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Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für lifelikeinc.com - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Mehr über die lifelikeinc.com-ExpertenDie Abkürzung HPV steht für den Humanen Papillomvirus. Der Erreger verursacht Geschlechtskrankheiten und kann sich durch Warzen auf der Haut und im Genitalbereich bemerkbar machen. Die meisten HPV-Infektionen heilen aber unbemerkt aus.Trotzdem kann es auch lange nach einer Infektion zu bösartigen Tumoren kommen. Mann und Frau können sich gleichermaßen mit HPV anstecken. Lesen Sie hier mehr über HPV.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. A63B07ArtikelübersichtHPV

  • Kurzübersicht
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Folgeerkrankungen
  • Feigwarzen (Condylomata acuminata)
  • Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
  • Symptome
  • Untersuchungen und Diagnose
  • HPV-Test
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose
  • Vorbeugen
  • HPV: Impfung

HPV: Kurzübersicht

  • Ansteckung: vor allem über direkten Haut- bzw. Schleimhautkontakt (Geschlechtsverkehr); ebenfalls möglich ist eine Virusübertragung über infizierte Gegenstände (Sexspielzeug, Handtücher etc.) sowie bei der Geburt (von der infizierten Mutter auf das Kind)
  • Folgeerkrankungen: Je nach HPV-Typ v.a. Hautwarzen, Genitalwarzen (Feigwarzen), Gewebeveränderungen (potenzielle Krebsvorstufen) und Krebs (wie Gebärmutterhalskrebs, Mund-Rachen-Krebs, Analkrebs)
  • Häufige Symptome: abhängig vom Krankheitsbild; z.B. bei Feigwarzen rötliche, bräunliche oder weißliche Papeln in der Genital- und Analregion, evtl. mit Nässegefühl und Juckreiz; bei Gebärmutterhalskrebs vaginaler Ausfluss und ungeklärte Scheidenblutungen
  • Wichtige Untersuchungen: Körperliche Untersuchung, Zellabstrich, Kolposkopie (bei Frauen), HPV-Test, Biopsie (Analyse einer Gewebeprobe)
  • Behandlungsmöglichkeiten: Je nach Krankheitsbild Vereisung, Lasertherapie, Elektrokauter, Medikamente, operative Eingriffe
Zum Inhaltsverzeichnis

HPV: Ursachen und Risikofaktoren

Die humanen Papillomviren (HPV) gehören zu den DNA-Viren. Ihre Erbinformationen sind wie das menschliche Erbgut auf einem DNA-Strang gespeichert. Zur Vermehrung benötigen HPV-Viren menschliche Zellen. Die Infektion funktioniert so:

HPV-Viren schleusen ihr Erbgut in eine menschliche Wirtszelle ein (Haut- oder Schleimhautzelle) und zwingen diese dazu, laufend neue Viren zu produzieren. Irgendwann platzt die Wirtszelle auf (und stirbt dabei ab), wodurch die vielen neuen Viren freigesetzt werden. Sie können dann ihrerseits neue menschliche Zellen befallen.

Lebenszyklus der HP-VirenHP-Viren vermehren sich in menschlichen Zellen, indem sie diese zwingen, ihr Erbgut zu vervielfältigen

Zugleich kann bei einer HPV-Infektion das menschliche Erbgut so verändert werden, dass unkontrollierte Wucherungen der Haut beziehungsweise Schleimhäute (Tumoren) entstehen. Sie können zu bösartigem Krebs werden. Wie groß das Krebsrisiko ist, hängt vom HPV-Typ ab.

HPV-Übertragung

Viele HPV-Viren werden durch bloßen Hautkontakt übertragen. Das gilt besonders für jene Erreger, die harmlose Hautwarzen (Papillome) hervorrufen.

