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Knochenentzündung

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Die Knochenentzündung ist eine bakterielle Infektion der Knochenrinde oder des Knochenmarks (Osteomyelitis). Symptome sind meist Schmerzen der betroffenen Knochen oder Gelenke, ein allgemeines Krankheitsgefühl und Mattheit. Behandelt wird die Knochenentzündung mit Antibiotika, in schweren Fällen auch mit einer Operation. Im Falle einer rechtzeitigen Behandlung ist eine vollständige Ausheilung meist problemlos möglich. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Knochenentzündung.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. M86ArtikelübersichtKnochenentzündung

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Knochenentzündung: Beschreibung

Eine Knochenentzündung ist eine Entzündung der Knochensubstanz. Im Alltagsgebrauch wird der Begriff Knochenentzündung verallgemeinernd für die Entzündung der äußeren, harten Knochensubstanz sowie des Knochenmarks verwendet. Mediziner unterscheiden jedoch genauer zwischen einer Entzündung der harten Substanz des Knochens (Osteitis) ohne Beteiligung des Knochenmarks und einer Entzündung des Knochenmarks (Osteomyelitis).

Osteitis und Osteomyelitis werden in den meisten Fällen durch Bakterien (ganz selten durch Viren oder Pilze) verursacht und treten nach Knochenbrüchen (Frakturen), Operationen an Knochen oder Infektionen auf. Neben der Art des infizierten Gewebes unterscheiden sich Knochenentzündung und Knochenmark-Entzündung auch in ihrer Entstehungsweise:

Zu einer Knochenentzündung kommt es, wenn Bakterien von außen den Knochen erreichen, beispielsweise bei einer offenen Verletzung oder einer OP-Wunde. Welche Knochen genau betroffen sind, richtet sich nach dem Ort der ursächlichen Verletzung. Eine Knochenmark-Entzündung dagegen entsteht, wenn Bakterien über die Blutbahn in den Knochen gelangen (hämatogene Knochenentzündung). Betroffen sind vor allem Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia).

Knochenentzündung: Akut oder chronisch

Eine Knochenentzündung kann akut oder chronisch verlaufen. Die Hauptsymptome der akuten Knochenentzündung sind Rötung, Schwellung, Erwärmung und Schmerzen im betroffenen Gebiet. Sie wird zunächst mit Antibiotika behandelt, um die auslösenden Bakterien abzutöten. In einigen Fällen, wenn der Knochen schon stark geschädigt ist, ist eine operative Therapie nötig.

Ohne Therapie kann eine akute Knochenentzündung chronisch werden und der Heilungsverlauf kann sich extrem verzögern. Bei einer chronischen Knochenentzündung versucht der Körper, selbst die Bakterien zu bekämpfen, indem er eine Art Kapsel um das entzündete Gebiet bildet. Innerhalb dieser Kapsel leben die Bakterien allerdings weiter. Es bestehen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im betroffenen Gelenk. Von Zeit zu Zeit kann sich das Innere der Kapsel in Form von Eiter nach außen entleeren.

Knochenentzündung: Häufigkeit

Die häufigste Knochenentzündung ist die, welche nach einer Operation auftritt. Sie macht etwa 80 Prozent aller Knochenentzündungen aus. Aus bisher nicht geklärten Gründen sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Eine hämatogene Knochenmark-Entzündung (auch endogene oder innere Knochenentzündung) tritt vor allem bei Kindern auf. Die Knochenentzündung von außen (auch exogene oder äußere Knochenentzündung) betrifft vor allem Erwachsene. Eine akute Knochenentzündung geht in etwa 10 bis 30 Prozent aller Fälle in eine chronische Form über.

Sonderform: Spondylitis

Eine Sonderform der Knochenentzündung ist die Spondylitis. Dabei sind die Knochen der Wirbelsäule (Wirbelkörper) von der Entzündung betroffen. Eine Spondylitis entsteht meist durch die Ausbreitung der Bakterien über das Blut, Mediziner sprechen von hämatogener Streuung. Die Patienten haben sehr hohes Fieber und starke Rückenschmerzen, die sich nachts und bei Belastung meist noch verstärken. Betroffene nehmen meist automatisch eine Schonhaltung für den Rücken ein.

