge entdecken. Zum Beispiel, wenn sie von anderen Hauterscheinungen überdeckt werden, oder die Hautfarbe sehr dunkel ist.

Die Zahl der Milbengänge kann in Abhängigkeit des Krankheitsstadiums variieren. Ein ansonsten gesunder Mensch hat normalerweise nicht mehr als elf bis zwölf Milbengänge, während in der Haut von immungeschwächten Patienten mehrere zehntausend oder sogar Millionen (Scabies crustosa) vorhanden sein können.

Auch bei Menschen mit gesundem Immunsystem können zeitweise einige hundert Milbengänge vorliegen, meist ist das etwa drei bis vier Monate nach der Ansteckung der Fall. Nach kurzer Zeit geht die Anzahl der Milbengänge aber stark zurück.

Die Körperhygiene hat nur einen geringen Einfluss auf die Milbenzahl. Schlecht gepflegte Menschen haben eventuell einige Milben mehr in ihrer Haut.

Indirekte Krätze-Symptome: Die Antwort des menschlichen Immunsystems auf die Krätzmilben ist meisten der Auslöser der Hauptsymptome. Juckreiz ist das klassische Krätze-Symptom, das Kratzen hat der Krankheit ihren Namen gegeben:

  • starker Juckreiz (Pruritus) oder/und leichtes Brennen der Haut
  • Bläschen und Pusteln, eventuell auch Knötchen. Die Bläschen sind mit Flüssigkeit oder Eiter gefüllt, enthalten aber keine Milben. Sie können einzeln oder in Gruppen vorliegen.
  • Hautausschläge (Exantheme)
  • Krusten (nach dem Aufplatzen der flüssigkeitsgefüllten Bläschen)

Wie bei einigen anderen Hauterkrankungen auch, ist der Juckreiz bei Krätze nachts im warmen Bett meist viel stärker als tagsüber.

Wo zeigen sich die Krätze-Symptome?

Die trächtigen Milbenweibchen bohren Gänge in die Haut, um dort ihre Eier abzulegen. Sie suchen dafür bevorzugt Stellen auf, an denen die Haut dünn und besonders warm ist. Dazu zählen:

  • die Bereiche zwischen den Fingern und Zehen (Interdigitalfalten) sowie die inneren Fußränder
  • die Handgelenke
  • die Achselregionen
  • die Brustwarzenvorhöfe und der Nabel
  • der Penisschaft und der Bereich um den Anus

Der Rücken ist nur selten betroffen, Kopf und Nacken bleiben für gewöhnlich verschont. Bei Babys und Kleinkindern dagegen kann der Milbenbefall auch im Gesicht, am behaarten Kopf sowie an den Hand- und Fußsohlen auftreten.

Die typischen Krätze-Symptome sieht man hauptsächlich dort, wo die Milben sitzen. Sie können aber auch darüber hinausgehen und in manchen Fällen sogar den gesamten Körper betreffen. Letzteres gilt vor allem für die Hautausschläge (Exantheme).

Sonderformen der Krätze und ihrer Symptome

Die Krätze lässt sich, je nach Ausprägung und Art der Symptome, in bestimmte Sonderformen einteilen:

  • Krätze bei Neugeborenen und Säuglingen
  • gepflegte Scabies
  • nodöse Scabies
  • bullöse Scabies
  • Scabies norvegica (crustosa), auch Borkenkrätze genannt

Im Rahmen einiger Sonderformen der Erkrankung können die genannten Krätze-Symptome variieren beziehungsweise weitere dazukommen.

Gepflegte Scabies

Bei Betroffenen, die eine intensive Körperpflege inklusive Einsatz von Kosmetika betreiben, zeigen sich die beschriebenen Hautveränderungen oft nur sehr dezent, was die Diagnose erschweren kann. Man spricht dann von einer gepflegten Scabies.

Nodöse und bullöse Scabies

Die nodöse Scabies zeichnet sich durch die Entstehung stark juckender rötlich-bräunlicher Knötchen aus. Diese enthalten keine Milben und bleiben manchmal noch Monate nach einer erfolgreichen Abtötung der Parasiten bestehen.

