Krankheiten

Kardiomyopathie

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Der Begriff „Kardiomyopathie“ steht für verschiedene Erkrankungen der Herzmuskulatur. Bei allen Formen verändert das Muskelgewebe seine Struktur und verliert an Leistungsfähigkeit. Die Betroffenen haben oft die Symptome einer Herzschwäche. Im schlimmsten Fall kann eine Herzmuskelerkrankung sogar einen plötzlichen Herztod auslösen. Erfahren Sie hier alles über die unterschiedlichen Formen einer Kardiomyopathie, welche Ursachen sie haben und was man dagegen tun kann.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. I43I42ArtikelübersichtKardiomyopathie

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Kardiomyopathie: Beschreibung

Mit dem Begriff „Kardiomyopathie“ fassen Mediziner verschiedene Erkrankungen des Herzmuskels (Myokard) zusammen, die mit einer Funktionsstörung des Herzens einhergehen.

Was passiert bei einer Kardiomyopathie?

Das Herz ist eine kräftige Muskelpumpe, die durch ständiges Ansaugen und Auswerfen von Blut den Kreislauf aufrecht hält.

Das sauerstoffarme Blut aus dem Körper gelangt über den rechten Vorhof in die rechte Herzkammer. Diese pumpt das Blut in die Lunge, wo es mit frischem Sauerstoff angereichert wird. Von dort fließt es über den linken Vorhof in die linke Kammer, die das Blut schließlich in den Körperkreislauf pumpt. Zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern befinden sich die Herzklappen, die wie Ventile funktionieren.

Wesentliches Merkmal aller Kardiomyopathien ist, dass sich die Struktur des Herzmuskels im Krankheitsverlauf immer weiter verändert. Dadurch ist die Pumpfunktion des Herzens eingeschränkt. Das führt zu unterschiedlichen Beschwerden, je nachdem, welche Form einer Kardiomyopathie vorliegt und wie ausgeprägt diese ist.

Welche Kardiomyopathien gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte primäre von sekundären Kardiomyopathien. Eine primäre Kardiomyopathie entsteht direkt am Herzmuskel und ist auf diesen beschränkt. Bei einer sekundären Kardiomyopathie ist die Ursache dagegen eine vorausgehende oder bestehende, andere Erkrankung, in deren Verlauf auch das Herz geschädigt wird.

Eine primäre Kardiomyopathie kann von Geburt an vorliegen, oder erworben sein, also erst im Lauf des Lebens auftreten. Auch Mischformen aus angeborenen und erworbenen Herzmuskelerkrankungen sind möglich.

Bezogen auf die Funktions- und Strukturveränderung des Herzmuskels kann man die Kardiomyopathie in vier Haupttypen einteilen. Diese sind:

  • die dilatative Kardiomyopathie
  • die hypertrophe Kardiomyopathie
  • die restriktive Kardiomyopathie
  • die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC)

Dilatative Kardiomyopaothie

Unter den Kardiomyopathien ist die dilatative Form sehr häufig. Dabei verliert das Herz wegen einer Überdehnung des Herzmuskels an Kraft. Lesen Sie alles drüber im Text dilatative Kardiomyopathie!

Hypertrophe Kardiomyopathie

Bei diesem Kardiomyopathie-Typ ist der Herzmuskel zu dick und seine Dehnbarkeit eingeschränkt. Erfahren Sie alles zu dieser Form der Herzmuskelerkrankung im Text hypertrophe Kardiomyopathie!

Restriktive Kardiomyopathie

Die restriktive Kardiomyopathie ist sehr selten. Hierbei versteifen die Herzkammerwände, weil vermehrt Bindegewebe in den Muskel eingebaut wird. Die Muskelwände sind dadurch weniger beweglich, was vor allem die Diastole behindert, also die Phase, in der sich die Herzkammern mit Blut füllen und ausdehnen.

Das setzt die Pumpleistung des Herzens herab, obwohl die Auswurfphase (Systole) meist nicht beeinträchtigt ist. Das Herz ist bei einer restriktiven Kardiomyopathie meist normal groß, oder etwas verkleinert.

Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC)

Bei der ARVC ist nur die Muskulatur der rechten Herzkammer verändert. Die Muskelzellen sterben teilweise ab und werden durch Fettgewebe ersetzt. Als Folge dünnt der Herzmuskel aus und die rechte Herzkammer erweitert sich. Da hierdurch auch das elektrische Leitungssystem des Herzens beeinträchtigt wird, können Herzrhythmusstörungen entstehen, die vor allem bei körperlicher Belastung auftreten.

