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Herzneurose

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Eine Herzneurose ist eine psychische Störung, bei der Betroffene ständig in der Angst leben, einen Herzinfarkt zu erleiden. Es kommt zu Panikattacken, Todesangst und nicht selten zu einem kompletten sozialen Rückzug. Klassisches Symptom der Herzneurose sind Herzschmerzen, die auf keine organische Ursache zurückzuführen sind. Lesen Sie hier, welche Ursachen eine Herzneurose haben kann und wie sie behandelt wird.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. F40ArtikelübersichtHerzneurose

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Herzneurose: Beschreibung

Die Herzneurose (Herzphobie, Kardiophobie, Da-Costa-Syndrom) ist eine spezielle Form der Angststörung. Betroffene leben in der ständigen Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden. Diese Angst wird häufig von körperlichen Faktoren wie Herzrasen, Herzschmerzen oder Herzstolpern begleitet und beeinflusst das gesamte Leben der Betroffenen. Sie kann sich zu Panikattacken und einer regelrechten Todesangst steigern.

Klassisches Anzeichen für eine Herzneurose ist, dass ein Herzspezialist (Kardiologe) keine körperliche Ursache der Beschwerden feststellen kann. Daher gehört die Herzneurose oder Herzangst zu den somatoformen, autonomen Funktionsstörungen. Das heißt, dass die körperlichen Beschwerden der Herzneurose keine körperliche Ursache haben, sondern psychisch bedingt sind. Betroffene achten aufgrund ihrer Angst verstärkt auf sich selber und nehmen jede kleine Veränderung im Körper mit Furcht wahr. Diese Angst löst dann die eigentlichen Beschwerden aus. Nicht selten geraten Betroffene so in einen Teufelskreis aus Angst und körperlichen Symptomen, den sie alleine nicht mehr durchbrechen können.

Wichtig zu beachten ist, dass sich aus einer Herzneurose im Laufe der Zeit eine tatsächliche Herzerkrankung entwickeln kann. Ebenso kann eine Herzneurose aber auch ein Begleitsymptom einer körperlichen Erkrankung sein. So entwickeln zum Beispiel Menschen, die einmal einen Herzinfarkt erlitten haben, sehr oft eine Herzneurose in der Furcht vor einem erneuten Infarkt.

Herzneurose: Häufigkeit

In Deutschland leiden etwa 100.000 Menschen an Herzangst. Circa 15 Prozent aller Patienten, die wegen Herzstörungen einen Arzt aufsuchen, haben eine Herzneurose; meist sind es Männer. Eine Herzneurose tritt vor allem bei den über 40-Jährigen auf. Jüngere Menschen leiden höchst selten daran.

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Herzneurose: Symptome

Das wichtigste Symptom bei einer Herzneurose ist die Angst vor einem Herzinfarkt, die den Betroffenen ständig begleitet. Diese Angst kann unter Umständen so stark werden, dass es zu Panikattacken und Todesangst kommt.

Wie es bei Angstzuständen häufig der Fall ist, beschleunigt sich dabei der Puls der Betroffenen und der Blutdruck steigt. Damit einhergehen können Herzrasen, Herzschmerzen oder Herzstolpern. Außerdem kann es bei einer Herzneurose zu Schwindel, Atemnot, Schwitzen und Zittern kommen. Patienten beklagen meist mehrere Symptome, die sich abwechseln.

Die Beschwerden bei einer Herzneurose können auch auf andere Organsysteme übergreifen: Typisch sind Verdauungsbeschwerden und Magenschmerzen. Auch Schlafstörungen sind ein häufiges Begleitsymptom der Herzneurose.

Sozialer Rückzug

Eine Herzneurose ist vor allem ein psychisches Problem, dementsprechend leiden Betroffene auch seelisch. Die Angst vor der Herzattacke überwiegt im Alltag alle anderen Gefühle. Betroffene leiden unter innerer Unruhe, leben in einer ständigen Schonhaltung und weisen oft depressive Symptome auf. Sie versuchen, alle körperliche Anstrengung, Aufregung oder Stress zu vermeiden, aus Angst, dass es sonst zu einem Herzinfarkt kommen könnte. Meist wird auch das soziale Umfeld wie die Familie oder Arbeitskollegen in diese Angst miteinbezogen, da Betroffene glauben, alleine nicht überleben zu können. Viele verlieren jegliches Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Stärken. Angehörige und Freunde wissen oft nicht, wie sie sich richtig verhalten sollen, um möglichst alles zu vermeiden, was den Betroffenen aufregen könnte.

Wer an einer Herzneurose leidet, fühlt sich trotz aller Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird, die meiste Zeit unverstanden und ist überzeugt, dass ihm niemand, auch kein Arzt, helfen kann.

