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Hirntod

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Mit dem Begriff Hirntod wird der unumkehrbare Ausfall entscheidender Bereiche des Gehirns beschrieben. Die Hirntod-Diagnostik ist eine durch die Bundesärztekammer genau geregelte Bedingung für die Organspende. Ist ein Hirntod definitiv diagnostiziert, gilt ein Mensch in Deutschland als tot. Lesen Sie hier alles zum Thema Hirntod!

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. G93ArtikelübersichtHirntod

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Hirntod: Beschreibung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Mediziner zum ersten Mal damit konfrontiert, dass sie tief bewusstlose Patienten, die keinen eigenen Atemantrieb haben, mit maschineller und medikamentöser Unterstützung am Leben erhalten konnten. Ende der 1950er-Jahre wurde die erste Hirntod-Definition veröffentlicht. Erst später kam die Organspende-Möglichkeit bei Hirntoten dazu.

Das Hirntod-Konzept ist fast weltweit verbreitet. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) tritt pro Jahr bei einem Prozent der rund 400.000 Sterbenden in den deutschen Krankenhäusern ein Hirntod vor dem Kreislaufstillstand auf. In Deutschland steht statistisch gesehen nur jede zweite Hirntod-Diagnostik im Zusammenhang mit einer geplanten Organ- oder Gewebespende.

Wie ist der Hirntod definiert?

Das Konzept des Hirntods ist oftmals verwirrend und umstritten, wodurch das Thema bei vielen Menschen mit Angst besetzt ist. Eine amerikanische Studie zeigte, dass nur 28 Prozent der aufgeklärten Angehörigen von Hirntoten eine richtige Hirntod-Definition geben konnten. Erste Schwierigkeiten treten daher schon bei der Frage „was ist Hirntod“ auf.

In den Details unterscheiden sich die Definitionen international. Die Hirntod-Definition besagt jedoch immer, dass ein unumkehrbarer Hirnfunktionsausfall besteht. Gleichzeitig kann jedoch das Rückenmark, auch ein Teil des zentralen Nervensystems noch (eingeschränkt) funktionieren. Der hirntote Mensch hat auf der Intensivstation einen messbaren Puls und Blutdruck. Der Körper ist also noch in der Lage, verschiedene Körperfunktionen im Gleichgewicht zu halten. Dies ist jedoch nur mit intensiver, maschineller Unterstützung möglich.

Entscheidend ist, dass ein hirntoter Mensch nicht spontan atmen kann, so dass ohne maschinelle Beatmung auch Herz und Kreislauf zum Stillstand kommen. Der Deutsche Ethikrat einigte sich darauf, dass der Hirntod eine ausreichende Voraussetzung für die Organentnahme ist. Jedoch sieht eine Minderheit des Deutschen Ethikrats den Hirntod als keine „hinreichende Bedingung“ für den Tod eines Menschen.

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Hirntod: Symptome

Wenn ein Mensch hirntot ist, kann er nicht selbstständig atmen. Hinweise auf den Hirntod sind eine fehlende Reaktion auf Schmerz (auch kein Grimassieren), kein Atemantrieb und der Ausfall von Hirnstammreflexen. Diese Reflexe werden durch den Hirnstamm, einen wichtigen Teil des Gehirns, vermittelt. Dazu zählen unter anderem der Würge- und Hustenreflex. Auch der Ausfall von Augenreflexen kann ein Hinweis auf einen Hirntod sein.

Meist haben die betroffenen Patienten einen niedrigen Blutdruck und benötigen kreislaufstützende Medikamente. Gleichzeitig sind aber Funktionen anderer Organe - abgesehen vom Gehirn - erhalten. Hirntote Menschen können Stuhlgang absetzen, urinieren, oder auch schwitzen. Der Körper kann also mit Hilfe intensivmedizinischer Unterstützung das innere Gleichgewicht (Homöostase) aufrecht erhalten. Auch motorische Reaktionen, die meist über das Rückenmark vermittelt werden, können auftreten. Dazu zählt das sogenannte Lazarus-Zeichen. Das sind reflektorische Reaktionen meist von Armen oder Beinen. Auch Zuckungen der Gesichtsmuskeln schließen einen Hirntod nicht grundsätzlich aus. Solche Zeichen können als Lebenszeichen fehlinterpretiert werden und zu einer zusätzlichen psychischen Belastung der Angehörigen führen.

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Hirntod: Ursachen und Risikofaktoren

Schlussendlich ist immer eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns Ursache für den Hirntod. Bereits eine Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr von wenigen Minuten kann zu einem Ausfall des Hirns, dem übergeordneten Steuerorgan des menschlichen Körpers, führen.