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Knochenentzündung: Symptome

Zwischen einer Knochenentzündung und einer Knochenmark-Entzündung können sich die Symptome prinzipiell unterscheiden, da der Weg der Entzündung ein anderer ist.

Knochenmark-Entzündung: Symptome

Bei einer Knochenmark-Entzündung steht die bakterielle Infektion im Vordergrund. Die meisten Betroffenen fühlen sich schlapp und müde und leiden an allgemeinem Unwohlsein sowie Fieber. Nach wenigen Tagen kommt es dann zu ersten Gelenk- und Gliederschmerzen; äußere Anzeichen der Entzündung sind am Anfang noch nicht zu erkennen. Erst nach einigen Tagen schwellen betroffene Gebiete an. Von außen ist eine deutliche Erwärmung zu spüren.

Oft sind bei einer Knochenmark-Entzündung Knie und Oberarme betroffen. Die entzündeten Gliedmaßen sind zusätzlich schlaff und schmerzen. Werden Gelenke von der Entzündung in Mitleidenschaft gezogen oder breitet sich die Entzündung dramatisch im Knochen aus, so kann es zu Instabilität und irreversiblen Schäden am Knochenmark kommen. Bei Kindern kann das Fieber auf bis zu 40 Grad steigen. Zusätzlich tritt bei Kindern häufiger Schüttelfrost auf.

Knochenentzündung: Symptome

Bei einer Knochenentzündung treten ebenfalls Schmerzen auf. Zudem kann die betroffene Stelle angeschwollen sein und ebenfalls eine Rötung zeigen. Im Unterschied zur Knochenmark-Entzündung kann bei der Knochenentzündung Eiter nach außen treten, wodurch sie schnell diagnostiziert werden kann.

Bei der chronischen Knochenentzündung gibt es immer wieder lange beschwerdefreie Intervalle. Die Knochenentzündung kann dann ganz plötzlich wieder ausbrechen und zeigt bei jedem Ausbruch erneut alle Symptome einer akuten Infektion.

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Knochenentzündung: Ursachen und Risikofaktoren

Knochenentzündung und Knochenmark-Entzündung werden meistens durch Bakterien verursacht.

Mediziner unterteilen die Knochenentzündung je nach Art ihrer Entstehung:

Hämatogene (endogene) Knochenentzündung

Wenn Bakterien über die Blutbahn in den Knochen gelangen, kann es zu einer Entzündung kommen. Hierbei entsteht eine Knochenmark-Entzündung. Die Bakterien können prinzipiell von jeder bakteriellen Infektion stammen, also beispielsweise einer Mittelohrentzündung, Kieferentzündung oder Mandelentzündung.

Posttraumatische (exogene) Knochenentzündung

Bei der posttraumatischen Knochenentzündung sind Bakterien von außen an den Knochen gelangt, beispielsweise über eine Unfallwunde oder bei Infektion einer OP-Wunde während der Operation.

Fortgeleitete Knochenentzündung

Am Rand von Schrauben oder Platten, die bei einer OP in den Knochen eingebracht werden, kann die Immunabwehr nicht tätig werden kann. Hier können sich also Bakterien ungestört vermehren - eine fortgeleitete Knochenentzündung entsteht.

Unabhängig davon, wie die Entzündung entstanden ist, kann sie prinzipiell von folgenden Erregern verursacht werden:

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • Andere Arten von Bakterien wie Salmonellen, Haemophilus influenzae, Mycobacterium tuberculosis und Escherichia coli
  • Seltener Viren oder Bakterien

Bei einer Knochenentzündung ist die äußere, harte Substanz des Knochens von der Entzündung betroffen, ohne Beteiligung des Knochenmarks. Zuerst entzündet sich die den Knochen umgebende Knochenhaut (Periost). Von dort aus breiten sich die Bakterien in die Rindenschicht (Substantia compacta) aus. Es kann auch nur eine Entzündung des Periosts vorliegen. Dann sprechen Mediziner allerdings nicht mehr von einer Knochenentzündung, sondern handhaben diesen Befund als eigenständige Erkrankung.