HPV-Typen, welche die Geschlechtsorgane infizieren und etwa Feigwarzen oder Gebärmutterhalskrebs auslösen, werden dagegen hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Genitale HPV-Infektionen zählen deshalb zu den Geschlechtskrankheiten (sexual transmitted diseases, STD). Auch durch Oralverkehr ist eine HPV-Virus-Übertragung möglich, wenn die Mundschleimhaut mit HPV-infizierten Hautstellen (wie Schamlippen oder Penis) in Berührung kommt. Das Gleiche gilt für Körperkontakt beim gemeinsamen Baden, allerdings ist dies ein viel seltener Ansteckungsweg.

Zumindest theoretisch möglich ist auch eine HPV-Virus-Ansteckung über infizierte Gegenstände wie Sexspielzeug, Handtücher oder die Toilette.

Eine weitere Möglichkeit ist die Übertragung des Erregers von der Mutter auf das Kind während der Geburt.

Keine Ansteckungsgefahr besteht nach derzeitigem Wissensstand durch Stillen, normales Küssen oder Blutspenden.

Lassen sichim Genital-Anus-Bereich von Kindern Feigwarzen finden, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Hier muss jeder Einzelfall geprüft und sexueller Missbrauch ausgeschlossen werden.

  • HPV: Impfung auch für Jungs sinnvoll

    Drei Fragen an

    Dr. med. Hans-Ulrich Voigt,
    Facharzt Dermatologie, Phlebologie, Allergologie
  • 1

    Wie gefährlich ist HPV wirklich?

    Dr. med. Hans-Ulrich Voigt

    Nicht alle HP-Viren sind gefährlich. Aber die, die es sind, nämlich vor allem die sogenannten high-risk HP-Virenstämme, sind besonders aggressiv und können bösartige Veränderungen wie Gebärmutterhalskrebs, Penis- und Analkarzinom sowie HNO-Tumoren hervorrufen. Insofern ist es sinnvoll, wo möglich, sich davor zu schützen.

  • 2

    Wie schützt man sich?

    Dr. med. Hans-Ulrich Voigt

    Da HP-Viren in erster Linie über sexuelle Kontakte übertragen werden, sollte man sich bei neuen Partnerschaften mittels Kondomen schützen. Diese bringen zwar keinen 100-prozentigen, aber einen weitgehenden Schutz vor Ansteckung. Darüber hinaus helfen PAP-Abstriche vom Gebärmutterhals und ein HPV-Test die eigene Risikolage im Blick zu behalten. Im Vorfeld, vor den ersten sexuellen Kontakten, schützt eine Impfung.

  • 3

    Was bringt die HPV-Impfung?

    Dr. med. Hans-Ulrich Voigt

    Die HPV-Impfung für junge Mädchen in der Pubertät und seit neuestem auch für Jungs ist sinnvoll, da sie vor neun HPV-Typen schützen, die als highrisk eingestuft werden. Entsprechend geimpfte Kinder haben also einen hohen Schutz vor bösartigen Veränderungen, die durch aggressive HP-Viren ausgelöst werden können.

  • Dr. med. Hans-Ulrich Voigt,
    Facharzt Dermatologie, Phlebologie, Allergologie

    Gründer und Eigentümer des Haut- und Laserzentrums Dermatologie am Dom in München, einer der ersten Lasertherapeuten in München.

Risikofaktoren

Der wohl bedeutendste Risikofaktor einer genitalen Infektion ergibt sich aus dem Mechanismus der HPV-Übertragung: häufiger und vor allem ungeschützter Geschlechtsverkehr. Weitere Risikofaktoren für eine HPV-Infektion sind:

