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Purpura Schönlein-Henoch

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Purpura Schönlein-Henoch (Purpura anaphylactoides, Vasculitis allergica) ist eine immunologisch bedingte Entzündung der kleinen Blutgefäße. Typische Symptome sind die punktförmigen Einblutungen der Haut (Petechien), krampfartige Bauchschmerzen und Gelenkschmerzen. Purpura Schönlein-Henoch tritt bei Klein- und Schulkindern auf und wird meist durch einen vorausgehenden Infekt oder durch Medikamente ausgelöst. Hier lesen Sie alles Wichtige über Purpura Schönlein-Henoch.

ICD-Codes für diese Krankheit: ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits-bescheinigungen. D69ArtikelübersichtPurpura Schönlein-Henoch

  • Beschreibung
  • Symptome
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Untersuchungen und Diagnose
  • Behandlung
  • Krankheitsverlauf und Prognose

Purpura Schönlein-Henoch: Beschreibung

Unter Purpura Schönlein-Henoch (Anaphylaktoide Purpura, Vasculitits allergica) versteht man eine durch das eigene Abwehrsystem ausgelöste Entzündung der kleinen Blutgefäße und Kapillaren. In der Fachsprache wird eine solche Entzündung als Vaskulitis bezeichnet. Purpura Schönlein-Henoch ist die häufigste Form von Vaskulitis bei Klein- und Schulkindern und betrifft in 90 Prozent der Fälle Kinder unter zehn Jahren. Selten sind Säuglinge und Jugendliche betroffen.

Bei der Purpura Schönlein-Henoch sind vor allem die kleinen Gefäße der Haut, der Gelenke, des Magen-Darm-Traktes und der Nieren betroffen. Die Erkrankung tritt häufig nach einem vorausgehenden Infekt der oberen Atemwege oder anderen Auslösern wie beispielsweise Medikamente auf. Die Blutgefäße werden durch die Entzündung mit der Zeit durchlässiger, wodurch punktförmige Blutungen (Petechien) in der Haut entstehen. Zudem treten meist Schwellungen an Fuß- und Handrücken sowie Gelenken auf. Kinder mit Purpura Schönlein-Henoch wollen plötzlich nicht mehr laufen. Die Kinder leiden zudem häufig unter Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. In einigen Fällen kommt es bei der Purpura Schönlein-Henoch zu einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis).

Die Erkrankung beginnt akut und verläuft schubweise. In der Regel heilt sie ohne schwere Folgen aus.

Die Purpura Schönlein-Henoch wurde nach den deutschen Ärzten Johann Lukas Schönlein und Eduard Heinrich Henoch benannt.

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Purpura Schönlein-Henoch: Symptome

Bei Purpura Schönlein-Henoch stehen kleine Hautblutungen im Vordergrund. Es können jedoch auch die inneren Organe betroffen sein, meist begleitet von leichtem Fieber. Der Beginn ist in der Regel plötzlich. Die Kinder klagen über Symptome wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und krampfartige Bauchmerzen. Die Beschwerden treten dabei schubweise auf.

Die Leitsymptome einer Purpura Schönlein-Henoch betreffen verschiedene Körperregionen:

Purpura Schönlein-Henoch: Haut

Die Haut ist bei Purpura Schönlein-Henoch immer beteiligt und zeigt punktförmige, manchmal auch flächenhafte, ineinander übergehende Hautblutungen. Die Hautblutungen sind tastbar, aber nicht wegdrückbar. Meist treten sie vor allem an den Streckseiten der Unterschenkel und am Gesäß auf. Selten findet man sie auch am Unterbauch, an den Streckseiten der oberen Extremitäten und bei Jungen in der Hodengegend. Die Hautläsionen können unterschiedlich sein. Häufig beginnt die Purpura Schönlein-Henoch als einzelne Hautblutungen mit einem Durchmesser von ein bis drei Millimetern, die dann zusammenfließen und als flächenhafte Blutung erscheinen. Meist treten die Hautblutungen symmetrisch auf und jucken nicht.

Bei Kindern unter zwei Jahren kann sich eine andere Variante der Purpura Schönlein-Henoch zeigen. Sie wird als „akutes infantiles hämorrhagisches Ödem“ oder 2Seidlmayer Korkardenpurpura“ bezeichnet. Die typischen Hautblutungen finden sich hier sowohl im Bereich der Arme und Beine als auch der Gesichtshaut.

Purpura Schönlein-Henoch: Gelenke

Etwa 65 Prozent der Kinder mit Purpura Schönlein-Henoch zeigen einen plötzlichen Beginn von schmerzhaften Schwellungen und Bewegungseinschränkung, vor allem in Sprung- und Kniegelenken (Purpura rheumatica). Meist sind beide Körperseiten betroffen. Eltern bemerken dann, dass ihr Kind „plötzlich nicht mehr laufen“ kann.

Purpura Schönlein-Henoch: Magen-Darm-Trakt

Kolikartige Bauchschmerzen, aber auch blutiger Stuhl (Purpura abdominalis) und Durchfall können durch die Entzündung der Dünndarmgefäße hervorgerufen werden. Der Magen-Darm-Trakt ist bei der Hälfte der Kinder mit Purpura Schönlein-Henoch betroffen. Erbrechen und blutiger Stuhl können auf eine Einstülpung der Darmschlingen (Invagination) hinweisen.