In der Folge ziehen sich viele Betroffene von selbst zurück. Manchmal wenden sich auch Freunde aus Rat- und Hilflosigkeit immer mehr von dem Betroffenen ab. Die soziale Einsamkeit verstärkt in der Folge wieder die Angst und die Symptome der Herzneurose.

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Herzneurose: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Herzneurose ist eine psychosomatische Erkrankung. Das bedeutet, dass die auftretenden Symptome und die Angst keine körperliche Ursache haben, sondern eine psychische.

Es gibt verschiedene Theorien, wo die Ursachen einer Herzneurose zu suchen sind:

  • Ursachen in der Kindheit: Die Fachliteratur beschreibt häufig ein gestörtes Verhältnis der Eltern zu ihrem Kind als Risikofaktor für eine Herzneurose im späteren Leben. Dabei können verschiedene Arten von Beziehungen eine Rolle spielen: Mütter werden oft als überbeschützend und zu dominant beschrieben. Ebenso kann aber auch eine frühe Trennung oder eine Vernachlässigung Grund für die Störung sein, bei der Kinder keine Möglichkeit haben, Bewältigungsstrategien zu erlernen.
  • Krankheiten im sozialen Umfeld: Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Risiko für eine Herzneurose größer ist, wenn bereits ein naher Verwandter oder ein enger Freund an einer Herzneurose oder an tatsächlichen Herzbeschwerden gelitten hat. So wird der ängstliche Umgang mit dem Herzen in der Umgebung vorgelebt und von Betroffenen übernommen.
  • Todesfälle: Auch Todesfälle im eigenen Umfeld können eine Herzneurose verursachen. Der Tod eines Angehörigen oder Bekannten macht den Betroffenen ihre eigene Sterblichkeit bewusst. Viele haben Angst vor dem Tod und reagieren auf diese Angst mit einer übermäßigen Vorsicht und dem Glauben, tatsächlich bald sterben zu können.
  • Konflikte und Probleme: Ungelöste Probleme und Konflikte im Alltagsleben können ebenso zur Entstehung der Herzneurose beitragen. Sie beeinflussen die Herzfunktion auf normale Art und Weise: Das Herz schlägt schneller. Diese Reaktion wird häufig missdeutet und als schwere Erkrankung interpretiert. So rücken dann auch die anderen Konflikte in den Hintergrund.
  • Vorerkrankungen: Die Herzneurose kann auch eine Folge einer vorherigen Erkrankung sein. So entwickeln beispielsweise Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, oft eine überwältigende Angst vor einem erneuten Infarkt.

Wie entwickelt sich eine Herzneurose?

Alle diese Theorien haben einen gemeinsamen Kernpunkt: Menschen mit einer Herzneurose sind meist sehr sensibel, unsicher und haben wenig Selbstvertrauen. So interpretieren sie häufig eine ganz normale Reaktion des Herzens falsch und deuten sie als den Beginn einer Krankheit. Das Herz reagiert sehr empfindlich auf alle seelischen Veränderungen: So fängt es beispielsweise bei Angst, Stress oder Problemen im Alltag an, stärker zu schlagen als gewöhnlich. Oft schwitzt man gleichzeitig mehr oder fängt an zu zittern.

Bei einer Herzneurose werden diese Symptome überbewertet. Die Betroffenen beginnen in der Folge, stärker als jeder andere Mensch auf Veränderungen in ihrem Körper zu achten. Daraus entwickelt sich ein nicht mehr alleine zu durchbrechender Teufelskreis aus falsch interpretierten Herzaktionen und Angst.

Körperliche Voraussetzungen

Bei den meisten Betroffenen kommen außerdem gewisse körperliche Voraussetzungen hinzu, welche die Entstehung einer Herzneurose begünstigen. Während andere Menschen bei Stress und Belastung Magenbeschwerden, Migräne oder Schlafstörungen entwickeln, reagieren Menschen mit einer Herzneurose eben mit Herzproblemen.

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Herzneurose: Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose einer Herzneurose ist sehr schwierig und kann sich über viele Jahre hinziehen. Betroffene gehen davon aus, dass ihre Beschwerden eine körperliche und damit eine nachweisbare Ursache haben. Tatsächlich liegt die Ursache der Herzneurose aber in der Psyche und ist somit weder mit bildgebenden noch mit messtechnischen Verfahren nachzuweisen. Dennoch gilt es zur Abklärung einer Herzneurose mittels Untersuchungen eine körperliche Ursache der Probleme auszuschließen.

Video: Angst vor Herzstolpern - Was hilft gegen die Angst vor Extrasystolen? (August 2020).

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