  • erste sexuelle Kontakte vor dem 16. Lebensjahr: Dieser Risikofaktor gilt besonders für Mädchen.
  • Rauchen: Zigaretten & Co. erhöhen nicht nur das Risiko einer HPV-Infektion, sondern auch das Risiko, dass die Zellen entarten und sich zu Krebszellen entwickeln.
  • Geburten in jungem Alter und mehrere Kinder: Bei einer Schwangerschaft verändert sich die Schleimhaut am Gebärmutterhals und wird anfälliger für Infektionen. Die Gewebsveränderungen können auch nach der Schwangerschaft für einige Jahre bestehen bleiben.
  • inkonsequente Verwendung von Kondomen: Kondome können eine HPV-Infektion zwar nicht zu 100 Prozent verhindern. Wenn man sie allerdings konsequent bei sexuellen Kontakten verwendet, verringert sich das Risiko einer Ansteckung.
  • unterdrücktes Immunsystem: Wenn das Immunsystem aufgrund einer Erkrankung (wie HIV) oder durch Medikamente (Immunsuppressiva) in seiner Funktion beeinträchtigt ist, steigt das Risiko einer HPV-Ansteckung.
  • andere genitale Infektionen wie Chlamydien oder Genital-Herpes: Sie scheinen ebenfalls eine HPV-Übertragung zu begünstigen.

Darüber hinaus erhöhen einige Faktoren das Risiko, dass HPV-infizierte Zellen zu Krebszellen werden. Dazu zählen unter anderem Rauchen, vielen Schwangerschaften, HIV-Infektion sowie die Einnahme der Verhütungspille für fünf Jahre oder länger.

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  • Krebs durch Erreger?

    Warum bekommt jemand Krebs - dieser Frage geht die Wissenschaft sehr intensiv nach. Einige Antworten hat sie auch schon gefunden: Alkohol, Rauchen oder bestimmte Gene machen anfälliger für die Entartung von Zellen. Aber auch Viren und Co. können Krebs fördern. Erfahren Sie hier, bei welchen Krebsarten die Ansteckung mit bestimmten Erregern eine Rolle spielt.
  • Bild 2 von 12

  • Gebärmutterhalskrebs

    Dieses Beispiel kennen viele: Gebärmutterhalskrebs. Diese Krebsart wird von humanen Papillomviren mit ausgelöst, kurz HPV genannt. Übertragen werden sie beim Geschlechtsverkehr. Mit HPV infizieren sich etwa 80 Prozent der Erwachsenen im Lauf ihres Lebens - ein Prozent der Frauen erkrankt dann an Gebärmutterhalskrebs. Der wirksamste Schutz ist die HPV-Impfung, die vor dem ersten Sexualkontakt empfohlen wird. HPV kann aber noch weitere Krebsformen begünstigen…
  • Bild 3 von 12

  • Peniskrebs und Co.

    Insgesamt gibt es 150 verschiedene HPV-Typen. Sie können Peniskrebs, Scheidenkrebs, Analtumoren oder Tumoren im Mund-Rachen-Bereich auslösen - hierzu gab es vor einigen Jahren Schlagzeilen über Michael Douglas, weil er für seinen Zungenkrebs Oralverkehr verantwortlich machte. Diese Krebsformen, die mit HPV in Verbindung gebracht werden, sind deutlich seltener als Gebärmutterhalskrebs. Es gibt allerdings noch eine andere Krebserkrankung, die mit Viren in Zusammenhang steht…
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  • Leberkrebs

    Nämlich Leberkrebs. Die verantwortlichen Erreger sind hier Hepatitis B und C Viren. Sie können Tumoren in der Leber begünstigen. Übertragen werden die Viren durch Blut oder den Austausch anderer Körperflüssigkeiten, wie zum Beispiel Speichel oder Sperma. Die Hepatitis-B-Impfung schützt vor einer Infektion und senkt damit auch das Risiko für Leberkrebs. Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es bisher keinen Impfstoff.
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  • Lymphdrüsenkrebs

    Mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert sich fast jeder im Lauf seines Lebens. Hierzulande löst das Virus meist das Pfeiffersche Drüsenfieber aus. In anderen Teilen der Welt wird es in Zusammenhang mit Krebserkrankungen, wie etwa dem Burkitt-Lymphom in Afrika oder auch Tumoren im Nasen- und Rachenraum in Südostasien, gebracht. Der Grund für die unterschiedlichen Auswirkungen: Es gibt verschiedene Stämme von Epstein-Barr-Viren, die unterschiedlich aggressiv sind.
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  • Kaposi-Sarkom