Purpura Schönlein-Henoch: Niere

Nach ein bis zwei Wochen kann es zu sichtbaren oder nicht sichtbaren Blutbeimengungen im Urin kommen (Makro- oder Mikrohämaturie). Dies betrifft mindestens 30 Prozent der Kinder mit Purpura Schönlein-Henoch. Auch Eiweißausscheidung über den Urin (Proteinurie), erhöhter Blutdruck und eine Nierenfunktionsstörung sind möglich. Bei einer solchen Nierenbeteiligung spricht man von einer Schönlein-Henoch-Nephritis.

Purpura Schönlein-Henoch: Zentrales Nervensystem

Sehr selten sind bei Purpura Schönlein-Henoch die Hirngefäße betroffen. Kopfschmerzen, Verhaltensstörungen, Krampfanfälle, Lähmungen und Bewusstseinseinschränkungen können dann auftreten.

Purpura Schönlein-Henoch: Hoden

Selten kommt es bei Purpura Schönlein-Henoch zur Hodenentzündung (Orchitis): Die Hoden schmerzen und sind geschwollen. Wichtig ist es, eine Hodentorsion (Drehung des Hodens und Samenstranges um die Längsachse) auszuschließen, da diese unbehandelt zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Purpura Schönlein-Henoch: Komplikationen

Komplikationen bei Purpura Schönlein-Henoch sind sehr selten und treten nur vereinzelt auf. Bei einer sogenannten fulminanten Verlaufsform treten plötzlich symmetrische flächige Hautblutungen auf. Meist entwickeln sich aus diesen Blutungen Blasen, die schließlich nekrotisch werden (Gewebeuntergang). Bei dieser Variante einer Purpura Schönlein-Henoch kann das Kind einen lebensgefährlichen Schock erleiden.

Eine weitere Komplikation, die bei Purpura Schönlein-Henoch auftreten kann, ist die Darmeinstülpung (Invagination).

Bei der Schönlein-Henoch-Nephritis kann es später zu einer erneuten Erkrankung der Nieren kommen. Dabei verschlechtert sich die Nierenfunktion.

Frauen, die schon einmal an einer Purpura Schönlein-Henoch erkrankt sind, neigen in der Schwangerschaft eher zu Nierenproblemen.

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Purpura Schönlein-Henoch: Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der Purpura Schönlein-Henoch ist unbekannt. Fast 80 Prozent der Fälle gehen von medikamentösen, viralen und bakteriellen Auslösern aus. Vermutlich liegt eine immunologische Reaktion nach Infekten der oberen Luftwege wie beispielsweise mit Influenza-A-Viren (Grippe-Erreger) oder β-hämolysierenden Streptokokken vor.

Die meisten Medikamente können eine Purpura Schönlein-Henoch auslösen, vor allem aber Antibiotika, Entzündungshemmer (Antiphlogistika wie beispielsweise Kortison und nichtsteroidale Antirheumatika) und Medikamente, welche die Wasserausscheidung fördern (Thiazide). Auch andere Auslöser wie Insektenstiche, Impfungen, Hyposensibilisierungen oder bestimmte Erkrankungen des Immunsystems wie beispielsweise Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen), Lebererkrankungen und bösartige Tumoren sind möglich. Manchmal tritt eine Purpura Schönlein-Henoch auch ohne erkennbaren Grund auf.

Purpura Schönlein-Henoch: Gefäßentzündung

Die Antikörper, dabei handelt es sich um sogenannte Immunglobuline A (IgA), lagern sich bei Purpura Schönlein-Henoch an den Gefäßwänden ab. Es entstehen IgA-Immunkomplexe, die eine Entzündungsreaktion auslösen (Komplementaktivierung) und zur Zerstörung der kleinen Gefäße nicht nur in der Haut, sondern auch im Magen-Darm-Trakt und in den Nieren führen können. Die Gefäßschäden haben zur Folge, dass Blut ins umgebende Bindegewebe austritt und die typische Blutung auslöst. Eine Entzündungsreaktion eines Blutgefäßes wird in der Fachsprache Vaskulitis genannt. Sie wird auch als Typ III-Allergie (Arthus Reaktion) bezeichnet.

Purpura Schönlein-Henoch: Ansteckend?

Da es sich bei der Purpura Schönlein- Henoch um eine autoimmun bedingte Entzündung der Gefäße handelt, ist diese Erkrankung nicht ansteckend. Es müssen keine Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

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Purpura Schönlein-Henoch: Untersuchungen und Diagnose

Bei Verdacht auf Purpura Schönlein-Henoch ist es ratsam, Ihr Kind einem Facharzt für Kinderheilkunde vorzustellen. Dieser kann feststellen, ob es sich bei dem Hautausschlag tatsächlich um Purpura Schönlein-Henoch oder aber eine andere Erkrankung handelt.

der charakteristischen Symptome sowie weiterer Untersuchungsmethoden und Laborwerten stellen.

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