Bilden sich im Rahmen der Krätze besonders viele kleinere und größere Blasen (Vesiculae, Bullae), dann ist von einer bullösen Scabies die Rede. Diese Verlaufsform findet man vermehrt bei Kindern.

Scabies norvegica (Scabies crustosa)

Die oben bereits erwähnte Borkenkrätze (Scabies norvegica oder S. crustosa) unterscheidet sich aufgrund des massiven Milbenbefalls deutlich von der normalen Variante der Krätze. Es kommt zu einer Hautrötung am ganzen Körper (Erythrodermie) sowie zur Bildung von kleinen und mittelgroßen Schuppen (psoriasiformes Bild).

An den Hand- und Fußflächen entstehen dicke Hornhautschichten (Hyperkeratosen). Bevorzugt an Fingern, Handrücken, Handgelenken und Ellenbogen können sich bis zu 15 Millimeter dicke Borken bilden. Unter diesen Krusten (die übrigens nicht von aufgeplatzten Bläschen herrühren) erscheint die Haut rot und feucht-glänzend. Die Borken sind meist auf ein bestimmtes Areal begrenzt, können sich aber auch Richtung Kopfhaut, Rücken, Ohren und Fußsohlen ausbreiten.

Zu beachten ist, dass hier der Juckreiz - das typischste der Krätze-Symptome - oftmals völlig fehlen kann.

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Krätze: Behandlung

Die Krätze-Behandlung geht schnell, schmerzlos und unkompliziert - zumindest in den meisten Fällen. Unter bestimmten Umständen kann die Therapie der parasitären Hauterkrankung allerdings Schwierigkeiten bereiten, beispielsweise wenn mehrere Menschen innerhalb einer Gemeinschaftseinrichtung betroffen sind. Auch der Zustand des Immunsystems der Patienten spielt eine Rolle, und bei einigen Patientengruppen gibt es Abweichungen im Behandlungskonzept.

Wichtigstes Ziel der Krätze-Behandlung ist es, die Parasiten abzutöten, die die Erkrankung verursachen. Dafür stehen verschiedene Medikamente bereit, die mit einer Ausnahme alle direkt auf die Haut aufgetragen werden:

Permethrin: Das Insektizid wird als Creme auf die gesamte Körperoberfläche aufgetragen und gilt als Mittel der ersten Wahl. Nur in Ausnahmen greift der Arzt zu Alternativen.

Allethrin: Wird in Kombination mit Piperonylbutoxid als Spray eingesetzt, wegen etwaiger Komplikationen aber nur verwendet, wenn eine Therapie mit Permethrin nicht möglich ist.

Benzylbenzoat: Hat zwar eine hohe Wirksamkeit gegen die Milben, wird aber aufgrund der relativ komplizierten Anwendung ebenfalls nur in Ausnahmen eingesetzt.

Ivermectin: Wird auch als Wurmmittel angewendet und im Gegensatz zu den anderen Medikamenten der Krätze-Behandlung in Tablettenform eingenommen.

Bis vor einigen Jahren wurde auch Lindan noch häufiger als Alternative zu Permethrin eingesetzt, jedoch verzichtet man mittlerweile weitestgehend darauf, da dieses Insektizid ziemlich giftig ist.

In Entwicklungsländern verwendet man in der Krätze-Behandlung neben dem kostengünstigen Benzylbenzoat auch noch vermehrt schwefelhaltige Präparate. In Deutschland spielen diese aufgrund des unangenehmen Geruchs beim Auftragen und der möglichen Giftigkeit keine Rolle mehr.

Studien zufolge rufen die gängigen Medikamente zur Krätze-Behandlung nur sehr selten Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Durchfall und Kopfschmerzen hervor.

Allethrin kann bei Patienten mit vorbestehenden Erkrankungen der Bronchien und Lungen zu ernsthaften Komplikationen im Bereich der Atemwege führen und sollte daher bei diesen Personen nicht angewendet werden.

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