    Auch das humane Herpesvirus Typ 8 kann das Wachstum von Tumoren fördern. Dieses Virus ist nicht mit den Herpesviren zu verwechseln, die zum Beispiel Lippenherpes oder Genitalherpes auslösen. Es begünstigt die Entwicklung von dunkel gefärbten Haut- und Schleimhauttumoren, die aus Blutgefäßwandzellen entstehen, das sogenannte Kaposi-Sarkom. Meist erkranken Menschen mit einem geschwächten Immunsystem daran, etwa HIV-Patienten.
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  • Blutkrebs

    Ein anderes Virus wird mit der adulten lymphatischen T-Zell-Leukämie in Verbindung gebracht: das humane T-Zell-Leukämie-Virus Typ 1. In Deutschland ist diese Form des Blutkrebs sehr selten. Häufiger kommt das Virus in Japan, Südamerika oder Teilen Afrikas vor.
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  • Hautkrebs

    Ebenfalls selten ist das sogenannte Merkelzell-Karzinom - eine bestimmte Form des Hautkrebs. 2008 wurde ein Virus entdeckt, das sich bei den meisten Patienten im Krebsgewebe nachweisen lässt: das Merkelzell-Polyoma-Virus. Weitere Risikofaktoren für die Entstehung dieser Krebsart sind eine hohe UV-Belastung und ein geschwächtes Immunsystem. Aber nicht nur Viren auch bestimmte Bakterien hat die Forschung inzwischen als potentiell krebsauslösend identifiziert…
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  • Magenkrebs

    So fördert das Magenbakterium Helicobacter pylori Magenkrebs. Anstecken kann man sich durch den Genuss von mit Fäkalien verunreinigten Lebensmitteln oder Wasser. Risikogruppen, etwa nahe Verwandte von Magenkrebspatienten oder Menschen, die länger als ein Jahr sogenannte Protonenpumpenhemmer gegen Sodbrennen eingenommen haben, wird empfohlen den Magenkeim mit Antibiotika entfernen zu lassen. Neben Bakterien können sogar Parasiten Krebs fördern…
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  • Blasenkrebs

    Etwa der Pärchenegel Schistosoma, ein Saugwurm, der in den Tropen und Subtropen vorkommt. Die Larven dringen beim Baden in den Körper ein und lösen dann die Tropenkrankheit Bilharziose aus, die sich unter anderem durch einen Hautausschlag äußert. Wird diese nicht therapiert oder kommt es immer wieder zur Infektion, erhöht dies das Risiko für Blasen- und Enddarmkrebs. Betroffene Fernreisende sollten sich nach ihrer Rückkehr entsprechend checken und behandeln lassen.
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  • Wechselspiel verschiedener Faktoren

    Viren, Bakterien, Parasiten - die Infektion mit einem der genannten Erreger ist aber nie der alleinige Auslöser für eine Tumorerkrankung. Nur ein Bruchteil der Menschen, die sich anstecken, entwickelt tatsächlich Krebs. Der Grund: Es müssen weitere Risikofaktoren hinzukommen. Meistens sind die Kontrollmechanismen, die normalerweise den Eindringling in Schach halten, gestört.
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  • Kein Risiko für Familie und Freunde

    Auch wenn es also Erreger gibt, die die eigene Krebsgefahr erhöhen - mit Krebs direkt anstecken kann man sich nicht. Gesunde Menschen brauchen deshalb keine Angst vor dem Umgang mit Krebspatienten haben. Viren, die eine Tumorerkrankung ausgelöst haben, können meist niemand Neues mehr infizieren. Und auch die Krebszellen selbst sind normalerweise nicht infektiös.

Video: Geschlechtskrankheit: Ist HPV gefährlich?!Auf Klo (August 2020).

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