Bei Kindern sind die Wachstumsbereiche der langen Röhrenknochen im Oberarm und Oberschenkel besonders gut durchblutet, da die Knochen hier noch wachsen. Deshalb können die Bakterien leichter dorthin gelangen und eine Knochenmark-Entzündung auslösen als bei Erwachsenen. Eine solche Knochenmark-Entzündung kann sich unter Umständen von innen nach außen ausbreiten. Zunächst ist dann nur das Knochenmark (Myelitis) infiziert, anschließend auch das umliegende Knochengewebe (Osteomyelitis). Von einer Knochenmark-Entzündung sind vor allem Kinder betroffen, deren Immunsystem durch eine Grunderkrankung, Fehlernährung oder Medikamente geschwächt ist.

Akute und chronische Knochenentzündung

Je nach zeitlichem Verlauf unterscheiden Mediziner eine akute und eine chronische Knochenentzündung beziehungsweise Knochenmark-Entzündung. Eine akute Entzündung entsteht durch direkten Befall mit Bakterien. Sie kann in eine chronische Knochenentzündung übergehen, wenn die Therapie zu spät beginnt oder nicht richtig zu Ende geführt wird. Bei der chronischen Form treten die Symptome meist schubweise auf. Der Köper bildet um die noch vorhandenen Bakterien eine Art Kapsel. In dieser sind die Bakterien zwar eingeschlossen, vermehren sich dort jedoch ungestört weiter. Von Zeit zu Zeit dringen sie in einer eitrigen Flüssigkeit nach außen aus. Folgende Risikofaktoren erhöhen die Gefahr, nach einer Verletzung oder einer Operation eine Knochenentzündung zu entwickeln:

  • Mangelernährung
  • hohes Alter
  • Nikotin-, Alkohol- oder Drogenkonsum
  • Nierenschwäche
  • Leberschwäche
  • ungenügende Atemfunktion
  • Immunstörungen durch HIV oder eine Immunsuppressive Therapie
  • bösartige Tumoren
  • Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Arteriosklerose
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Knochenentzündung: Untersuchungen und Diagnose

Bei dem Verdacht auf eine Knochenentzündung ist der Hausarzt oder ein Spezialist für Knochenerkrankungen der richtige Ansprechpartner. In einem ersten Gespräch (Anamnese) haben Sie die Möglichkeit, dem Arzt Ihre Symptome und Beschwerden genau zu schildern. Diese Informationen können erste Hinweise auf eine Knochenentzündung geben. Um genauer auf Ihren Fall einzugehen, und andere Erkrankungen auszuschließen, kann der Arzt zusätzlich Fragen stellen wie:

  • Litten Sie in den letzten Tagen vermehrt an Krankheitssymptomen wie Fieber oder Mattheit?
  • Hatten Sie in den vergangenen Tagen oder Wochen eine Operation?
  • An welchen Stellen sind die Schmerzen lokalisiert?

Nach der Anamnese findet eine körperliche Untersuchung statt. Zunächst tastet der Arzt diejenigen Knochen oder Gelenke, die schmerzen, ab. Tritt dabei ein Druckschmerz auf oder wird ein deutliche Schwellung oder Rötung sichtbar, ist dies ein weiterer Hinweis auf eine Knochenentzündung.

Zusätzlich wird Blut entnommen und ein Blutbild angefertigt. Ein erhöhter Wert der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie ein erhöhter Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) weisen auf eine Entzündung im Körper hin.

Ist ein Gelenk besonders geschwollen, kann der Arzt mithilfe einer etwas dickeren Nadel als bei der Blutentnahme eine Gelenkspunktion vornehmen. Dabei wird eine Probe der Gelenksflüssigkeit entnommen, die auf das Vorkommen bestimmter Bakterien überprüft wird.

Mit bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie (CT) oder der Kernspintomografie (MRT) kann eine Knochenentzündung sichtbar gemacht werden. In einem späteren Stadium sind Veränderungen der Knochensubstanz auch auf einem Röntgenbild erkennbar, in einem frühen Stadium jedoch noch nicht. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann festgestellt werden, ob zusätzlich Weichteile (zum Beispiel Muskeln) von der Entzündung betroffen sind oder ein Gelenkerguss vorliegt.

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