Bei über der Hälfte aller Fälle ist eine Hirnblutung die Hirntod-Ursache. Hirnblutungen sind meist Folge eines lange bestehenden Bluthochdrucks oder eines vorgeschädigten Blutgefäßes. Da der knöcherne Hirnschädel sich nicht ausdehnen kann, steigt der Druck auf das Gehirn durch die Blutung zunehmend an, so dass die Blutzirkulation in den hirnversorgenden Gefäßen zum Erliegen kommt.

Die zweithäufigste Ursache sind sogenannte ischämisch-hypoxische Hirnschäden, die durch eine Sauerstoffunterversorgung des Hirns, zum Beispiel aufgrund eines Herzkreislaufstillstands, bedingt sind. Erst auf Platz drei der Hirntod-Ursachen stehen Unfälle mit Schädel-Hirn-Verletzungen. Weitere Ursachen sind Hirninfarkte, Tumore, Hirnentzündungen und das Auftreten eines Wasserkopfs (Hydrocephalus).

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Hirntod: Untersuchungen und Diagnose

In Deutschland wird die Hirntod-Diagnostik gemäß dem Transplantationsgesetzes (TPG) im Detail von der Bundesärztekammer geregelt. Zuletzt wurde die in Deutschland dafür maßgebliche Richtlinie im März 2015 überarbeitet. Mit genauen und strengen Regeln sollen Unsicherheiten beim medizinischen Personal, vor allem aber Ängste und Sorgen von Angehörigen reduziert werden.

Bei der Hirntoddiagnostik muss ein genau geregelter Ablauf befolgt werden. Wird den Vorschriften genau Folge geleistet, gilt die Hirntod-Diagnostik als sicher. Ziel der ausführlichen Untersuchung ist die Feststellung des unumkehrbaren Ausfalls der Funktionen des Großteils des Gehirns, insbesondere des Großhirns, Kleinhirns und Hirnstamms. In der Richtlinie der Bundesärztekammer wird der Begriff „unumkehrbarer Hirnfunktionsausfall“ anstatt „Hirntod“verwendet.

Zwei qualifizierte Ärzte müssen unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Die Hirntod-Diagnostik soll nur von erfahrenen und besonders qualifizierten Ärzten (Intensivmedizin, Anästhesie, Neurologie oder Neurochirurgie) durchgeführt werden. Mindestens einer der Ärzte soll Neurologe oder Neurochirurg mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Intensivmedizin und Hirntod-Diagnostik sein.

Die beiden Ärzte dürfen nicht an der sich eventuell anschließenden Organspende beteiligt sein und auch keine Weisungen der daran beteiligten Ärzte annehmen.

Der Prozess der Hirntod-Feststellung ist durch ein Protokoll genau geregelt und erfolgt in drei Schritten:

1. Liegen die Voraussetzungen für einen unumkehrbaren Hirnfunktionsausfall vor?

Zunächst muss festgestellt werden, ob überhaupt eine ausreichend schwere Hirnschädigung vorliegt. Dabei wird zum einen unterschieden, ob das Gehirn direkt oder erst in der Folge eines anderen Schadens (z.B. Herzkreislaufstillstand) betroffen ist. Zusätzlich wird untersucht, wo im Gehirn der Schaden lokalisiert ist. Grob unterteilt man sogenannte supra- und infratentorielle Hirnschäden.

Über dem Kleinhirn befindet sich eine bindegewebige Membran, das „Kleinhirnzelt“ oder auch Tentorium cerebelli. Ein supratentorieller Schaden liegt oberhalb dieser Membran, ein infratentorieller Schaden darunter. Diese Unterteilung ist für das weitere diagnostische Prozedere von Bedeutung.

Hilfreich dafür ist eine Computertomographie (CT) des Gehirns. Diese bildgebende Untersuchung kann massive Schäden des Gehirns nachweisen. Kurz nach einer Reanimation oder direkt nach akuten Schäden kann das CT-Bild jedoch noch normal erscheinen. Es muss auch dokumentiert werden, wann dieser Krankheitszustand begann beziehungsweise wann der ursächliche Unfall stattfand.

Noch bevor die detaillierte Hirntod-Diagnostik eingeleitet werden kann, müssen andere Ursachen für den Zustand des Patienten ausgeschlossen werden. Mögliche andere Ursachen wären zum Beispiel Vergiftungen, auch durch verabreichte Medikamente oder Drogen, Unterkühlung oder auch Schockzustände. Dazu muss die Schmerz- oder/und Narkosemedikation gegebenenfalls (ausreichend lange abgesetzt werden.

Video: Organspende nach Hirntod: Zweifel an Qualität der Diagnostik. Kontrovers. BR (August 2020).

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