Sonstige Kardiomyopathien

Neben den vier Hauptformen gibt es noch andere Herzmuskelerkrankungen. Dazu gehören beispielsweise die non-compaction-Kardiomyopathie, bei der nur die linke Herzkammer betroffen ist, und das broken-heart-syndrome (Tako-Tsubo-Kardiomyopathie).

Es gibt außerdem noch den Begriff „hypertensive Kardiomyopathie“. So wird manchmal eine Herzmuskelerkrankung bezeichnet, die als Folge von Bluthochdruck (Hypertonie) auftritt. Wegen des höheren Widerstands in den Arterien muss das Herz bei Hypertonikern kräftiger pumpen. Vor allem die linke Herzkammer nimmt deshalb an Volumen zu und verliert mit der Zeit an Leistungsfähigkeit.

Im engeren Sinne zählt man eine durch Bluthochdruck ausgelöste Funktionsstörung des Herzens aber nicht zu den Kardiomyopathien. Denn laut der allgemein anerkannten Definition der Amerikanischen Herzgesellschaft (American Heart Association = AHA), muss man Herzmuskelschädigungen, die eine direkte Folge anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, von den eigentlichen Kardiomyopathien unterscheiden.

Broken-heart-syndrome

Diese Form der Kardiomyopathie wird durch starken emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst und verheilt meist folgenlos. Lesen Sie hier das Wichtigste über das broken-heart-syndrome.

Wer ist von einer Kardiomyopathie betroffen?

Prinzipiell kann eine Kardiomyopathie jeden treffen. Es lässt sich allerdings keine allgemeine Aussage über das typische Erkrankungsalter oder die Geschlechterverteilung machen. Denn diese Werte sind stark von der jeweiligen Form der Kardiomyopathie abhängig.

Viele primäre Kardiomyopathien sind beispielsweise angeboren und können sich schon in jungen Jahren bemerkbar machen. Andere, meist sekundären Formen der Herzmuskelerkrankung treten dagegen erst später auf. Genauso betreffen manche Kardiomyopathie-Typen vermehrt Männer, während es auch Varianten gibt, die vor allem bei Frauen auftreten.

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Kardiomyopathie: Symptome

Bei allen Formen einer Kardiomyopathie ist das Herz in seiner Pumpfunktion eingeschränkt, weshalb viele Betroffene die typischen Beschwerden einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) verspüren:

Das Herz ist nicht mehr stark genug, um eine ausreichende Menge Blut in die Arterien zu pumpen (Vorwärtsversagen). Die Patienten leiden deshalb oft unter Müdigkeit und Schwächegefühl und ihre Leistungsfähigkeit nimmt ab. Haut und Schleimhäute erscheinen bei einer ausgeprägten Herzschwäche manchmal bläulich (Zyanose), was mit einer erhöhten Sauerstoffausschöpfung zusammen hängt.

Wegen der Pumpschwäche des Herzens staut sich außerdem Blut in die Lunge und die Venen zurück (Rückwärtsversagen). Die Folge sind Flüssigkeitseinlagerungen in der Lunge und dem Körpergewebe, die man als Ödeme bezeichnet. Arm- und Beinödeme sind schmerzlose Schwellungen unter der Haut. Ein Lungenödem kann mit Hustenreiz und lebensbedrohlicher Atemnot einhergehen. Die Symptome eines Rückwärtsversagens des Herzens nennt man auch „Stauungszeichen“.

Um den Körper trotz der verringerten Auswurfleistung der Herzkammern ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, schlägt das Herz entsprechend schneller. Viele Patienten mit einer Kardiomyopathie haben deshalb eine erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie). Außerdem führen die strukturellen Veränderungen der Herzmuskulatur häufig zu Herzrhythmusstörungen, die die Betroffenen manchmal als Herzstolpern wahrnehmen. Bei schwereren Herzrhythmusstörungen können auch kurze Ohnmachtsanfälle (Synkopen) auftreten.

Je nach Typ der Kardiomyopathie können die genannten Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein. Auch wie lange es dauert, bis es überhaupt zu Beschwerden kommt, hängt stark von der Art der Herzmuskelerkrankung ab. Es kommt immer wieder vor, dass eine Kardiomyopathie viele Jahre unbemerkt bleibt.

Die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie macht sich oft durch eine ausgeprägte Tachykardie bemerkbar, die vor allem bei körperlicher Belastung auftritt. Auch Synkopen kommen bei dieser Variante öfter vor. Die restriktive Kardiomyopathie zeigt sich eher in einer Herzschwäche mit Atemnot und Stauungszeichen.

Komplikationen

Bei Patienten mit einer Kardiomyopathie bilden sich an den inneren Herzwänden leichter Blutgerinnsel als bei gesunden Menschen. Der Grund ist die ungleichmäßige Strömung des Blutes im Herzen wegen der gestörten Pumpfunktion. Wenn sich solche Blutgerinnsel lösen, können sie Arterien in anderen Organen oder anderem Körpergewebe verschließen. Eine gefürchtete Folge sind zum Beispiel Lungeninfarkte oder Schlaganfälle.

Wenn sich der Herzmuskel verändert, hat das oft auch Auswirkungen auf die Herzklappen. So können im Verlauf einer Kardiomyopathie Klappenfehler wie etwa eine Mitralklappeninsuffizienz auftreten, die die Pumpfunktion des Herzens zusätzlich stören.

In seltenen Fällen werden die Herzrhythmusstörungen im Rahmen einer Kardiomyopathie plötzlich so massiv, dass der Blutkreislauf zusammenbricht. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Herzkammern so schnell schlagen, dass sie sich zwischen den Schlägen kaum noch mit Blut füllen können (Kammertachykardie). Ohne eine sofortige Behandlung ist die Folge der plötzliche Herztod.

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Kardiomyopathie: Ursachen und Risikofaktoren

Bezüglich der Ursachen von Kardiomyopathien ist es sinnvoll, die primären von den sekundären Erkrankungsformen getrennt zu betrachten.

Ursachen primärer Kardiomyopathien

Primäre Kardiomyopathien haben oft genetische Ursachen. Die Betroffenen haben also eine familiäre Veranlagung für eine Herzmuskelerkrankung, die verschieden stark ausgeprägt sein kann.

So gibt es Varianten, die innerhalb einer Familie mit hoher Wahrscheinlichkeit an die nächste Generation vererbt werden. Bei anderen besteht für die Nachkommen lediglich eine Prädisposition, also ein erhöhtes Risiko selbst zu erkranken. Kardiomyopathien mit genetischer Ursache liegen oft schon von Geburt an vor, können sich aber auch erst im Laufe des Lebens zeigen.

Häufig ist die Ursache einer primären Herzmuskelerkrankung unbekannt. Man spricht dann von einer idiopathischen Kardiomyopathie. So lässt sich beispielsweise bei vielen Patienten mit einer restriktiven Kardiomyopathie keine Ursache für die Erkrankung finden.

Ursachen sekundärer Kardiomyopathien

Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die neben anderen Organen auch das Herz schädigen und somit eine Kardiomyopathie verursachen können. Auch einige Medikamente zählen zu den möglichen Auslösern einer Herzmuskelerkrankung.

Bei sekundär ausgelösten Kardiomyopathien handelt es sich meistens um dilatative oder restriktive Formen. Zu den Ursachen einer restriktiven Kardiomyopathie gehören zum Beispiel:

  • Erkrankungen bei denen sich das Bindegewebe krankhaft verändert (Sklerodermie, Sarkoidose) oder bei der sich bestimmte Stoffe vermehrt im Herzmuskel anreichern (Amyloidose, Hämochromatose)
  • Tumorerkrankungen und Entzündungen
  • wiederholte Herzbeutelergüsse
  • radioaktive Strahlung im Rahmen einer Strahlentherapie
  • eine Ansteckung mit Mumpsviren während der Geburt. Die restriktive Kardiomyopathie kann bei den betroffenen Kindern auch erst Jahre nach der Geburt auftreten.
  • eine Entzündung der Innenhaut des Herzens aufgrund einer krankhaften Vermehrung bestimmter Abwehrzellen (Löffler-Endokarditis).

Auch für eine dilatative Kardiomyopathie gibt es viele mögliche Ursachen, mehr dazu lesen Sie im entsprechenden Text.

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Kardiomyopathie: Untersuchung und Diagnose

Sobald sich der Verdacht auf eine Kardiomyopathie ergibt, gilt es die Erkrankung nachzuweisen und andere Ursachen auszuschließen. Dafür stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

Video: Kardiomyopathie - Was ist das? Dr. Heart (August 2020).

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